Aprilia

Neuer CH-Import

Von Daniele Carrozza
04.02.2009 10:29:50

Aprilia geht, nach 20 Jahren, von der MOHAG AG zur OFRAG Vertriebsgesellschaft.

Im Zuge der Eingliederung der Brands Aprilia, Moto Guzzi, Gilera und Derbi in die Piaggio-Gruppe musste die Mohag AG (Aprilia, Moto Guzzi, Alpinestars), den Aprilia-Import per 1. Januar an die Vertriebsgesellschaft OFRAG mit Sitz im aargauischen Lupfig abtreten. Letztere ist bekanntlich um den Import der Brands Piaggio, Vespa und Gilera bemüht.

Die Mohag AG – seinerzeit hatte sie unter anderem Harley-Davidson im Sortiment – wurde anno 1986 auf den innovativen und noch jungen italienischen Hersteller aufmerksam. Der Vertrag kam zustande – zwei Jahre später wurden die ersten AF1 in die Schweiz importiert. Mohag-Geschäftsführer Alfred Staub erlebte mit Aprilia mitunter turbulente Zeiten: Zum Beispiel die Pleite des Herstellers durch den damaligen CEO Ivano Beggio, der sich beim Zukauf von Moto Guzzi verrechnet hatte. Aprilia bescherte Alfred Staub auch Glanzstunden. So wurden im Jahr 2001 in Helvetien respektable 4200 Einheiten Aprilia verkauft. Zuweilen lief es so gut, dass Staub bis zu siebenstellige Beträge aufwarf, um Anfang der 1990er-Jahre das mit Eskil Suter und Oliver Petrucciani in der Strassen-WM aktive Mohag-Racing-Team zu finanzieren.

Den Brand nach all diesen Jahren gerade jetzt und ohne gross mitreden zu können zu verlieren, tut natürlich weh und hat Mohag-intern auch zu Personalabbau geführt. Staub: «Die letzten Jahre hat uns Aprilia finanziell nicht besonders viel gebracht. Dennoch haben wir an der Marke festgehalten und seit 2004 sehr viel Geld investiert. 2009 und 2010 kommen mit der Shiver 1200, der grossen Dorsoduro und dem RSV4-Superbike sehr interessante Modelle. Da ist es natürlich ärgerlich, die Früchte seiner Arbeit nicht ernten zu können.» Doch Staub blickt vorwärts: Bereits wurden erste Kontakte mit Herstellern geknüpft, mit deren Produkten das Mohag-Portfolio erweitert werden soll.

Was den Lagerbestand betrifft – in den Mohag-Hallen reihen sich noch über 300 Neufahrzeuge aneinander –, habe man noch keine Lösung. Stellt sich die Frage, was mit Moto Guzzi und Derbi passiert. Denn die neue Piaggio-Strategie, sämtliche Gruppenprodukte über einen einzigen Kanal zu vertreiben, würde implizieren, dass auch diese Brands zur OFRAG übergehen. Von Guzzi wissen wir, dass die Mohag AG den Importvertrag verlängert hat. Auch die Produkte von Derbi werden beim derzeitigen Importeur, der Frankonia AG (Suzuki), bleiben.

Während die Mohag AG seit Jahren praktisch nur mit Motorrädern arbeitet, hatte die OFRAG in den letzten Jahren ausschliesslich mit Rollern zu tun. OFRAG-Geschäftsführer Hans-Peter Rieder: «Wir sind sehr froh, uns dieser neuen Herausforderung stellen zu können, und sind gerade daran, ein kompetentes Aprilia-Team zusammenzustellen. Erste Neuzugänge konnten wir verzeichnen – mit weiteren Personen sind wir im Gespräch.» Das Aprilia-Händlernetz will die OFRAG übernehmen. Rieder: «Wir haben alle bestehenden Aprilia-Stützpunkte angeschrieben und bereits erste positive Rückmeldungen erhalten.»

Sämtliche laufenden Endkunden-Garantieverträge werden von der OFRAG natürlich übernommen. Ansonsten ist man in Lupfig dran, Platz für den Neuzuwachs zu schaffen. Rieder: «Wir haben ein Hochregal-Ersatzteillager, das ausgebaut wird. Wenn der Händler bei uns Ersatzteile bestellt, wird er diese schon Tags darauf verbauen können.»

Aprilia Shiver 750 GT Aprilia Shiver 750 GT © Aprilia