Fun-Bike für die Grossstadt.
Fun-Bike für die Grossstadt. © Richard A. Meinert

Kurz um den Block

Honda MSX 125

Von Dimitri Hüppi
25.11.2013 11:46:15

Die neue Honda MSX 125 verdreht Köpfe, wo sie auch auftaucht! Am allerliebsten im dichten Gedränge der Grossstadt, wo sie wie kaum eine andere zu Hause ist.

Die brandneue Honda MSX 125 ist beinahe so klein wie ein Pocket-Bike. Und doch ist sie keines. Aber ein «richtiger Töff» ist sie doch auch nicht!? Tja, diese Frage stellt sich wohl mancher, der die MSX sieht. Auf jeden Fall zieht sie die Blicke der Umwelt wie magisch auf sich! Aber vielleicht ist es ja gar nicht allein ihr Format, sondern erst die Kombination mit einem erwachsenen Fahrer, die ins Auge springt. Es lässt sich ja kaum bestreiten, dass das Bild, das sich so ergibt, mindestens so speziell ist, wie das einer zierlichen Lady im Sattel einer mächtigen Boss-Hoss-Maschine mit einem für amerikanische Sportwagen gedachten V8-Motor.

Das Tolle: Meist bleibt es nicht nur bei neugierigen Blicken - die MSX schafft es in der Regel, die Menschen zum Lachen zu bringen. «Lueg emal dä», heisst es da etwa, wenn man an einem Grüppchen Teenager vorbeifährt - und vier Augenpaare, die eben noch in einen 9 x 5 Zentimeter grossen Bildschirm stierten, sind plötzlich auf einen gerichtet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind verwundert, erfreut oder schlicht amüsiert. Und auch wenn man als Fahrer die genauen Empfindungen nicht unbedingt mitbekommt, schwingt bei praktisch jeder Reaktion etwas Positives mit, und man beginnt ebenfalls für sich zu schmunzeln oder zurückzulachen - selbst in der Hektik der Rushhour.

Damit ist eines der Ziele der MSX-Erbauer bereits erreicht. In Japan ist man sich dieser Wirkung nämlich durchaus bewusst und sieht die MSX insbesondere für junge Menschen, die etwas Unkonventionelles suchen, die zudem aber auch das Leben nicht immer ganz so ernst nehmen. Mit zu diesem Konzept gehört explizit auch der einsteigerfreundliche Preis von 3490 Franken. Und an der Zapfsäule geht die Sparsamkeit sogar noch weiter: Im Test verbrauchte diese kleine 125er gerade einmal 2,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Top!

Gute Laune - und sonst?

Ist man in der Grossstadt an seiner Destination angekommen, folgt das Übliche: Parkplatzsuche. Selbst mit einem Töff gestaltet sich diese heute ja nicht mehr überall so einfach. "Hehe", darf sich aber der MSX-Fahrer denken und sich freuen: Mit 176 Zentimetern Länge und 75 Zentimetern Breite ist dieses "Töffli" sogar noch kompakter als ein ausgewachsenes E-Bike.

Auf einer der Testfahrten kommt es prompt zum Härtetest: Eine winzige Lücke auf einem mit Velos, Töffs und Autos vollgestellten Platz in Zürich City ist erspäht, doch führt der direkteste Weg dahin in nicht erlaubte Fahrtrichtung. Und dummerweise kommt auch noch das Gesetz auf vier Rädern entgegen. Die Situation richtig einschätzend, bleiben die Beamten prophylaktisch stehen, um das Weitere zu beobachten. Ich schwinge mich also von meinem Hobel runter, beende das erwachsen-dumpf klingende Dom-Dom-Dom-Dom des Einzylinders per Killschalter und schiebe die MSX lässig, aber keinesfalls übertrieben, auf die Streife zu. Als ich fast auf Augenhöhe mit den Polizisten bin, sehe ich, wie sich auch ihre Mundwinkel nach oben bewegen. Ungehindert gelange ich so zur Abstellfläche. Schade ist jetzt nur, dass an einem Helmschloss, das jetzt superpraktisch wäre, gespart wurde.

Die Kleine ist immer auf Zack

Etwas später wieder im Gedränge zeigt sich: Wenn es darauf ankommt, ist die Kleine echt auf Zack, dank knapp 10 PS und ihrem geringen Gewicht von nur etwas über 100 Kilo. Selbst mit einem Sozius saust man in der City noch mit genügend Power um die Ecken, auch wenn es zu zweit auf Dauer vielleicht etwas eng wird. Bis Tempo 60 und etwas darüber gibt sich die MSX als überaus spurtstark. Dazu trägt ihr leicht und sauber schaltbares Getriebe bei.

Zudem glänzt sie erneut durch ihre Kompaktheit und windet sich flinker durchs Gewühl, als das Gros der Roller. Sieht man vor sich nur noch Rot, sorgen die verbauten Bremsen für zuverlässige Verzögerung, doch dürften sie mit etwas mehr Biss zu Werke gehen.

Lässt man die Stadt hinter sich, zieht die MSX noch immer brav, aber nicht mehr so kräftig wie im City-Bereich. An Steigungen oder mit entsprechendem Gegenwind sackt das Tempo denn schon mal auf 70 runter. Vom vierten Gang (dem höchsten) in den dritten runterschalten hilft dann auch nicht viel. Ducken schon eher! Und schwupps, schon gehts wieder flotter. Auf der Autobahn sollte man grundsätzlich die gebückte Haltung wählen. Holt man dann im Windschatten eines Lastwagens noch richtig Schwung, lässt sichs sogar auf der Überholspur vorbeiziehen.

