Die Kandidaten (von links): Yamaha MT-09, KTM 1290 Super Duke R, Kawasaki Z 1000 SE.
Die Kandidaten (von links): Yamaha MT-09, KTM 1290 Super Duke R, Kawasaki Z 1000 SE. © Richard A. Meinert

Streetparade

Yami vs. KTM vs. Kawa

Von Michael Kutschke
15.04.2014 10:10:07

Teuer contra günstig: Heisse Kurven, knappe Outfits und klamme Finger – ein Power-Naked-Trio beim Strassentanz.

Aus der Traum vom Töfftest im warmen Süden: Col de l’Espigoulier, im Hinterland der Hafenstadt Marseille – der KTM-Bordcomputer gibt eine erste Eiswarnung heraus... 

Der lange Marsch 

Volketswil ZH: Drei sportliche Nakeds stehen in der Garage. Draussen frostige Temperaturen, drinnen lange Redaktionssitzungen und schwere Entscheidungen: Sardinien, Côte d'Azur oder Spanien? Es bleibt nur der Süden, aber wir haben nur drei Tage Zeit...

Auriol (F) – 765 Kilometer, 109 Liter Diesel und jede Menge Mautgebühren später. Auf dem Hotelparkplatz nordöstlich von Marseille warten fest verzurrt im Bus, eine Kawasaki Z 1000 SE, eine KTM 1290 Super Duke R und die dreizylindrige Yamaha MT-09. 437 PS brennen darauf, endlich bewegt zu werden.

8 Uhr am nächsten Morgen: fünf Grad, es ist bedeckt. Keine gute Idee, eine Street-Parade mit Naked-Bikes ausgerechnet mitten im Winter zu veranschlagen. Hätten wir doch Spanien als Lokalität gewählt, oder wenigstens vollverkleidete Tourenschiffe im Test.

"Brrrr...", so viel steht fest: Egal, ob KTM, Kawasaki oder Yamaha – jede dieses Trios wird uns gehörig das Schlottern lehren, denn die nur mit Plastik-Feigenblättern bekleideten Nakeds lassen uns ungeschützt im eisigen Mistral, der vom Rhonetal her fegt, hocken.

Nackt im Winterwind 

Das Segment der nackten Powerbikes boomt. Es ist der Grundgedanke des Töfffahrens, es sind die breiten Lenker und die aufrechte Gangart, die locken. Aber was macht ein sündteures, üppig ausgestattetes High-end-Nacktmodell à la KTM eigentlich besser als die Vernunftsmaschinen der oberen und unteren Mittelklasse? 

So oder so: Die Töffszene frönt dem Striptease! Einige Hersteller reissen ihren Supersportlern einfach die Verkleidungen vom Leib – jüngstes Beispiel ist die neue BMW S 1000 R. Aber auch die zweizylindrige Reizwäsche-Trägerin KTM 1290 Super Duke ist aus dem Ösi-Renner 1190 RC8 hervorgegangen. Ihr Herzstück ist genau dieser RC8-Motor, der nun auf rund 1300 Kubikzentimeter aufgeblasen wurde. Eingerahmt wird das Ganze nach Art des Hauses natürlich von einem Stahl-Gitterrohrchassis und feinen WP-Federelementen. Eine Vollausstattung an elektronischen Assistenzsystemen (ABS, Wheelie-Kontrolle, schräglagenabhängige Traktions- kontrolle, drei Motormappings) ist an Bord, und Gas gibt man beim leistungsstärksten Naked-Bike per Drive-by-Wire.

Die zeigefreudige Strassentänzerin Kawasaki Z 1000 SE mit ihrem Reihenvierer dagegen frönt spartanischeren FKK-Traditionen – die Grünen schrieben mit der unverkleideten Z1 900 Anfang der 70er-Jahre sogar Geschichte, legten den Grundstein der Big-Bike-Ära. Kawasaki weiss also, was Biker wünschen, verpasst der Z1000 Jahrgang 2014 ein aggressives und futuristisches Design. Die neue "Z" deshalb auf Äusserlichkeiten zu reduzieren, wäre ungerecht. Der Z-Motor ist zwar ein alter Bekannter, doch vermag der Zug des Vierzylinders immer wieder aufs Neue zu begeistern.

