Die Kandidaten (von links): KTM 1290 Super Duke R, BMW S 1000 R, Ducati Monster 1200 S.
Die Kandidaten (von links): KTM 1290 Super Duke R, BMW S 1000 R, Ducati Monster 1200 S. © Alex Krassovsky

BMW - Ducati - KTM

Power-Naked-Bikes

Von Michael Kutschke
27.06.2014 18:12:04

Zwei Frischlinge von BMW und Ducati gegen das saustarke 180-PS-Power-Naked-Bike von KTM. Eine abgedrehte Jagd durchs Töffrevier.

Sagt die faule Sau zum Leistungsschwein, du wirst vor mir Schnitzel sein... Aber egal, ob Wildschwein, faules Hausschwein oder nacktes Leistungsschwein: Um sich sauwohl zu fühlen, muss für alle die Gelegenheit bestehen, sich ab und an richtig zu suhlen.

Eine Riesenferkelei mit 485 PS

Violà, die nackten Fakten der drei Leistungsschweine: BMW: 160 PS, Ducati: 145, KTM: 180! Und wegen dem Suhlen: Diese mächtigen Asphaltschweine fressen sich am liebsten durch Kurven und Serpentinen auf Bergstrassen. Und sie sind als Folge des Jagddrucks vorwiegend auf Nebenstrecken in Laub- und Mischwäldern unterwegs. Dort, wo der fehlt, spielen manche sogar frech auf Fernstrassen. Andere lieben es, auf Rennstrecken regelrechte Keilereien anzuzetteln. Da stellt sich jetzt natürlich die Frage nach der Rangordnung innerhalb unserer Rotte. Angesichts ihrer Charaktereigenschaften und der Leistungsfülle von zusammen 485 PS wird wohl jeder zustimmen, dass sich im Gehege der Via sicura wohl kaum etwas über die schweinischen Qualitäten dieser mächtig starken Power-Naked-Rotte herausfinden lässt.

Die Sauen so richtig durchs Dorf treiben wollen wir deshalb auf einem Härtetest – über 1800 Kilometer inklusive einer urbanen Wildschweinjagd über die legendäre Pariser Périphérique (Stadtautobahn). Also Helm auf und ab zum grossen Halali! Paris, wir kommen!

Die Kelle für ein Leistungsschwein

Halt, Stopp. Beamen wir uns für einmal zuerst fünf Tage vorwärts in die Zukunft, hinein in die finale Testphase dieses Vergleichs. Zapp... Schön glänzt sie, die wie zum Gruss erhobene, ordentlich gewienerte Polizeikelle. Die Szenerie erinnert irgendwie an die Katapult-Starts auf einem Flugzeugträger, wenn die Crew elegant mit den Tafeln winkt. Das hätte vorgestern auf der Start-Ziel-Geraden des Circuit Carole in Paris viel besser gepasst! Oje, werde ich nun gleich das Schnitzel sein?

Zurück an den Anfang...

"Blibillieblibblubablbillibbiiii" (das sind die Rückspulgeräusche meines Kopfkinos) – wir drehen die Zeit also wieder zurück... (ich habe also wie Sie jetzt noch keine Ahnung, warum mich ein Testride nach Paris am Ende in eine Polizeikontrolle auf der deutschen B311 an der Donau führen wird. Die liegt ja wohl nicht gerade am Weg an die Seine. Also Film ab, Ton an, Paris, die Zweite: Paris wir kommen!

Raststätte Pratteln kurz vor Basel: Da haben wir also die Sauerei, drei Bikes beladen mit sämtlichen Reiseutensilien, die man für einen Kurztrip benötigt. Der Plan für heute: auf Strassen aller Kategorien über die Vogesen und vorbei an Metz bis Verdun. Mit von der Partie sind Dimitri und Karin, die sich, wie ich selbst, an diesem schweinisch kalten Morgen in den Sätteln der Testmaschinen klein zu machen versuchen. Die ersten Pluspunkte bis Basel sammelt deshalb die BMW: wegen ihrer Heizgriffe und dem Tempomaten. Beim Nasenbohren auf den heimischen Strassen möchte man ihn gar nicht mehr missen. Das betreute Herumrollen ist so ganz entspannt auszuhalten.

