Triumph Thruxton R.
Triumph Thruxton R. © Paul Barshon, Friedemann Kirn

Ace of Aces

Triumph Thruxton R

Von Daniele Carrozza
05.08.2016 10:25:57

Mit Sicherheit ist die bildschöne Triumph Thruxton R ein Modell-Highlight der Saison 2016. Sie fährt sich genauso wie sie aussieht – grandios!

Sie waren bereits eine Erfolgsgeschichte, noch bevor sie in den Märkten dieser Welt eingeführt wurden, die brandneuen Schwestermodelle Thruxton und Thruxton R von Triumph. So waren bei Drucklegung der vorliegenden Ausgabe bei den Schweizer Triumph-Händlern bereits über 130 Festbestellungen eingegangen. Notabene allein vom seit wenigen Wochen für 14'900 Franken in Rot oder Silber erhältlichen R-Modell.

Und: Nicht einer dieser Käufer war bei Unterzeichnung des Kaufvertrages mit dem Bike auch nur einen Meter gefahren! Die Kaufentscheide wurden hier also ausschliesslich aufgrund der zweifelsohne fantastischen Optik der Thruxton R und einigen spärlichen Basis-Informationen aus der Presse wie den technischen Daten und Konzeptbeschreibungen gefällt. So etwas gab es in der Geschichte von Triumph – zumindest in der Schweiz – noch nie.

Zur allgemeinen Beruhigung vorweg: Nach unserer ersten Ausfahrt im Westen von Lissabon können wir guten Gewissens berichten: Die neue Thruxton R – das Basis-Modell hatte Triumph nicht mitgebracht – sieht nicht nur verdammt gut aus, sie fährt sich auch entsprechend! Doch jetzt eines nach dem anderen.

Das R-Modell unterscheidet sich von der ebenfalls ab sofort erhältlichen und je nach Kolorierung bis zu 2000 Franken günstigeren Basis-Variante (ab 12'900 Franken) einzig bei der Ausstattung – Basis-Komponenten wie der mächtige 1200-ccm-Parallel-Twin mit klingendem Beinamen "High Torque" oder der Rahmen sind baugleich. Schon auf den ersten Blick zu erkennen sind R-Exklusivitäten wie die golden eloxierte Showa-BP-Gabel (nein, sie ist nicht von Öhlins), die Monobloc-Bremssättel von Brembo, die gebürsteten Auspuffdämpfer, der charakteristische Tankriemen und die funkelnden Stereo-Federbeine (diesmal von Öhlins).

Der R vorbehalten sind weiter die polierte obere Gabelbrücke, die anodisierte Aluschwinge, die griffigen Fussrasten der Daytona R, die schwarzen Rückspiegel und Blinker sowie der Zündschlüssel mit roter Prägung. Die sportlichere Grundausrichtung der R unterstreichen ferner Pirelli-Reifen des Typs Diablo Rosso Corsa anstelle der Angel-GT-Pendants des Basis-Modells sowie eine knackigere Abstimmung von Motor und Fahrwerk.

Motor: Primeur mit Charakter

Gentlemen, start your engines... "Wabrow!" Das vollmundig-dumpfe Twin-Bollern macht richtig Laune, dürfte das Verhältnis zur Nachbarschaft allerdings nicht übermässig strapazieren. Schon ab 1500/min läuft der Achtventiler vorbildlich rund, mit unangenehmen Vibrationen wird er uns heute nicht ein einziges Mal konfrontieren. Der energische Vorwärtsdrang der Thruxton R manifestiert sich eindeutig in Drehmoment-Form - sprich, man nutzt zum Vorwärtskommen primär den massigen, bereits ab Schritttempo in rauen Mengen vorhandenen Druck (max. 112 Nm bei 4950/min). Was nicht heisst, dass dem Brit-Neoklassiker über 5000/min der Schnauf ausgeht. Im Gegenteil: Die R kurbelt wacker und linear weiter, bis kurz vor 8000/min der Begrenzer zur Tat schreitet.

Die Entfaltung der bärigen, jedoch nicht überfordernden 97 PS gibt sich dabei sehr homogen, linear – nicht etwa explosiv. Legt man einen Kavalierstart mit Durchballern der ersten drei Gangstufen hin, wird die Front auch aufgrund des sehr kurzen Radstands von gerade einmal 1415 Millimetern – das ist kürzer als bei der Speed Triple R – luftig leicht. Wir halten den "Punch" allerdings nicht für unangemessen. Im Gegenteil wollen wir das Verhältnis Motorleistung zu Fahrzeuggewicht (203 Kilogramm trocken) als sehr gut getroffen bezeichnen.