Einzig das Modell mit den gekreuzten Stimmgabeln im Markenemblem verfügt über einen völlig neu entwickelten 847-ccm-Reihen-Dreizylindermotor. Aber auch bei der neuen Yami hat die Street Parade Tradition: Die MT-09 kann nackte Ahnen aus den 1970ern vorweisen, nämlich die dreizylindrige XS-Baureihe.

Col de l’Espigoulier 

Plötzlich blinzelt die Sonne zwischen Wolkenlücken durch, und die kräftigen Böen mischen das Gewölk gehörig auf. Die Hände unverkrampft am Lenker, Knie am Tank, Stiefel fest auf den Rasten – ab geht's... Gut so, doch was wird wohl bei diesen Temperaturen und nach einem langen Tag noch an Faszination für Motorräder ohne Wind- und Wetterschutz übrig bleiben? Nun, die tropfenden Nasen im eiskalten Sturm können es nicht sein. Und Leistung wird relativ, wenn der ungezähmte Fahrtwind die Grenzen früh steckt. Umso mehr zählen Charakter, Design und Attraktivität. Wedeln wir also die kurvige D 45A hinauf. 

Da! Die D2. Der Abzweig zum 726 Meter hohen Col de l'Espigoulier. Der Pass überquert das 20 Kilometer östlich von Marseille gelegene Massif de la Sainte Baume. Dieses ist das Highlight unserer 100 Kilometer langen Wintertestrunde von Auriol zum Cap de l'Aigle bei Marseille und zurück. Gut, der Espigoulier gehört nicht gerade zu den höchsten oder bekanntesten Bergstrassen Frankreichs, auch reisst seine bescheidene Höhe den passionierten Alpenchallenger nicht gerade vom Sattel. Aber die TÖFF-Winterteststrecke komprimiert die komplette Bandbreite der Anforderungen an ein Fahrzeug in den heimischen Alpen: Mit moderater Steigung und offenen Kurvenkombinationen präsentiert sich vor allem die Anfahrt vom Städtchen Auriol und das obere Drittel hinter der Passhöhe.

Auf dem Scheitelpunkt der Bergstrecke eröffnet sich übrigens eine prachtvolle Aussicht in Richtung Marseille und das Mittelmeer. Aber der nun folgende labyrinthartige Streckenabschnitt bis Gemenos ist für uns noch verlockender: Die Strasse wechselt wie eine sich windende Schlange die Richtung; man zählt zwölf leckere, eng übereinanderliegende Kehren. Hier sollte sich die Stimulanz des "Weniger ist mehr" und des "Zurück zu den Ursprüngen mit bis zu 180 PS" trotz der Winterkälte trefflich "er-fahren" lassen.

Glaubensfragen 

36 Stunden und 230 Kilometer später. Die Abendsonne taucht die eisige Passhöhe des Espigoulier in warmes rotes Licht. Die letzten 20 Kilometer dieses Motorrad-Vergleichs liegen vor uns. Null Grad. Zeit zum Frieren bleibt den TÖFF-Testfahrern dennoch kaum: Bremsen, Kuppeln, Schalten, Abklappen, Aufrichten, Beschleunigen ... vorher an der Küste, da mussten sich die Probanden dem Stop and Go der Rushhour Marseilles stellen ...  Zeit also, die Essenz der letzten anderthalb Tage zu destillieren: KTM, Kawasaki oder Yamaha war die Frage, und ob teurer gleich besser ist.

Wenn über Glaubensfragen gestritten wird, geht es immer heiss her. Hat man auf der KTM mit der vollen Packung modernster Fahrassistenzsysteme und brachialen 180 PS wirklich mehr Fahrspass als mit einer MT-09, die mit einem Minimum an elektronischen Fahrhilfen auskommt, aber fast nur halb so viel kostet?