Bajuwarische Schweinshaxe

Nutzen wir die Pause in Pratteln, uns mit einem warmen Kaffee in der Hand ein erstes Bild vom Frischling aus dem deutschen Eichenwald zu machen. Die BMW S 1000 R hat einen Grossteil der Technik der supersportlichen Schwester RR übernommen. Ihr Motor liefert zwar 33 PS weniger ab, drückt aber dafür im alltagsgerechten Drehzahlbereich bis 7500/min ordentlich mehr ab. Im Vergleich zur RR wurde der Sattel zum Tank hin etwas angehoben. ABS, ein Lenkungsdämpfer, eine serienmässige Traktionskontrolle und zwei Fahrmodi (Rain und Road) hat die Bayerin zu bieten. Unsere Testmaschine aber kommt üppiger ausgestattet daher: Das "Sport-Paket" beinhaltet zwei zusätzliche Fahrmodi "Dynamic" und "Dynamic Pro", einen Schaltassistenten, besagten Tempomaten und die Traktionskontrolle DTC. Die verfügt im Unterschied zum Serienpendant über einen Schräglagensensor und bietet so den höchsten technischen Serienstand. Ausserdem ist unsere S noch mit dem "Dynamic-Paket" aufgepeppt: Das beinhaltet ein sogenanntes DDC-Fahrwerk (anders als bei einem herkömmlichen E-Fahrwerk werden hier die Druck- und Zugstufe der Dämpfer laufend den wechselnden Strassenzuständen angepasst), Heizgriffe, LED-Blinker sowie einen Motorspoiler.

Saustark durch die Vogesen

Genug der Theorie, jetzt aber fix über die Grenze. Nach Mulhouse pfeilt der S-1000-Reiter mit sportlich nach vorn gebeugtem Oberkörper weiter über die Autobahn bis Cernay. Die dann folgenden Kurven und Serpentinen der D431 lassen uns alles vergessen. Wie war das noch im Uli-Stein-Cartoon: Ich bin als Schwein geboren, warum soll ich dann nicht fahren wie eine Sau. Der "S" kann es gar nicht schnell genug hinauf in die Vogesen gehen. Zum Glück ist Werktag, und das Einzige, was hier blitzt, ist die Frühlingssonne. Der Reihenvierzylinder drückt aber auch ab! Von 3000/min bis weit in fünfstellige Drehzahlbereiche hinauf gibt's Power im Überfluss.

Doch keiner der Konkurrenten verliert an Boden. Im Gegenteil: Diese zwei anderen nackten Essenzen der Ferkelei lassen sich von links nach rechts pfeffern, dass es der besagten Sau graust. Im Kurvengeschlängel der Route de Crêtes läuft besonders die Ducati zu wahrer Hochform auf. Ihr V2-Motor spricht zwar im Vergleich zur BMW viel weniger sanft an, und auch die KTM kann das besser, aber fahrwerksseitig brilliert die Monster mit der genialsten Handlichkeit im Trio. Im Zusammenspiel mit der leicht gebeugten Sitzposition und dem quirligen Motor wird sie so zur gnadenlosesten Kurvensau im Jagdrevier.

Aber die Italiener müssen sich mächtig anstrengen, denn auch die KTM bläst zur Treibjagd: Die auf Agilität getrimmte Supermoto-ähnliche Fahrwerksgeometrie und die Sitzposition mit breitem Lenker und hochwertigen Federelementen erlauben Tempi über schlechtes Geläuf, von denen manches Pistenschwein in den Wäldern der Vogesen nicht mal zu träumen gewagt hätte. Die Ergonomie der Ösi-Wildsau taugt sogar gut fürs Reisen: Auf der Super Duke kann man lässig längere Etappen auf einer Backe absitzen. Ihr Fahrwerk ist unglaublich ausgewogen und steckt praktisch alles weg. Auch die durchzugsorientierte Leistungscharakteristik passt perfekt. Etwas ärgerlich ist das vergleichsweise knochig zu schaltende Getriebe.

Andererseits fallen auch dem bisher königlich agierenden Keiler S 1000 R ein paar Eckzähne aus der Krone. Je unebener der Asphalt ist, desto schwerer lässt sich mit ihm die anvisierte Linie treffen. Ja, Betrieb unter Beladung ist am E-Fahrwerk eingestellt. Zapp: Per Knopfdruck wird von Soft auf Normal gespannt – besser. Aber auch im Sport-Modus wird man das Gefühl nicht los, dass die Bayerin mit Ferienfracht nicht so ganz in Harmonie leben kann. Das Heck wippt. Behalten wir diese Auffälligkeit im Gedächtnis. Denn unsere Zeit ist knapp, bis zum Etappenziel Verdun sind es noch über 450 Kilometer. Der vorläufige Sieger der Bergstrassenwertung heisst Ducati, knapp gefolgt von der KTM.

