Unsere Scrambler Imperial fährt sich tipptopp.
Unsere Scrambler Imperial fährt sich tipptopp. © Richard A. Meinert

TÖFF-Umbau

Ducati Scrambler Imperial

Von Daniele Carrozza
20.07.2016 11:47:47

Nach dem ersten Fahrtest unserer Ducati Scrambler Imperial wissen wir: Der Vintage-Racer sieht nicht nur rattenscharf aus, er fährt sich auch verdammt gut!

Zugegeben, mir ist schon mulmig, als ich mich zwecks erstem dynamischem Fahrtest auf unsere Imperial schwinge. In "no time" hatten wir – TÖFF, Ducati Schweiz und das Team der Töffarena Oensingen – sie für unsere Swiss-Moto-Standpräsenz aufgebaut (siehe TÖFF 03/2016). Im Vordergrund stand seinerzeit ganz klar die Optik. Wie sich das Bike letztendlich fahren würde, war eine grosse Unbekannte. Nicht zuletzt, weil wir das Vorderrad von 18 auf 17 Zoll heruntergespeicht hatten und bei Fahrwerks-Spezialist Sigi Zachmann die Gabel um 50 mm einkürzen liessen.

Es versteht sich von selbst, dass mit diesen für die Optik sicher förderlichen, für die Fahrdynamik potenziell aber durchaus gefährlichen Eingriffen die ursprüngliche Geometrie komplett über den Haufen geworfen wurde. Kommt hinzu, dass die Balance aufgrund der jetzt deutlich vorderradorientierteren Ergonomie ebenfalls eine Neue ist.

Wie also würde sich die Imperial, die auf nationaler wie internationaler Ebene übrigens eine grosse Resonanz geniesst, beim Abwinkeln verhalten? Kommt’s gut oder ist die Scrambler Imperial am Ende gar unfahrbar? Ich nehme Platz und stelle sofort fest: Unser Eigenbau-Vintage-Racer ist ausgesprochen kompakt – ja klein. Sicheres Abstehen dürfte selbst für Mignons kein Problem darstellen. Und beim Fahren sieht man vom Bike absolut nichts, was beim Cruisen in der City ein cooles Feeling herbeiführt und so durchaus im Sinne der Erfinder ist.

Apropos Cruisen: Als Basis auf die einsteigerfreundliche Scrambler gesetzt zu haben, erweist sich in der Praxis als goldrichtig, denn das Bike ist motorenseitig echt spielend zu fahren. Dies ist insofern willkommen, als die Ergonomie mit den tief angebrachten Lenkerstummeln an den Handgelenken gewisse Nehmerqualitäten erfordert. Auch Gesäss und Oberschenkelinnenseite werden durch die nur minimal gepolsterte und scharfkantige Sitzbank auf die Probe gestellt. Hier werden wir nachbessern. Ebenso an der Mini-Leuchte, deren Lichtkegel bei Dunkelheit zu klein und zudem wenig "erleuchtend" ausfällt.

Eher kritisch ist bei sommerlichen Temperaturen die Abwärme der rechts liegenden Auspuffkrümmer. Weil man auf der Imperial tiefer sitzt, büscheln sich Knie und Unterschenkel weiter vorne und damit näher an der Hitzequelle. Da hilft auch das Auspuffband nicht weiter.

Jetzt aber ans Eingemachte: Ich steure unsere Fahrwerks-Teststrecke an und lasse es vorerst gemächlich angehen. "Das geht aber ganz gut und erstaunlich harmonisch", denke ich mir und erhöhe kontinuierlich das Tempo. Kurve, anbremsen – keine Spur von Aufstellmoment. Abwinkeln geht ruck, zuck und ohne jeglichen Kraftaufwand, und in Vollschräglage zieht die Imperial unbeirrt einen sauberen Strich. "Das ist doch nicht möglich …", rumort es in meinem Kopf, "… gut, dann halt volle Kanne!" Die Imperial lässt sich nicht zweimal bitten, hält souverän mit – lässt praktisch alles mit sich machen. Rennstrecke? Auf jeden Fall! Der limitierende Faktor dürften da irgendwann die 75 PS werden – ganz sicher nicht das Fahrwerk, das mich hier und heute echt Bauklötze staunen lässt. Wir geben es ja nur ungern zu, aber da hatten wir wohl schon auch grosses Glück.

Und dennoch, einen Kritikpunkt gibt es auch beim Fahrwerk: Wenn beim harten Anbremsen beispielsweise einer dieser kleinen, leicht im Asphalt versenkten, fiesen Gullideckel überrollt wird, erklingt ein lauter, metallischer Schlag. Zunächst glaubten wir, das beunruhigende Geräusch stamme vom vorderen Kotflügel, denn der Kabelbinder-Test am Tauchrohr schloss ein Durchschlagen der Gabel eindeutig aus. Erst als sich das Phänomen wiederholte, dämmerte uns, dass es die Gabelfeder ist, die auf Block geht. Fahrwerks-Profi Sigi Zachmann hält schon am Telefon die Lösung für uns bereit: "Ihr müsst das Progressionsniveau der Gabel steigern, indem ihr das Ölniveau erhöht. Ich hatte es bei der Imperial auf 120 mm ab Oberkante gemessen. Eine Steigerung auf 100 mm müsste das Problem beseitigen." Okay, Sigi, wir kommen dann mal kurz bei dir vorbei!

Handling und Stabilität waren auf Anhieb in perfektem Einklang. Handling und Stabilität waren auf Anhieb in perfektem Einklang. © Richard A. Meinert
Bei der Gabel werden wir das Ölniveau erhöhen, um das Progressionsniveau zu steigern. Bei der Gabel werden wir das Ölniveau erhöhen, um das Progressionsniveau zu steigern. © Richard A. Meinert
Hier gibt es mehr Polsterung. Hier gibt es mehr Polsterung. © Richard A. Meinert
Mit der Imperial gelingt jeder Auftritt. Egal, ob in der City oder am Pass. Mit der Imperial gelingt jeder Auftritt. Egal, ob in der City oder am Pass. © Richard A. Meinert