Rote Köpfe, Streit und heisere Stimmen gibt es jedoch nicht nur zum Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwei, drei oder vier Zylinder? Mythen werden erzählt, wenn es um die Art der Leistungsentfaltung geht; Legenden beim Streit um die Ausstattung! Was ist besser? Das Mehr an Elektronik oder nur das Notwendigste? Vernunft oder Unvernunft? Und was sollen 180 PS, wenn der anstürmende Orkan auch mit 115 kaum auszuhalten ist? Da hilft Probieren statt Studieren. Doch vorher sollte eine weitere konzeptionelle Gemeinsamkeit der Nackedeis erwähnt werden: Drehmoment in jeder Lage, das ist die Grösse, über die sich alle drei Testbikes definieren möchten – trotz grosser Preis- und Ausstattungsunterschiede.

Der Dreh mit dem Moment 

Der KTM-V2 drückt massige 144 Nm bei 6500/min ab, der Yamaha-Drilling 87 bei 8500 Touren und der Kawa-Vierzylinder 111 bei 7300/min.  Alles klar, so liegt die Sache also: Spiel, Satz und Sieg für die KTM. Sind es demzufolge nur Papierwerte, die alles entscheiden? Wohl kaum. Denn Ortsdurchfahrten mit Tempo 50 und weniger lassen sich mit der Yami lässig auch im höchsten Gang bewerkstelligen, und zum Beschleunigen am Ortsende braucht der Schaltfuss auf ihr am wenigsten bemüht zu werden. Das Drehmoment-Monster KTM lässt sich hier nicht so schaltfaul fahren, benimmt sich in der Praxis anders, als es die trockenen Papierwerte suggerieren. Bummeln im letzten Gang ist mühsam, weil die Drehzahl zu sehr in den Keller fällt. Also liegt innerorts meistens der vierte Gang an.

Und der Reihenvierer? Der packt die Schleichfahrt im letzten Gang zwar lässig, aber derart gequält kann von rasanter Beschleunigung beim Erreichen der Stadtgrenze nur geträumt werden. Übrigens: Beim Stop and Go vor dem Rotlicht, da fällt die "Z" durch die im Vergleich grössten Handkräfte am Kupplungshebel auf.

Eilige Dreifaltigkeit 

Die nächste Überraschung: Sie erinnern sich an unsere Referenzetappen am Espigoulier, die eine mit ihren langen, weiten Bögen, die andere mit engen und langsamen Ecken? Der Vierzylinder lässt sich hier selbst bei flotterer Landstrassenfahrt plötzlich fast ohne Schaltarbeit bewegen. Die Drehzahl der Kawa muss einfach auf einem etwas höherem Niveau gehalten werden. Es gilt dasselbe auch bei der KTM: Wer höher dreht, muss weniger schalten. Bei der Yamaha ist es genau umgekehrt.

Apropos: Der Antritt des Ösi-V2 beim Öffnen der Drosselklappen führt in allen Drehzahlbereichen zu einem Vorschub, welcher selbst einen Dampfkatapult in den Schatten zu stellen scheint. Dass aber auf der KTM beim Abdrücken aus engen Kehren dennoch früh hochgeschaltet werden kann, überrascht, hängt mit einer anderen bauartbedingten Eigenheit des RC8-Triebwerklayouts zusammen: der besten Laufkultur im Vergleich! Gänzlich ohne Lastwechselreaktionen, Spiel im Antriebsstrang und perfekter Gasannahme in allen drei Motormodi stürmt die nackte Austria-Kanone vor. Der kernige Schlag des V2 ist dabei derart kräftig, dass übertriebene Drehzahlen wenig erstrebenswert scheinen. 