Schweinefilet auf italienische Art

Angesichts der herrschenden Kälte sind wir dennoch froh, dass wir am Hartmannsweilerkopf noch eine kurze Pause einlegen. Zeit also, das Visier hochzuklappen: Auch ohne Schriftzug wäre sie sofort als eine Ducati erkennbar. Ein feines Stück ist sie geworden, die neue Monster 1200 S. Die Rote macht aber auf der rechten Seite keine so gute Figur mehr: Hässliche Kühlschläuche stören die ansonsten schöne Anmutung nachhaltig. Ihr 145 PS starker V2 stammt übrigens vom 1198 Superbike ab. Ihr Sitzpolster ist durchaus kommod und sogar höhenverstellbar. Und bei den elektronischen Helfern vertraut die Monster auf ein dreistufiges Bosch-ABS, einer 8-Stufen-Traktionskontrolle und einem Ride-by-Wire-System.

Wie bei der BMW und auch der KTM lassen sich während der Fahrt verschiedene Fahrmodi wählen, hier sind es drei an der Zahl: Sport, Touring und Normal. Dabei lässt sich jeweils die Motorcharakteristik mit einem vorgewählten ABS-Mode und der Traktionskontrolle frei nach Gusto kombinieren. Mit den Fahrmodi wechselt übrigens auch die Anzeige im Mäusekino: Im Urbanmode zeigt das Display nur das absolute Minimum an Informationen. Im Touringmode bekommt der Fahrer dagegen das ganze Angebot an Daten geliefert, und der Sportmodus hält nur die Geschwindigkeitsanzeige, ABS, Motortemperatur und die Einstellungen der Traktionskontrolle im Fokus.

Als Einzige im Trio verfügt die Ducati übrigens über ein LCD-Farbdisplay. Der Clou: Der rote Bereich des Drehzahlmessers verändert sich mit der Motortemperatur. Das heisst, bei einem Kaltstart zeigt der Drehzahlmesser eine andere Maximaldrehzahl an als bei Betriebstemperatur. Aber es ist dennoch nicht alles Gold, was im Ducati-Cockpit glänzt: Verstehe einer, warum es keine Ganganzeige und keine Benzinuhr gibt.

Faule Säue in den Hügeln Lothringens

Nach der schweinegerechten Kurvenbolzerei in den Vogesen tauchen wir gleich hinter Sarrebourg auf kleinen Departements-Strässchen in eine ganz andere Landschaft ein – in die Hügelkämme Lothringens. Der Himmel über unseren Köpfen wird weiter. Knallgelbe Rapsfelder und sattgrüne Wiesen säumen das Asphaltband. In den verschlafenen Nestern bewegt sich, ausser der Wäsche auf der Leine, gar nichts. Kaum Gelegenheit also für Ablenkung von schmerzenden Hinterteilen und kneifenden Knie- und Handgelenken. Und so wird es wohl bis Paris bleiben. Die Bögen verschwinden nach und nach, die Geraden ziehen sich bis zum Horizont, die Strassen werden breiter, die gefahrenen Drehzahlen höher.

Ein Königreich also für die aufrechte Sitzposition – und die hat die KTM. Während man sich auf der BMW ziemlich am Lenker abstützen muss und auf langen Landstrassenetappen immer wieder alle Extremitäten strecken möchte, macht man das auf der Super Duke vielleicht mal mit den Armen und als Ducati-Treiber mit den Beinen. Ein gelungenes Ergonomie-Arrangement in der goldenen Mitte zwischen gebücktem BMW-Fahrer und dem aufrechten-KTM-Treiber offeriert die Ducati da. Komfortkönig bleibt aber die KTM, das findet auch Karin. Langstreckenwertung: Platz 1 KTM, gefolgt von der Ducati.

Drei – zwei – eins: Ist denn hier Krieg?

Acht Uhr morgens auf dem Hotelparkplatz in Verdun: Dass eine BMW so schweinisch tönen kann? Heiser fauchend tönt es aus der 4-in-1-Anlage. Bassig sonor brummt die Ducati. Nicht ganz so sexy poltert die KTM. Und ab geht's. Unser Plan heute: Ein Kurzbesuch der Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs rund um Verdun, dann weiter bis Paris.

