Patrick Meile

Der Schrauber

Von Waldemar Da Rin
04.05.2009 10:02:10

Der Schweizer Patrick Meile hat 2008 vor seinem Landsmann Kilian Gyger in Deutschland den ADAC-Junior-Cup gewonnen.

Meile hat sich für 2009 zwei Ziele gesteckt: Im Team Albatros in der 125er-Klasse die IDM bestreiten und im Herbst in einer Volvo-Garage bei Weinfelden eine Lehre beginnen. «Arbeiten muss ja jeder, und
wenn ich im Rennsport den Durchbruch nicht schaffe,muss ichvon etwas anderem leben können. Deshalb ist ein Beruf immer gut», sagt der 16-jährige Thurgauer.

Dass jeder, der in dieser seit 1993 bestehenden Nachwuchs-Klasse Rennen gewinnt, Talent hat, steht ausser Frage. Aber nicht jeder schafft letztendlich den Durchbruch. Sprich den Aufstieg in die WM. Bislang haben erst zwei ehemalige «Junior-Cupler» auch in der WM Erfolg gehabt. Der Bekannteste ist Thomas Lüthi.

Er hatte 2001 das Rennen amSachsenring gewonnen und bestritt bereits ein Jahr später an gleicher Stelle seinen ersten GP. Drei Jahre späterwurde er bei den 125ern Weltmeister. Der andere kommt aus
Deutschland und heisst Steve Jenkner.

Start: Pocketbikes
«Dass ich Rennfahrer werden wollte, liegt allerdings nicht an Lüthi. Mein Vater, der selbst fürs Leben gern Motorrad fährt, hat mich oft mitgenommen.Als wir einmal in Sulgen bei einem Pocketbike-Rennen
zugeschaut haben – ich war damals elf Jahre alt –, hat man uns gefragt, ob ich das auch mal versuchen wolle. Die Pocketbikes machten mir auf Anhieb Spass, und mein Vater hat mir eins gekauft. Seither ist er an jedem Rennen dabei», resümiert Patrick.

Dass es im ADAC-Junior-Cup zahlreiche Schweizer hat – 2008 waren drei Eidgenossen in der Gesamtwertung unter den ersten vier (!) –, liegt auchdaran, dass das Mach-Teamvon Ex-Schweizer-Meister Robert Chesaux bei den Pocketbike-RennenWerbung für den Junior-Cup gemacht hatte. Also kein Zufall, dass sein Sohn Bastien über diese Klasse imGP-Sport gelandet ist. Zurzeit sind also nebst Tom Lüthi, Randy Krummenacher, Dominique Aegerter und Michael Ranseder fünf ehemalige «Cupler» in der WM vertreten. Besser gesagt sechs, wenn wir Stefan Bradl (Red Bull Rookie Cup) dazuzählen dürfen.

Nicht jeder kann es schaffen
Was sicher beweist, dass es für die jungen Burschen der richtige Weg war, eine Rennfahrerkarriere einzuschlagen. So zu sein wie Valentino Rossi, davon träumt jeder, aber der Weg kann steinig und aufopferungsvoll sein. Rossi ist ein Jahrhunderttalent, war immer zur richtigen Zeit amrichtigen Ort. Zudem hat er sich nie ernsthaft verletzt. Andere, wie Dario Guiseppetti, Georg Fröhlichund Toni Wirsing landeten wieder in der IDM, wo sie anfingen und wohl auch wieder aufhören werden – oder müssen. Dagegen drängen sich junge Talente wie Marvin Fritz, Marcel Schrötter und Luca Grünwald als GP-Fixstarter auf.

Patrick ist ein grosser Rossi-Fan, bewundert aber grundsätzlich jeden MotoGP-Fahrer. «Das ist eben die höchste Klasse und das Ziel jedes Rennfahrers. Aber zuerst muss ich mich in der IDM durchsetzen, und das wird nicht einfach sein.Denn so ein Cup-Sieg ist noch kein Freibillett für die Weltmeisterschaft. Erst möchte ich in der IDM unter die ersten zehn fahren, und ich hoffe, dass ich schon 2010 eine Wildcard für die WM bekommen werde», sagt Meile, der sich schnell mit der Mechanik angefreundet hat. Patrick: «Wir hatten einen Nachbar, der Töffli flickte. Ich durfte dann jeweils mithelfen und schraube auch heute noch mega-gern.»

Mutter Andrea, Vater Markus und die schon recht stattliche Pokalsammlung Mutter Andrea, Vater Markus und die schon recht stattliche Pokalsammlung © Wiessmann
Thurgauer Gemeinde Hugelshofen: Wo Patrick Meile aufgewachsen und auch heute noch wohnhaft ist Thurgauer Gemeinde Hugelshofen: Wo Patrick Meile aufgewachsen und auch heute noch wohnhaft ist © Wiessmann