Zurück zur Yami: Beim direkten Umstieg ist man fast versucht, der MT-09 eine übertriebene Hyperagilität vorzuwerfen. Nach einigen Kurven Eingewöhnungszeit und einer Anpassung des Fahrstils auf die bequem aufrechte Fahrposition lernt man das agile Kurventänzchen mit der MT lieben. Die Yamaha präsentiert sich in allen Bögen zunächst als wahrer Alleskönner: Sie verwöhnt den Fahrer dabei mit erstaunlicher Handlichkeit und einem fein abgestimmten, gut ansprechenden Fahrwerk. Werden die Kehren spitzer, das Tempo schneller und der Asphalt holpriger, herrscht auf der MT-09 weniger gute Laune. Der Bereich zwischen "zu wenig" und "zu viel" wird ausgerechnet beim eigentlich dafür prädestinierten Motorkonzept schnell zu eng.

Wo herrscht Genuss und wo Verdruss? 

Ein schönes Beispiel dafür ist das holperige, schmale Teilstück an der Südrampe des Espigoulier. Hier, im Kehrenlabyrinth zwischen Abgrund und Felswand, lassen sich hervorragend Eindrücke über Fahrwerks- und Motorqualitäten sammeln. Die Yamaha mag dieses Teilstück nicht. Im "A"- und "STD"-Motormapping quittiert die MT-09 die Kommandos ihres Piloten mit ruppiger Gasannahme, die sich nur im B-Modus auf ein erträgliches Mass besänftigen lässt.

Frühes Bremsen und Gasanlegen vor der Kurve glätten zwar den digital einsetzenden Leistungseinsatz, aber letztlich dämpft ein indifferent bleibendes Fahrgefühl weitere Ambitionen auf einen noch heftigeren Kurvenfight mit der KTM. Nicht so tragisch: Die Dreizylinder-Yamaha verfügt eh über die komfortorientiertere Fahrwerksgrundabstimmung als die Konkurrentinnen. Gerade deshalb versteht sie sich gut aufs genussvolle Powertouring, sportlich, aber ohne übertriebene Hektik. Die MT verwöhnt den Fahrer dabei mit erstaunlicher Handlichkeit. Wer es jedoch auf der letzten Rille und mit zackigen Kommandos angehen lässt, der wird es mit dem zu weichen Federbein zu tun bekommen: Das Heck der MT-09 fängt dann beim Kurventanz an zu pumpen. Wenn man die Zugstufe vorn wie hinten ganz zudreht, können aber auch verkehrspsychologisch labile Fahrer damit leben. 

Aber auch die Kawa glänzt nicht nur durch Perfektion in Vollendung. Mit ihren straff abgestimmten Federelementen ist die "Z" klar am liebsten auf ebenen Fahrbahnen unterwegs. Wird's holperig, meistert die Grüne ihre Aufgabe zwar gut, verlangt vom Lenker aber im Vergleich zur KTM spürbar mehr Nehmerqualitäten ab. Hauptverantwortlich sind dafür nicht etwa nur die kleinen Auffälligkeiten bei der Gasannahme, sondern deren Kumulation mit einem kräftigen Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage. Auch die Rückmeldung über den aktuellen Fahrzustand an den Popometer dürfte ruhig deutlicher ausfallen.

Wie neutral und transparent es durchs Kurvenlabyrinth gehen kann, zeigt KTM. Die Mattighofenerin meistert Kurven aller Art nahezu spielerisch. Handlichkeit und Stabilität verschmelzen zu einer gelungenen Ausgewogenheit, welche keine Wünsche offen lässt. Ihr steifer Gitterrohrrahmen sorgt für das direkte und straffe Fahrgefühl und eine Zielgenauigkeit, die begeistert. Glatter Asphalt oder Schlaglochpiste? Egal! So kalt wie die Super Duke lässt das keine andere Strassentänzerin im Feld. Das voll einstellbare WP-Fahrwerk lässt sich perfekt an die verschiedensten Bedürfnisse adaptieren, so dass auch Unebenheiten bestens weggebügelt und gedämpft werden.