Lange Geraden? Langeweile? Kein Verkehr? Die Lösung: ein Schweinsgalopp von null auf hundert! Drei, zwei, eins..! Was ist denn jetzt los? Ist hier Krieg? Mit lautem Gebrüll geht die Wildschwein-Rotte aufeinander los: Die BMW schreit sich die Kraft aus den Zylindern. Die KTM scheint ihre eigene Gewalttätigkeit einholen zu wollen, und die Ducati drückt ab wie Marinegeschütz in einer apokalyptischen Phantasie. Brutal! Bestialisch! Saugeil! Himmel und Hölle zugleich. Es reisst einem fast die Arme aus. Die Elektronik müht sich angestrengt, die Vorderräder nicht in die Stratosphäre steigen zu lassen. 145 PS, 160 PS oder 180? Wer da die Nase vorn hat, ist ja klar, aber eigentlich völlig egal. Oder besser illegal. Man ist in Nullkommanichts so schnell wirklich schnell, dass man auf öffentlichen Strassen das Potenzial dieser Frontschweine nicht mal ansatzweise ausschöpfen kann.

Sauereien aus dem Wienerwald

Hier, an einer Tankstelle an der N4 bei Sézanne, 150 Kilometer vor dem Ziel, machen wir die letzte Pause. Zeit für den Rundgang um die KTM. Ihre Eckdaten sind furchteinflössend: 180 PS, 144 Newtonmeter und 205 Kilogramm. Aha, ein Gitterrohrrahmen und voll einstellbare Dämpfer-Elemente von WP – wie bei der Ducati. Eine edle Einarmschwinge – auch wie bei der Ducati. Schau, ein Lenkungsdämpfer – wie bei der BMW – und jede Menge elektronische Heinzelmännchen – so wie alle. Die drei verschiedenen Fahrmodi Rain (mit 100 PS), Street und Sport stehen zur Wahl. Je nach gewähltem Motor-Ansprechverhalten variiert die MTC-Traktionskontrolle den dazu passenden Hinterradschlupf.

Schweinekram in der Stadt der Liebe

Endlich sind wir da: Paris, die Stadt der Liebe. Hier steht ein 400 Kilometer dauerndes abgedrehtes Guerilla-Cruising kreuz und quer durch die Seine-Metropole an, und eine einstündige Knieschleifer-Session auf dem Circuit Carole.

Dank ihrer verstellbaren Motormodi lässt es sich mit den PS-Boliden im Stadtdschungel gut leben. Beim hurtigen Ritt durch Paris gibt's aber eine Überraschung. Plötzlich will keiner mehr von der BMW lassen. Mit diesem Motorrad ist man definitiv der Chef in der City. Zwar fällt sie durch ihren mickrigen Lenkeinschlag im Gegensatz zur vorbildlichen KTM zunächst sehr unangenehm auf. Die S kann beim Wenden schon zum Schweinehund werden. Wer jedoch mutig den Joker der schlanken Einspurigkeit beim Stausurfen ausspielt und in flotter Fortbewegung freudig durch die Kolonnen balanciert, kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Aber Vorsicht! Stichpunkt Wahrnehmung durch den Autofahrer: Die BMW ist hochtourig gefahren eine echte Lebensversicherung, und zwar, weil ihr Vierzylinder-Sound einfach der durchdringendste ist.

Überdies hat die Bayerin wegen anderer Belange ausserdem die urbane Nase vorn: Konstantfahrruckeln ist ihr völlig fremd. Gut, die Ducati und die KTM schütteln einen zwar nicht gleich vom Hocker, aber die Ruckelei bei langsamer Konstantfahrt ist echt nervig und eben unvermeidlich. Wie sich das anfühlt? Fast wie Zündaussetzer im Millisekundenbereich. Die Monster pflegt dieses Laster am ausgeprägtesten, man will ihr nur noch die Sporen geben. Auch wegen der Handkräfte an der Kupplung – ihre sind die knackigsten im Trio. Die Super Duke dagegen gefällt beim Stausurfen mit der geringsten Zugkraft an der linken Hand, aber ihr knochiges Sechsganggetriebe hält leider dagegen. Wunderbar weich flutschen die Gänge der BMW zwar auch nicht immer ineinander. Dank des optionalen Quickshifters aber ohne Kuppeln. Sieger der City-Wertung: BMW, gefolgt von der KTM.

