Die neue K 1600 GT.
Die neue K 1600 GT. © Markus Jahn

Fliegender Teppich

BMW K 1600 GT

Von Michael Kutschke
15.05.2017 11:33:05

BMW hat seinen Sechszylinder-Luxus-Liner K 1600 GT frisch zurechtgemacht – mit noch mehr Komfort, Technik und Ausstattungsmöglichkeiten.

Ich höre Stimmen aus dem Motorrad, die unser Treiben mit Bemerkungen begleiten. Nein, ich habe nicht die falschen Drogen von einem Therapeuten verschrieben bekommen. Die neue BMW K 1600 GT des Kollegen aus Österreich spricht nämlich tatsächlich. Der Grund ist, dass sie vor uns auf dem Asphalt liegt und gar nicht mehr so gut aussieht, wie es sich für einen nagelneuen Edeltourer eigentlich gehört.

Ein Sturz in der Fotokurve ist die Ursache, dass die "K" plötzlich das Wort ergreift. Das BMW-Callcenter hat eine Telefonverbindung zum havarierten Motorrad hergestellt und fragt an, ob Hilfe benötigt wird. Dafür sind in der Bedieneinheit an der rechten Lenkerhälfte ein Mikrofon und ein Lautsprecher integriert. BMW bietet dieses automatische Notrufsystem für die K 1600 GT und die Variante "Sport" ab sofort als aufpreispflichtiges Extra an.

Notrufsystem "eCall"

Das sogenannte "eCall" erkennt sogar, ob ein schwerer Unfall passiert ist oder ob es sich, wie in unserem Fall, nur um einen Ausrutscher handelt. Bei Letzterem beginnt das Motorrad nur zu sprechen. Registriert der Crash-Sensor dagegen eine schwerere Kollision, sendet das Notrufsystem automatisch die Positionsdaten und damit die Koordinaten des Unfallortes an die Rettungskräfte.

Aber die "K" kann nicht nur reden, sie kann sogar schweben, denn höchste Laufruhe und souveräne Performance aus 160 PS Leistung und 175 Nm Drehmoment sind und bleiben auch der jüngsten Generation der "K" erhalten. Deshalb wirken die ersten Meter mit dem Sechszylinder zunächst wie ein Déjà-vu. Kultiviert säuselt er vor sich hin, der Reihensechser, und erst, wenn man mal richtig Gas gibt, dann faucht er, aber wie! Der Sechszylinder erfüllt nun die Euro4-Norm. Und das Getriebe lässt sich jetzt butterweich schalten. Jedoch nur, wenn man möchte. Denn die "K" kann ab sofort mit einem bidirektionalen Quickshifter geordert werden.

Adaptives Kurvenlicht als Option

Xenon-Scheinwerfer, Griff- und Sitzheizung sowie Geschwindigkeitsregelung und Bordcomputer sind sowohl bei der Standard "K" als auch bei der neuen GT Sport nach wie vor an Bord. Optional gibt es ein adaptives Kurvenlicht. Und neben den üblichen Verdächtigen wie E-Fahrwerk Dynamic ESA mit automatischer Dämpfungsanpassung und dessen Einstellmodi "Road" und "Dynamic", ABS und Traktionskontrolle (DTC), samt drei wählbaren Fahrmodi ("Rain", "Road" und "Dynamic"), sind im frisch geschnürten Fahrassistenzpaket auch zwei neue Systeme drin: Der bereits erwähnte Schaltassistent für das Hoch- und Herunterschalten ohne Kupplungseinsatz und die neue Rückfahrhilfe, die sich einfach per Knopfdruck von der linken Lenkerarmatur aus aktivieren lässt.