Und mit ihrer prallen Power zieht die Orangene sowieso jeden in ihren Bann. Trotz 180 PS muss man dank der Elektronik-Vollausstattung dennoch nicht mal auf einem Superman-Heft geschlafen haben, um mit der athletischen Österreicherin klarkommen zu können. Bei den empfindlich kühlen Temperaturen am Espigoulier hatte besonders die Traktionskontrolle der KTM stets jede Menge Arbeit. Und plötzlich sind die vielen elektronischen Fahrhilfen keinen Widerspruch mehr wert. Warum auch? Die tollen Helferlein der Österreicherin erledigen ihren Auftrag stets termingerecht und unauffällig.

Epilog einer unfairen Strassenparade 

Statt wie gewöhnlich einen Vergleich mit Motorrädern der selben Preisklasse anzustellen, wollten wir wissen, wie dicht die Naked-Mittelklasse dem High-End-Bike KTM auf der Spur ist. Nun, Disparitäten sind klar erkennbar. Besonders dann, wenn es ums Fahren im Grenzbereich geht oder ein sehr grosses Einsatzspektrum gefragt ist. 

Fakt ist: Egal, welche Kurvenradien, egal welcher Streckenzustand, die Super Duke fährt am souveränsten und zielgenausten über den Asphalt. Die KTM scheint ein Töff mit automatischer Absichtserkennung zu sein. Beim Jammern auf hohem Niveau könnte man höchstens anmerken, dass das Getriebe nach dezidierten Schaltimpulsen verlangt.

Wem der hohe Einstandspreis für die Vernunft mit 180 PS zu unvernünftig ist, der dürfte mit der Kawasaki Z 1000 SE die beste Wahl treffen. Enorme Kraftreserven untermauern den aggressiven Auftritt der neuen "Z". Ihr unaufgeregt agierendes Kraftwerk verführt weniger zu dauernden Attacken als das der Super Duke, und die Ferien lassen sich dank Gepäckhaken (wie auch bei der Yamaha) einfacher geniessen. 

Womit wir bei der Überraschung des Tests wären. Gegenüber der KTM erscheint die MT-09 geradezu als Sonderangebot. Dabei entpuppte sich der Dreizylinder-Töff als das handlichstes Bike im Vergleich. Und der kaum vibrierende Triple bietet trotz seines Hubraummankos massig Druck in allen Lagen. Auch das hat der Test gezeigt – die polyvalente Yamaha ist so etwas wie der Geheimfavorit für kostenbewusste Nacktfahrer, für die Fahrkomfort und praxisgerechte Alltagstauglichkeit eine Rolle spielen. Verständlicherweise muss man bei einem Preis von 10 490 Franken jedoch kleine Abstriche in Kauf nehmen. Aber dafür bietet die Dreizylinder-Yamaha eine prickelnde Basis fürs Customizing.


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Kawasaki Z 1000 SE

Hubraum: 1043 ccm 
Leistung: 142 PS bei 10 000/min 
Gewicht: 221 kg fahrfertig, vollgetankt 
Preis: ab 14 990 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 340.20 Fr./Jahr 


Auf den Punkt gebracht: Die "Z" begeistert durch katapultartigen Antritt und lineare Leistungsabgabe. Die Kawa ist in Sachen elektronische Assistenz-Systeme nicht auf der Höhe der Zeit. 


+ Fulminanter, druckvoller Motor 
+ Ergonomie, Sound, Fahrwerk 
+ Gute Verarbeitung 
+ Auffällige LED-Hauptscheinwerfer 
– Starkes Aufstellmoment beim Bremsen 
– Gasannahme könnte weicher sein 
– Hohes Fahrzeuggewicht 


Motor **** 
Fahrwerk *** 
Ergonomie **** 
Bremsen **** 


Import 

FIBAG AG Kawasaki, Lischmatt 17, 4624 Härkingen, Tel. 062 285 62 00 
www.kawasaki.ch


*** *** ***

KTM 1290 Super Duke R

Hubraum: 1301 ccm 
Leistung: 180 PS bei 8870/min 
Gewicht: 189 kg trocken 
Preis: 19 790 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 396.90 Fr./Jahr 


Auf den Punkt gebracht: So perfekt austariert ist keine andere: Brachiale Leistung, weiche und stets reproduzierbare Gasannahme, Agilität und Stabilität lassen kaum Wünsche offen. 