Grosses Lob gibt es auch für die sanfte Ansprache des Ride-by-Wire-Twin mit seiner gegenüber der T120 schwungmassenreduzierten 270-Grad-Kurbelwelle – zumindest in den Leistungsmodi "Rain" und "Road". Bei "Sport" spricht der wassergekühlte Antrieb schon spürbar direkter an, wobei wir keinen Grund sehen, auch bei sportlicher Fahrweise, welche die Thruxton R ohne Zweifel zulässt, nicht im "Road"-Modus zu fahren. Denn bis auf die direktere Ansprache sind keine wesentlichen Unterschiede auszumachen.

Die Performance der abschaltbaren und in die Riding-Modes integrierte Traktionskontrolle? Astrein – schafft viel Vertrauen. Ein goldenes Kränzchen wollen wir auch der Baugruppe Kupplung-Getriebe winden: Die piekfein dosierbare Seilzug-Rutschkupplung lässt sich mit nur zwei Fingern überraschend easy bedienen, das Sechsgang-Getriebe gibt sich knackig-präzis und mit klarem Einrast-Feedback. Der Neutrale schliesslich lässt sich beim Verweilen an der Ampel jeweils problemlos eruieren.

Komfort: Der Schein trügt...

Ergonomisch fällt die Thruxton R braver aus, als es das Auge suggeriert. Freilich stützt sich Oberkörpergewicht auf den Handgelenken ab, aber extrem ist sicher anders. Der geräumige Sitz – in der Schweiz wird die R als Einplätzer ausgeliefert, der sich via Originalzubehör aber zum Zweisitzer umbauen lässt – ist komfortabel gepolstert, der Kniewinkel nicht zu eng. Unter dem Strich resultiert so eine sicher sportliche, in sich aber harmonische Sitzhaltung mit clever platzierten Fussrasten und Hebeln sowie überraschend viel Bewegungsspielraum. Und: Bei touristischer Fahrweise wird man feststellen, dass fast das gesamte Oberkörpergewicht auf dem Allerwertesten ruht; Arme und Hände bei fast aufrechtem Torso also weitgehend entlastet sind.

Chassis und Geometrie: Clever!

Auch fahrwerksseitig hat Triumph bei der Thruxton R ins Schwarze getroffen. Sie ist ausreichend straff gefedert, um es sportlich krachen lassen zu können und gleichzeitig genügend soft für die erbauliche Genuss-Ausfahrt. Straff, ja – aber eben nicht bockhart, und Showa-Gabel wie Öhlins-Stereofederbeine dämpfen und kommunizieren über Asphaltbeschaffenheit und Gripreserven dermassen transparent, dass sich die Mundwinkel unbefristet bei den Ohrläppchen einmieten. Der eigentliche Geniestreich ist jedoch die perfekt getroffene Geometrie. Das Handling ist – sicherlich auch dank den sportlich geschnittenen Diablo Rosso Corsa – schlicht begeisternd, wobei die Thruxton R in Schräglage dann aber satt den Kurs hält wie eine Ducati aus den frühen Neunzigern. Und dieses köstliche Menü aus Handling und Stabilität serviert einem die R eigentlich immer, also unabhängig von Kurven-Speed und -Radius. Keine Frage: Bei Chassis und Geometrie haben die Teams um Chefingenieur Stuart Wood ganze Arbeit geleistet!

Zum harmonisch abgerundeten Ganzen passen auch die Bremsen. Die radialen Brembo-Monoblocs vorn beissen sich auf Kommando in die beiden 310er-Scheiben wie der sprichwörtliche Kampfhund und vernichten so Berge an kinetischer Energie. Womit die Thruxton R auch am Trackday eine gute Figur abgeben dürfte. Allerdings wurden die Bremsbeläge nicht zu extrem gewählt, sodass die Ansprache für den alltäglichen Strassenbetrieb nicht zu harsch ausfällt. Wobei festzuhalten ist, dass es sich bei dieser Triumph ganz klar um ein zugängliches Strassen- und nicht um ein kompromissloses Rennstrecken-Gerät handelt. Um ein Bike, das mit seinen wunderschönen Details und der piekfeinen Verarbeitung bereits im Stand dermassen viel hergibt, dass man es auch einfach nur stundenlang angucken kann. Wer dabei irgendwo aneckt, sollte wissen: Alleine für die Thruxtons hat Triumph über 160 appetitliche Zubehör-Parts kreiert.
 

Zwei heisse Inspirationskits für die Thruxton R

Von den 160 alleine für die Thruxtons verfügbaren Originalzubehör-Teilen hat Triumph einige – mit attraktivem Preisvorteil – in sogenannten "Inspirationskits" zusammengefasst. Das "Café Racer"-Inspirationskit (1799 Franken) beinhaltet eine getönte Instrumenten-Abdeckung, den "Tail-Tidy"-Heckumbaukit, homologierte Slip-on-Dämpfer von "Vance & Hines" aus gebürstetem Edelstahl, LED-Blinker vorne und hinten, schwarze Lenkergriffe, einen Tankriemen aus schwarzem Leder sowie Tank-Kniepads.