Noch besserer Wetterschutz

Und Windgeräusche? Ja, gibt es, aber zurückhaltend, verwirbelungsfrei und irgendwie weit weg. Diese Qualitäten wurden nämlich weiter optimiert. Auch das elektrisch verstellbare Windschild mit Memory-Funktion bleibt nach wie vor beispielhaft. Die Verkleidungsseitenteile sind übrigens von den jetzt grösseren und damit noch effizienteren Windleitflügeln abwärts neu gestaltet und die oberen Verkleidungsseitenteile wurden für noch besseren Wind- und Wetterschutz weiter nach hinten gezogen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die K 1600 ist in Sachen Windgeräusche ein noch leiserer Leisetreter geworden – und auch beim Fahrwerk lässt die BMW den Fahrer das Tempo kaum spüren.

Unglaublich, wie sich mit diesem 334-Kilo-Brocken selbst im engsten Kurvengeläuf um die Ecke flitzen lässt. Und so muss man echt häufig einen Blick auf den Tacho werfen (wie bitte, schon wieder 120?). Ausser, man hat den Tempomaten drin oder das kleinere Windschild der GT Sport vor sich. Dessen Luftverwirbelungen sind eine Verschlimmbesserung. Gottlob lässt sich die GT Sport auch mit dem Standard-Windschild ordern.
 

Fazit

Bei der neuen BMW K 1600 GT ist nichts Schein, sondern alles "Sein". Die Bayern haben da angesetzt, wo es in der Vergangenheit Kritik hagelte. Das Getriebe lässt sich jetzt butterweich schalten. Und der neue Quickshifter gehört zum Besten, was wir bisher im Motorradbau getestet haben. Erstaunlich ist jedesmal, wie agil sich dieser grosse Luxusliner fahren lässt. Man kann es gar nicht fassen. Und der Motor ist wirklich "outstanding". Diese Laufkultur, dieser Sechszylinder-Sound – ein Traum! Die "Sixpack-K" hat einen Quantensprung vollzogen.



BMW K 1600 GT


Preis: ab 24 430 Franken
Hubraum: 1649 ccm
Leistung: 160 PS bei 7750/min
Drehmoment: 175 Nm bei 5250/min
Gewicht: 334 kg fahrfertig
Sitzhöhe: 810/830 mm bzw. 780/800 mm
Tankvolumen: 26,4 l

Import & Info: www.bmw-motorrad.ch



Motor


Flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Viertakt-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, Nasskupplung, 6 Gänge, Kardan.


Fahrwerk

Aluminium-Gussrahmen, Telelever (37 mm), Paralever-Einarmschwinge mit Zentralfederbein (Dynamic ESA), vorn Doppelscheibenbremse (320 mm) mit radialen Vierkolben-Zangen, hinten Einzelscheibe (320 mm) mit Zweikolbenzange. Reifen 120/70-17 und 190/55-17.  



Plus-Minus

+ Fahrassistenzsysteme auf Toplevel  
+ Top-Triebwerk: kultiviert, stark   
+ Höchster Fahr- und Sitzkomfort  
+ Top Kurvenagilität  
+ Stimmiges Gesamtpaket  
- Lenkerarmaturen nicht hinterleuchtet  
- Windschild K 1600 GT Sport  
- Magere Grundausstattung 


Sechszylinder-Reihenmotor mit neuen Katalysatoren und EU-4-Homologation, Hill Start Control, Rückwärtsgang und bidirektionalem Schaltassistenten. Sechszylinder-Reihenmotor mit neuen Katalysatoren und EU-4-Homologation, Hill Start Control, Rückwärtsgang und bidirektionalem Schaltassistenten. © Markus Jahn
Instrumente mit neuen Zifferblättern. Instrumente mit neuen Zifferblättern. © Markus Jahn
Der Funkschlüssel. Der Funkschlüssel. © Markus Jahn
Auch die Seitenkoffer lassen sich via Fernbedienung verriegeln und öffnen. Auch die Seitenkoffer lassen sich via Fernbedienung verriegeln und öffnen. © Markus Jahn
Der Wetterschutz wurde nochmals verbessert. Der Wetterschutz wurde nochmals verbessert. © Markus Jahn