+ Gasannahme, Leistung, Elastizität 
+ ABS-Bremse, Fahrassistenzsysteme 
+ Transparentes und neutrales Fahrverhalten 
– Handling Seitenständer 
– Benzinkonsum 
– Menüführung Bordcomputer 


Motor ***** 
Fahrwerk ***** 
Ergonomie **** 
Bremsen ***** 


Import 

KTM Schweiz, Zürcherstr. 305,  8500 Frauenfeld, Tel. 052 725 08 88
www.ktm.ch


*** *** ***

Yamaha MT-09

Hubraum: 847 ccm 
Leistung: 115 PS bei 10 500/min 
Gewicht: 191 kg vollgetankt 
Preis: ab 10 490 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 283.50 Fr./Jahr 


Auf den Punkt gebracht: Die MT-09 ist flink wie ein Wiesel. Ihre ruppige Gasannahme jedoch ist verbesserungswürdig. Das Fahrwerks-Grundsetup ist eher komfortorientiert. 


+ Geniales Preis-Leistungs-Verhältnis 
+ Spielerisches Handling 
+ Benzinkonsum, Motorklang 
+ Elastischer Motor, Fahrzeuggewicht 
– Ruppige Gasannahme (A-/STD-Modus) 
– Finish, unterdämpftes Heckfederbein 
– Ablesbarkeit Cockpit 


Motor *** 
Fahrwerk *** 
Ergonomie **** 
Bremsen **** 


Import 

Hostettler AG, Haldenmattstrasse 3, 6210 Sursee, Tel. 041 926 61 11
www.yamaha-motor.ch


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Testermeinungen

David Basler: KTM trifft mit der Super Duke voll ins Schwarze. Die Laufruhe des V2 ist überwältigend. Es ist echt schwierig, an diesem Motorrad Schwächen ausfindig zu machen. Auch die Kawa begeistert, aber die Überraschung des Tests ist für mich die Yamaha. In Sachen Preis-Leistung ist die MT-09 unschlagbar. 

Dimitri Hüppi: Ein ungewöhnlicher Vergleich? Nun, in Töffclubs treffen ja auch diverse Bikes aufeinander. Jetzt ist klar: Die MT-09 hält auf der Strasse gut mit Stärkeren mit und sorgt dabei trotz Makeln für Fun; die Z 1000 bietet Top-Power und -Optik, ist aber wenig handlich, und die Super Duke ist wirklich High-end. 

Michael Kutschke: Mächtig Spass machen alle drei: Man darf kommod sitzen, die Motoren liefern Druck ohne Ende, es lässt sich auf diesen Power-Nakeds genial angasen oder auch nur so herumcruisen. Aber eine nahezu perfekte Motorabstimmung und ein mustergültig austariertes Fahrwerk hat nur eine: die KTM.


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Messwerte: Kawasaki KTM Yamaha
Topspeed (km/h) 237 272 210
Beschleunigung 0-100 km/h 3,2 s 3,3 s 3,4 s
Durchzug 60-100 km/h 2,9 s 3,4 s 3,3 s
Testverbrauch (sportlich) 8,1 L 9,2 L 7,5 L



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Die nackten Kanonen auf der Street Parade im Überblick

Kawasaki Z 1000 Special Edition: Die Z 1000 erhielt für 2014 eine umfassende Modellpflege. Die erstmalig verwendeten LED-Hauptscheinwerfer in der tief montierten Frontmaske unterstreichen den neuen grimmigen Look. Gefallen haben die brachiale Motorleistung von jetzt 142 PS. Negativ aufgefallen sind uns die Gasannahme aus dem Schiebebetrieb, das üppige Gewicht von 221 Kilo, das deutliche Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, und 8,1 Liter Testverbrauch sind auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Warum die "Z" nur mit ABS, aber ohne wählbare Fahrmodi samt Traktionskontrolle auskommen muss, ist völlig unverständlich. 