Gehts gegen 100 km/h, kommt Leben ins Fahrwerk. Das ist die Kehrseite der zuvor geschätzten Wendigkeit, für die insbesondere die kleinen Zwölfzollräder und der kurze Radstand von 1200 Millimetern verantwortlich sind. Abgesehen davon erfüllen die Fahrwerkskomponenten sportliche Erwartungen: hinten eine schlichte Kastenschwinge mit Einzelfederbein, vorn eine USD-Gabel, die mit ihrer Gold-Optik ein echter Eye-Catcher ist. Auch der Rest des Töffs ist optisch gelungen, wirkt wie aus einem Guss. Erstaunlich angenehm und praxistauglich ist auch die Ergonomie. Nur der Sattel ist hart wie ein Brett. Der Allerwerteste machte sich auf den Testfahrten jeweils schon nach etwa 15 Minuten bemerkbar.

Abgesehen davon hat sich die MSX 125 als völlig unkompliziert zu bewegendes Bike erweisen, das sich eindeutig in der City am wohlsten fühlt, bei Überlandfahrten und im Zweimannbetrieb aber nicht passen muss.

Passt auch ans Wohnmobil

Durch ihre Kompaktheit dürfte sie nicht nur für (junge) Individualisten, sondern auch für Wohn-mobil-Besitzer ein schmucker Begleiter sein. Und wer bei diesem Bild nun glaubt, die MSX 125 bereits zu kennen, der dachte vielleicht schon ganz am Anfang an die legendäre Vorgängerin, die Honda Monkey, die in den 1960ern das Licht der Welt erblickte.


*** *** ***

Fazit

Keine zu klein, ein Flitzer zu sein: Die Einzylinder-viertaktende Honda MSX 125 begeistert in der Stadt nicht nur die Besatzung, sondern auch Passanten und Polizeibeamte. Für ehemalige Monkey-Freaks ist klar: Muss haben!



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Honda MSX 125

Hubraum: 124,9 ccm
Leistung: 9,8 PS bei 7000/min
Gewicht: 102 kg leer
Preis: 3490 Franken
Verkehrsabgabe: 48 bis 56.70 Fr./Jahr


Motor und Fahrwerk

Motor: Luftgekühlter Einzylinder-Viertakter, 2 Ventile, PGM-Einspritzung, Bohrung× Hub 52,4 × 57,9 mm, Verdichtung 9,3. Mehrscheiben-Nasskupplung, 4 Gänge, Kette; 9,8 PS bei 7000/min, 10,9 Nm bei 5500/min.

Fahrwerk: Zentralrohr-Rückgratrahmen aus Stahlrohr, 31-mm-USD-Gabel, Stahl-Kastenschwinge, Monofederbein; Bodenfreiheit 160 mm, Wendekreis 1,9 m, Länge 1760 mm, Breite 755 mm, Höhe 1010 mm; vorne Scheibenbremse ∅ 220 mm, Zweikolbenzange, hinten Scheibenbremse ∅ 190 mm, Einkolbenzange; Aluminium-Druckgussräder; Bereifung 120/70-12 und 130/70-12.


Abmessungen: Tankvolumen 5,5 l, Schrittbogenmass 1680 mm, Lenkerinnenbreite 600 mm, Gewicht 102 kg, Sitzhöhe 765 mm, Radstand 1200 mm


Auf den Punkt gebracht

Die MSX 125 ist quirlig und kompakt - ein echter City-Flitzer, der zudem einfach witzig ist und gute Stimmung verbreitet.


+ Starker Antritt aus dem Stand
+ Unglaublich geringer Verbrauch
+ Chices Design
+ Toller Sound
- Sattel ist sehr hart
- Wird bei Autobahntempo zappelig
- Für zwei Erwachsene wird es eng


Motor ****
Bremsen **
Fahrwerk ***
Ergonomie ***


Import

Honda Suisse, 5 rue de la Bergère, 1242 Satigny-Genève, Tel. 022 989 05 00, www.hondamoto.ch

 

Dieser Piccolo-Töff definiert Motorradspass neu. Dieser Piccolo-Töff definiert Motorradspass neu. © Richard A. Meinert
Eigenständiger Scheinwerfer, der mit einer 35-Watt-Birne bestückt ist. Eigenständiger Scheinwerfer, der mit einer 35-Watt-Birne bestückt ist. © Richard A. Meinert
Armaturen und Cockpit sind erwachsen. Im informativen Display vermisst man nichts. Armaturen und Cockpit sind erwachsen. Im informativen Display vermisst man nichts. © Richard A. Meinert
Der Endtopf mit drei Litern Volumen wandelt den Schall des Einzylinders in erfreulichen Klang um. Der Endtopf mit drei Litern Volumen wandelt den Schall des Einzylinders in erfreulichen Klang um. © Richard A. Meinert
Am vorderen 12-Zoll-Alurad verzögert eine 220er-Scheibe mit Doppelkolbenzange. Am vorderen 12-Zoll-Alurad verzögert eine 220er-Scheibe mit Doppelkolbenzange. © Richard A. Meinert
Dieser Einzylindermotor wurde in anderen Modellen seit 2003 bereits über 930 000 Mal verbaut. Dieser Einzylindermotor wurde in anderen Modellen seit 2003 bereits über 930 000 Mal verbaut. © Richard A. Meinert