Indianapolis 2012: Edle Töff auf historischer Bahn.
Indianapolis 2012: Edle Töff auf historischer Bahn. © Richard A. Meinert / Imre Paulovits

Feierstätte

Indianapolis Oerlikon 2012

Von Imre Paulovits
04.12.2012 19:53:24

Anlässlich der "Indianapolis in Oerlikon 2012" feierten im Sommer Töfffahrer in der Offenen Rennbahn Oerlikon gleich mehrere Jubiläen und einen Abschied: Luigi Taveri hört als Aktiver auf.

Das Kreischen ist infernalisch. Es ist aber einer der schönsten Klänge, die es im Rennsport je gegeben hat. Die beiden Schweizer Rennsport-Legenden Luigi Taveri und Bruno Kneubühler jagen ihre beiden Honda RC 162 Replicas gemeinsam um das 333 Meter lange Betonoval. Die Zuschauer auf den komplett gefüllten Tribünen und im vollen Innenfeld danken ihnen mit frenetischem Applaus. «Und das an einem Werktag mitten in der Stadt», grinst ein ergrauter Fan, der sich in längst vergangene Zeiten versetzt fühlt.

Viel Tradition
Die Offene Radrennbahn Oerlikon ist gemeinsam mit der Rodelbahn in St. Moritz die älteste intakte Sportanlage der Schweiz. Auf ihr wurden schon viele Schlachten ausgetragen, mit dem Velo und dem Töff bis hin zu Weltmeisterschaften bei Steherrennen. 2012 feiert die Bahn nun ihr hundertjähriges Bestehen, und die Kultveranstaltung Indianapolis Oerlikon, bei der hochkarätige historische Autos und Töff in Aktion zu bewundern sind, gab es am 24. Juli zum zehnten Mal.

Entsprechend beeindruckend war das Aufgebot. Dem Namen der Veranstaltung gerecht werdend, gab es nicht weniger als sechs echte Indianapolis-Autos aus den 1930er-Jahren, dazu Formel- und Sportwagen bis 1970. Bei den Töff konnte man die Schweizer Prunkstücke von Egli und Motosacoche bewundern, dazu Edelmetall von AJS, BSA, Indian, Matchless, Norton, MV Agusta, Triumph und Scott. Auch bei den Gespannen war von den Vorkriegs-Dreirädern über Kneeler bis zu den modernen LCR-Flundern alles präsent.

Und trotzdem schaute alles auf die drei Helden der Veranstaltung - die ehemaligen und aktuellen GP-Fahrer der Schweiz. Der dreifache Weltmeister Luigi Taveri, der dreifache Vizeweltmeister Bruno Kneubühler und der aktive Moto2-Star Randy Krummenacher fuhren gemeinsam ihre Paraden.

Abschied des grossen Helden
Luigi Taveri hatte es vor der Veranstaltung angekündigt: Es wird das letzte Mal sein, dass ihn das Schweizer Publikum auf einem Renntöff sieht. Er wird noch in Imatra in Finnland fahren, dann seine Honda für immer einmotten. «Ich habe als Rennfahrer gespürt, wann es Zeit ist aufzuhören, und ich spüre es jetzt wieder», sagte der bald 83-Jährige. Seine Tochter Blanca hatte Tränen in den Augen, als der grosse kleine Mann frenetisch vom Publikum bejubelt wurde. Luigi selbst wusste die Tränen zu unterdrücken: Zur dritten und vermeintlich letzten Fahrt trat er gar nicht mehr an und überliess Kneubühler und Krummenacher die Bahn.

Drei Rennfahrergenerationen (v. l.): Krummenacher, Kneubühler und Taveri. Drei Rennfahrergenerationen (v. l.): Krummenacher, Kneubühler und Taveri. © Richard A. Meinert / Imre Paulovits
Schweizer Damen-Gespann (v. l.): Sophia Kirchhofer und Anna Burkard. Schweizer Damen-Gespann (v. l.): Sophia Kirchhofer und Anna Burkard. © Richard A. Meinert / Imre Paulovits
Formationsflug von Taveri, Kneubühler und Krummenacher (v. l.). Formationsflug von Taveri, Kneubühler und Krummenacher (v. l.). © Richard A. Meinert / Imre Paulovits
Taveris Honda. Taveris Honda. © Richard A. Meinert / Imre Paulovits
Ovationen zum Abschied Taveris. Ovationen zum Abschied Taveris. © Richard A. Meinert / Imre Paulovits