KTM 1290 Super Duke R: 180 PS, 204 Kilo – die Super Duke ist ein hochspezialisiertes Bike mit Hightech-Vollausstattung. Ihre Fahrassistenzsysteme zählen zum Besten, was es derzeit zu kaufen gibt. Das ABS funktioniert tadellos, die verschiedenen Modi der Traktionskontrolle begeistern. Die 1290 Super Duke setzt ohne Zweifel die Massstäbe im Naked-Bike-Segment. Gefallen haben die tadellose Ergonomie, die jederzeit bestens kontrollierbare Power der KTM, die unglaubliche Elastizität des Motors und das völlig neutrale Fahrverhalten. Nicht gefallen haben der Testverbrauch von 9,2 Litern und die fehlenden Gepäckhaken am Heck. 

Yamaha MT-09: 115 PS stark und 190 Kilogramm leicht – Ride-by-Wire, ABS, drei wählbare Motormappings: Gefallen hat uns beim neuen Japan-Triple das geniale Preis-Leistungs-Verhältnis, die immense Leistung bei allerniedrigsten Drehzahlen, die lineare Kraftentfaltung und die unglaubliche Handlichkeit. Ihr Testverbrauch fällt mit 7,5 Litern trotz sportlicher Fahrweise und Hubraummanko überraschend moderat aus. Nicht so gut: die ruppige Gasannahme im A- und STD-Modus sowie das Finish (offen liegende Schläuche und Leitungen).


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Fazit

Wenig überraschend, dass ein High-End-Bike mit elektronischer Vollausstattung wie die KTM die Mittelklasse-Japaner bei diesem Test aussticht. Bemerkenswert jedoch ist, wie perfekt austariert sich das Fahrwerk und wie mustergültig sich die Motorabstimmung im Vergleich zu den japanischen Konkurrentinnen anfühlen. Kawasaki sollte die "Z" unbedingt elektronisch aufrüsten und Yamaha bei der sensationell günstigen MT-09 in Sachen Gasannahme noch einmal über die Bücher.


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Doppelt profitieren mit TÖFF

Was sind die entscheidenden Test-Kriterien für einen potenziellen Käufer eines neuen Motorrades? Etwa die Rundenzeiten einiger aufgeblasener Schreiberlinge? Oder dass das neue Töffmodell nun eine um 2,43 Millimeter kürzere Schwinge aufweist? Doch wohl eher, dass der Ofen unter realen Landstrassen- und Alltagsbedingungen tadellos funktioniert, gut aussieht und auch jede Menge Fahrspass bietet. 

Deshalb testet die TÖFF-Redaktion am liebsten da, wo auch Sie gerne mit Ihrem Motorrad unterwegs sind. Und deshalb bietet das TÖFF-Magazin seinen Lesern die Möglichkeit, selbst zu erleben, unter welchen Rahmenbedingungen und an welchen Orten TÖFF-Tests wie dieser entstehen. Nicht nur die hier im Text beschriebene Strecke am Col de l’Espigoulier können Sie nachfahren. Diese und weitere geniale Teststrecken mit jeder Menge Reise- und Übernachtungstipps gibt’s inkl. GPS-Downloads unter

www.toeff-magazin.ch/artikel_713.html und www.toeff-magazin.ch/artikel_1111.html sowie www.toeff-magazin.ch/artikel_820.html 

Sie können unsere Motorradtests auch selbst hautnah miterleben: TÖFF und Dunlop haben nämlich mit der legendären Swiss Alpenchallenge nicht nur einen gefragten Leserevent etabliert. Die Redaktion nutzt die 129-Pässe-Tour bereits seit 14 Jahren auch als einmaliges Revier für Härtetests.

Die Swiss Alpenchallenge von TÖFF und Dunlop ist also seit 14 Jahren nicht nur die grösste Herausforderung für erfahrene Pässefahrer weltweit, sondern auch für den TÖFF-Testfuhrpark. 129 Pässe bringen jedes Fahrwerk an die Belastungsgrenze, jede Bremse und jeden Reifen zum Wimmern. Deshalb nimmt TÖFF alle Jahre wieder Testmaschinen auf die wohl härteste Teststrecke der Welt mit. 

