Moto2-WM

Schweizer Klasse

Von Imre Paulovits
15.04.2010 17:40:41

Moto2 löst die 250er-WM ab. Mit Tom Lüthi und Domi Aegerter fahren dort zwei Schweizer, und Suter Racing Technology rüstet ein Drittel des Feldes aus.

Der Sound bei der Generalprobe in Valencia war gigantisch. Als 38 Fahrer erstmals mit den 600er-Honda-Einheitsmotoren zusammen ausrückten, erschallte das Stadion der spanischen Rennstrecke in einem völlig neuen Klang: dank grosszügiger Lärmvorschrift deutlich lauter als die Supersport 600 und viel hochfrequenter als die MotoGP, wo die Big-Bang-Motoren in tiefen Lagen dröhnen. Weil alle mit dem gleichen Motor und den gleichen Reifen fahren müssen, sind Herzschlagfinale bei den Rennen vorprogrammiert.

Dafür sind die Fahrwerke freigestellt, sie dürfen allerdings nicht von einem für die Strasse homologierten Motorrad stammen. So haben sich im Laufe des letzten Jahres viele Spezialisten herangemacht und superleichte, für den Renneinsatz konzipierte Rahmen, Schwingen und Verkleidungen entwickelt. Eskil Suter war einer der Ersten, die sich Gedanken zum Konzept eines idealen Moto2-Renners gemacht haben; er baute ein unglaublich kompaktes Rennmotorrad um den CBR-600-Motor herum. Prompt entschieden sich viele Teams für die Technik aus Turbenthal – 13 der 39 zugelassenen Piloten fahren die Suter MMX.

Tom Lüthi fährt mit neuem Team
Doch auch andere Spezialisten haben sich zu Wort gemeldet: Die japanische Schmiede Moriwaki hat bereits 2008 mit dem Bau einer 600er-Rennmaschine begonnen und seither viele Entwicklungsstufen durchgemacht, be- vor nach Weihnachten schliesslich die Motorräder mit Evolutionsstufe 11 an die Kunden verschickt wurden. Einer davon ist das neu formierte Team Interwetten, für das Tom Lüthi fährt. Es gehört Terrell Thien, der zuvor schon Teammanager beim Emmi-Caffè-Latte-Team war und die Teamstruktur von Daniel Epp übernommen hat. Thien hat bereits früher mit dem Vize-WM-Titel des Yamaha-Werksteams in der Supersport-600-WM bewiesen, dass er das nötige Know-how in Sachen Viertakter hat. Und dass Tom den fahrerischen Umstieg schafft, hat er bereits mit Spitzenzeiten im Rennen gegen ehemalige MotoGP-Fahrer wie Toni Elias, Alex de Angelis, Yuki Takahashi, Niccolo Canepa und Gábor Talmácsi bewiesen.

Dominique Aegerter auch dabei
Der zweite Schweizer in der neuen Klasse, Dominique Aegerter, fährt bei CIP-Moto eine Suter MMX, und sein Manager, Fred Corminbeuf, hat so viel Gefallen an der Sache gefunden, dass er gleich Teammanager bei den Franzosen wurde. Mit seinem gleichaltrigen japanischen Teamkollegen Shoya Tomizawa versteht sich «Aegi» blendend, und er zeigte gleich, dass auch mit ihm zu rechnen ist.

Bis zum WM-Auftakt in Katar müssen die Fahrer zwar noch eine Menge Tests über sich ergehen lassen und die Teams und Konstrukteure noch viele Kinderkrankheiten ausmerzen. Doch wenn in der Wüstennacht erstmals die Startampel ausgeht, können sich die Fans auf ein ganz neues Spektakel freuen. Und die Schweizer dürfen gleich zwei Fahrern und einem Konstrukteur die Daumen drücken.

Einheitsmotoren built in Switzerland
Selbst die Honda-Einheitsmotoren, die am Donnerstag vor jedem Rennen nach dem Losverfahren an die Teams verteilt werden, machen die Moto2 zur Schweizer Klasse. Die 140 PS starken Triebwerke auf Honda-CBR-600-RR-Basis wurden bei Geo Technologies, der Firma des ehemaligen Honda- und Ferrari-F1- Konstrukteurs Osamu Goto bei Luzern, aufgebaut und werden auch dort gewartet. 60 Motoren von Geo Technologies sind in Umlauf, sie sollen eine Lebensdauer von 1500 Kilometern haben und so drei Rennen mitmachen.

 

 

Dominique Aegerter (77) auf der Suter, vor Thomas Lüthi auf der Moriwaki: Beide Schweizer Piloten sind noch in der Lernphase. Dominique Aegerter (77) auf der Suter, vor Thomas Lüthi auf der Moriwaki: Beide Schweizer Piloten sind noch in der Lernphase. © Imre Paulovits
Technikgespräche: Aegerter berät sich mit Eskil Suter, Lüthi mit Terrell Thien. Technikgespräche: Aegerter berät sich mit Eskil Suter, Lüthi mit Terrell Thien. © Imre Paulovits
Technikgespräche: Aegerter berät sich mit Eskil Suter, Lüthi mit Terrell Thien. Technikgespräche: Aegerter berät sich mit Eskil Suter, Lüthi mit Terrell Thien. © Imre Paulovits
Einheitsmotoren built in Switzerland. Einheitsmotoren built in Switzerland. © Imre Paulovits