Pistensäue auf dem Circuit Carole  Showdown auf der Pariser Rennstrecke Carole. Die Ecken dieser Welt nimmt die BMW mit der vorbildlichsten Leichtigkeit, was wohl auf ihre ausgeprägten Supersport-Anleihen von der RR zurückzuführen ist. Auch die KTM macht hier schweinisch Spass, während die Ducati wegen ihrer unmöglich angebrachten, rechten Soziusfussraste abgeschlagen auf Rang 3 landet. Aufgrund des hochgezogenen Doppel-Endrohres der Monster ist Hanging-Off in Rechtskurven einfach nicht möglich. Schade, denn ansonsten bietet die Duc eine Menge Potenzial auch für die Rennschweinchen unter uns. Platz 1 BMW.

Die arme Sau am Strassenrand

Drei Tage später. B311, Deutschland. Sie erinnern sich: P-O-L-I-Z-E-I steht in grossen Lettern auf dem blau-silbrigen Mercedes.

"Verkehrskontrolle – Führerschein und Fahrzeugpapiere! So, so … Schweiz, Zürich . Aha, BMW  ... Hu-huhundertsechzig PS?! Hat man es mit so 'ner Granate nicht gern mal eiliger?"

"Nein, nein Herr Wachtmeister, da fährt man ganz gemütlich, so mehr der Entspannung halber ...". Ich versuche, den missverständlichen Satz mit meinem eiligst hergezauberten "Ich-weiss-gar-nicht-was-Sie-wollen-Herr-Wachtmeister"-Lächeln zu kaschieren. "Das Teil hat doch einen Tempomaten und – ja doch –, der war auf 110 km/h eingestellt".

Seine Miene hellt sich etwas auf: "Na ja, hört sich schon ambitioniert an, ihr Fahrzeug." Fast beiläufig steckt er mir die Papiere wieder zu.

Glück gehabt. Doch wie kam die BMW nun an die Donau? Nun, in den Vogesen hatte uns das Kurvenverhalten der beladenen S nicht recht gemundet. Auf der kurvigen B313 bei Stockach haben wir die bayerische Leistungssau dann nochmal voll hergebraten – und zwar ohne lästigen Beilagensalat auf dem Sozius. Und siehe da: So erleichtert, schmeckt sie nun auch bei welligem Belag.


*** *** ***

BMW S 1000 R Ducati Monster 1200 S KTM 1290 Super Duke R
Hubraum: 999 ccm 
Leistung: 160 PS bei 11 000/min 
Gewicht: 207 kg fahrfertig 
Preis: ab 14 900 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 340.20 Fr./Jahr
Hubraum: 1198 ccm 
Leistung: 145 PS bei 8750/min 
Gewicht: 209 kg fahrfertig 
Preis: 18 990 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 396.90 Fr./Jahr
Hubraum: 1301 ccm 
Leistung: 180 PS bei 8870/min 
Gewicht: 189 kg fahrfertig 
Preis: 19 790 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 396.90 Fr./Jahr
Auf den Punkt gebracht: 
17 030 Franken mit allem Schnickschnack? Ihr Preis-Leistungs-Verhältnis ist super. 
Auf den Punkt gebracht: 
Aufsitzen und wohlfühlen. Es passt alles – leider halt nicht auf der Rennstrecke.
Auf den Punkt gebracht: 
Das stärkste Bike im Vergleich ist auch das reise- und langstreckentauglichste.
+ Superfeine Gasannahme, Top-Bremse 
+ Kein Konstantfahrruckeln 
+ Die Einzige mit E-Fahrwerk 
+ Genialer Klang, toller Quickshifter, beste Top-Speed-Stabilität 
– Hässliche Kupplungs- und Handbrems- hebel, Kupplungshebel nicht einstellbar 
– High-Speed-Dämpfung mit Beladung
+ Genial leichtfüssiges Handling 
+ Einfache Menüführung im Cockpit 
+ Edle Anmutung, schöner Bollersound 
+ Guter Windschutz mit Fly-Screen 
– Wenig tauglich fürs Hanging-Off 
– Ausgeprägtes Konstantfahrruckeln 
– Die Verlegung der Kühlwasserschläuche ist ein Design-Verbrechen
+ Grösstes Einsatzspektrum im Trio 
+ Die Einzige mit LED-Tagfahrlicht 
+ Funktionales Gepäcksystem 
+ Servicefreundliche Winkelventile für einfachste Luftdruckkontrolle 
– Kondenswasser in Blinkern 
– Befestigung Tankrucksack 
– Kein Schnäppchenpreis
Import: 
BMW (Schweiz) AG, Industriestrasse 20,  8157 Dielsdorf, Tel. 0844 25 02 60 
www.bmw-motorrad.ch
Import: 
Ducati (Schweiz) AG, Sihleggerstrasse 15, 8832 Wollerau, Tel. 044 787 49 00 
www.ducati.ch
Import: 
KTM Schweiz AG, Zürcherstrasse 305, 8500 Frauenfeld, Tel. 052 725 08 88
www.ktm.ch