Das "Track Racer"-Inspirationskit (Fr. 2599.–) unterscheidet sich durch die Halbschale, graue anstelle von schwarzen Lenkergriffen, tiefere Stummellenker und das Wegfallen der Tank-Kniepads. Ansonsten entspricht es dem "Café-Racer"-Kit.

 

Fazit

Mit der bildschönen, piekfein verarbeiteten, ergonomisch zugänglichen, fahrdynamisch beflügelnden und preislich fairen Thruxton R hat Triumph ein sehr begehrenswertes Bijou erschaffen. Mit ihr und den "Bonnies" hat sich das Empire bei den Neoklassikern die Krone zurückerobert.

 

Triumph Thruxton R

Hubraum: 1200 ccm
Leistung: 97 PS bei 6750/min
Drehmoment: 112 Nm bei 4950/min
Gewicht: 203 kg trocken 
Sitzhöhe: 810 mm
Lenkkopfwinkel: 67,2 Grad
Radstand: 1415 mm
Nachlauf: 92 mm
Tankvolumen: 14,5 l
Lenkerinnenbreite: 500 mm
Schrittbogenmass: 1820 mm
Preis: 14'900 Franken
Verkehrsabgabe: 60 bis 396.90 Fr./Jahr


Motor und Fahrwerk

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder-Viertakter, SOHC (Kette; 270° Hubzapfenversatz), 4 Ventile/Zyl., Bohrung × Hub 97,6 × 80 mm, 1200 ccm, Verdichtung 11. Elektr. Einspritzung/Zündung, TC, Modi, Nasskupplung, 6 Gänge, Kette. 97 PS bei 6750/min, 112 Nm bei 4950/min.

Fahrwerk: Zentralrohrrahmen aus Stahl mit zwei Unterzügen, 43-mm-BP-USD-Gabel, voll einstellbar, Zweiarmschwinge aus Alu mit Stereo-Federbeinen (Öhlins), voll einstellbar. Vorne Doppelscheibenbremse (∅ 310 mm), Vierkolben-Monobloc-Zangen, hinten Einzelscheibe (∅ 220 mm), Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS. Speichenräder 3.5-17 und 5-17. Bereifung 120/70-17 und 160/60-17.


Plus-Minus

+ Druckvoller und umgänglicher Twin
+ Feine elektronische Assistenzsysteme
+ Fahrwerk & Geometrie perfekt getroffen
+ Sehr schönes und sauberes Design
+ Hochwertige Anmutung
+ Ausgesprochen fairer Preis  
– Spiegelungen in den Runduhren
– Tankanzeige lässt sich Zeit nach Tanken


Import

Triumph S.A.S. Succursale Suisse, 1217
de.triumphmotorcycles.ch

 

Brembo-Monoblocs sieht man sonst nur an waschechten Sportlern. Brembo-Monoblocs sieht man sonst nur an waschechten Sportlern. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Komplett neuer High Torque-Twin mit 97 PS, 112 Nm, TC, Modi und 16?000-km-Service-Intervall. Komplett neuer High Torque-Twin mit 97 PS, 112 Nm, TC, Modi und 16?000-km-Service-Intervall. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Britische Schönheit. Britische Schönheit. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Handling und Stabilität stehen in einem perfekten Gleichgewicht zueinander. Handling und Stabilität stehen in einem perfekten Gleichgewicht zueinander. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Den gebürsteten Monza-Tankdeckel gibts nur an der Thruxton R. Den gebürsteten Monza-Tankdeckel gibts nur an der Thruxton R. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Edle Federware by Öhlins. Edle Federware by Öhlins. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Sieht sportlich aus, ist aber nicht unkomfortabel. Sieht sportlich aus, ist aber nicht unkomfortabel. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Klassische Analog-Runduhren mit vielen Infos in den LC-Displays wie z.B. Ganganzeige. Polierte Gabelbrücke, Showa-BP-Gabel. Klassische Analog-Runduhren mit vielen Infos in den LC-Displays wie z.B. Ganganzeige. Polierte Gabelbrücke, Showa-BP-Gabel. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Ergonomisch clever platzierter Modus-Wahlknopf. Über den i-Button lassen sich im Cockpit viele Infos visualisieren. Ergonomisch clever platzierter Modus-Wahlknopf. Über den i-Button lassen sich im Cockpit viele Infos visualisieren. © Paul Barshon, Friedemann Kirn
Track Racer-Inspirationskit. Track Racer-Inspirationskit. © Paul Barshon, Friedemann Kirn