Artikel zur Swiss Alpenchallenge von TÖFF und Dunlop:  www.toeff-magazin.ch/sonstiges/swiss-alpenchallenge-940.html



Die jungen Wilden?... brutal, nackt, obsessiv und intensiv. Die jungen Wilden?... brutal, nackt, obsessiv und intensiv. © Richard A. Meinert
Die Z 1000 SE blickt böse ums Eck! Die Z 1000 SE blickt böse ums Eck! © Richard A. Meinert
In Sachen Agilität und Stabilität lässt die Super Duke kaum Wünsche offen. In Sachen Agilität und Stabilität lässt die Super Duke kaum Wünsche offen. © Richard A. Meinert
Der Dreizylinder der MT-09 drückt bei jeder Drehzahl. Der Dreizylinder der MT-09 drückt bei jeder Drehzahl. © Richard A. Meinert
Scharfe Heckansichten (von links): Kawasaki Z 1000 SE, Yamaha MT-09, KTM 1290 Super Duke R. Scharfe Heckansichten (von links): Kawasaki Z 1000 SE, Yamaha MT-09, KTM 1290 Super Duke R. © Richard A. Meinert
Nakeds im Kurventanz... Nakeds im Kurventanz... © Richard A. Meinert
Die Kawa-Bremsscheiben im Wave-Design sind cool. Die Kawa-Bremsscheiben im Wave-Design sind cool. © Richard A. Meinert
Das neue Kawa-Cockpit ist besser ablesbar, aber die Ganganzeige fehlt. Das neue Kawa-Cockpit ist besser ablesbar, aber die Ganganzeige fehlt. © Richard A. Meinert
Alter Bekannter ohne Elektronik-Firlefanz. Der Z-1000-Vierzylinder leistet jetzt 4 PS mehr, aber er hat noch immer keine wählbaren Motormappings oder Traktionskontrollen. Alter Bekannter ohne Elektronik-Firlefanz. Der Z-1000-Vierzylinder leistet jetzt 4 PS mehr, aber er hat noch immer keine wählbaren Motormappings oder Traktionskontrollen. © Richard A. Meinert
Lenkungsdämpfer, Ride-by-Wire und Traktionskontrolle helfen auf der KTM, wenn's nötig ist. Lenkungsdämpfer, Ride-by-Wire und Traktionskontrolle helfen auf der KTM, wenn's nötig ist. © Richard A. Meinert
Die Menüführung des KTM-Bordcomputers ist zu textlastig. Die Menüführung des KTM-Bordcomputers ist zu textlastig. © Richard A. Meinert
V2-Gewalttäter in der Super Duke - 180 PS in makelloser Abstimmung. V2-Gewalttäter in der Super Duke - 180 PS in makelloser Abstimmung. © Richard A. Meinert
Prächtige Verzögerungen mit ABS und radial montierten Vierkolben-Bremszangen auf der MT-09. Prächtige Verzögerungen mit ABS und radial montierten Vierkolben-Bremszangen auf der MT-09. © Richard A. Meinert
Das LCD-Cockpit der Yamaha ist asymmetrisch platziert. Das LCD-Cockpit der Yamaha ist asymmetrisch platziert. © Richard A. Meinert
Herrlicher Dreiklang mit Fahrspass ohne Langeweile. Die Abstimmungen der Motormappings überzeugen nicht. Herrlicher Dreiklang mit Fahrspass ohne Langeweile. Die Abstimmungen der Motormappings überzeugen nicht. © Richard A. Meinert
Faces in the crowd - satanischer Antritt und jede Menge Machopotenzial, so dass man vor Vergnügen in den Helm brüllt. Faces in the crowd - satanischer Antritt und jede Menge Machopotenzial, so dass man vor Vergnügen in den Helm brüllt. © Richard A. Meinert