Messwerte BMW Ducati KTM
Topspeed (km/h) 258 255 290
Beschleunigung 0-100 km/h 3,3 s 3,2 s 3,3 s
Durchzug 60-100 km/h 2,8 s 3,3 s 3,4 s
Testverbrauch/100 km 5,6 l 4,7 l 6,3 l




Fazit:

Selten war sich die Testcrew so uneins über den Sieger wie in diesem Vergleich, welcher ja die ganze Bandbreite des Töfflebens im Fokus hatte. Fahrspass bieten alle drei im Überfluss. Entscheiden Sie: Sind Sie häufig in der Stadt oder auf Renntrainings? Dann empfehlen wir die BMW. Lieben Sie die Landstrasse über alles: Ducati. Suche Sie eine, die alles gut kann und sehr langstreckentauglich ist? KTM. Und in Sachen High-Tech und beim Preis-Leistungs-Verhältnis? BMW.

 

400 Kilometer kreuz und quer durch Paris. 400 Kilometer kreuz und quer durch Paris. © Alex Krassovsky
Bedächtig gehts auch - mit Mappings fürs lockere Cruisen. Bedächtig gehts auch - mit Mappings fürs lockere Cruisen. © Alex Krassovsky
BMW S 1000 R - brachiale 160 PS, eine Kampfansage mit den besten City- und Rennpisten-Qualitäten. BMW S 1000 R - brachiale 160 PS, eine Kampfansage mit den besten City- und Rennpisten-Qualitäten. © Alex Krassovsky
Ducati Monster 1200 S - 145 PS und elektronisch hochgerüstet. Die genialste Waffe auf Bergstrassen. Ducati Monster 1200 S - 145 PS und elektronisch hochgerüstet. Die genialste Waffe auf Bergstrassen. © Alex Krassovsky
KTM 1290 Super Duke R - Unerreichte 180 PS, voll elektronisiert. Das Multitool mit jeder Menge Ausdauer. KTM 1290 Super Duke R - Unerreichte 180 PS, voll elektronisiert. Das Multitool mit jeder Menge Ausdauer. © Alex Krassovsky
Drei saustarke, nackte Leistungsschweine beim Kräftemessen auf der Pariser Rennstrecke Circuit Carole. Drei saustarke, nackte Leistungsschweine beim Kräftemessen auf der Pariser Rennstrecke Circuit Carole. © Alex Krassovsky
Die BMW-Infozentrale ist übersichtlich und bietet alles, was man zum Leben braucht. Die BMW-Infozentrale ist übersichtlich und bietet alles, was man zum Leben braucht. © Alex Krassovsky
Das KTM-Dashboard mit kontrastarmem Display, textlastigen Infos und vertrackter Menüführung. Das KTM-Dashboard mit kontrastarmem Display, textlastigen Infos und vertrackter Menüführung. © Alex Krassovsky
Das Farbdisplay der Ducati ist klasse gemacht, aber mit der Sonne im Rücken schwer abzulesen. Das Farbdisplay der Ducati ist klasse gemacht, aber mit der Sonne im Rücken schwer abzulesen. © Alex Krassovsky
Das zornige Karl-Dall-Gesicht der nackten BMW kommt ohne LED-Technik aus. Das zornige Karl-Dall-Gesicht der nackten BMW kommt ohne LED-Technik aus. © Alex Krassovsky
Der Klarglasscheinwerfer der Ducati macht was her. Die Positionslämpchen sind LEDs. Der Klarglasscheinwerfer der Ducati macht was her. Die Positionslämpchen sind LEDs. © Alex Krassovsky
Raffiniert gestyltes Rücklicht der KTM. Raffiniert gestyltes Rücklicht der KTM. © Alex Krassovsky
Circuit Carole - aufsitzen und losbrettern. Circuit Carole - aufsitzen und losbrettern. © Alex Krassovsky