Grosse Probleme

Harley streicht Stellen

Von Ulf Böhringer
24.02.2009 10:44:50

Der US-Hersteller Harley-Davidson hat sich nach einem miserablen Abschluss des vierten Geschäftsquartals 2008 eine Schrumpfungs-Kur verordnet, 1100 Stellen werden gestrichen.

Der weltweite Absatz der US-Töff war zwischen Oktober und Dezember '08 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um 13,1 Prozent gesunken, der Verkauf in Nordamerika ging sogar um rund 20 Prozent zurück. Das hat zu einem Gewinneinbruch von 58 Prozent im vierten Quartal geführt. Die Folge: Die mittlerweile fast 106 Jahre alte «Company» aus Milwaukee entlässt bis Ende 2010 insgesamt 1100 der zuvor etwa 9700 Mitarbeiter. Für 2009 plant Harley-Davidson die Produktion von 264 000 bis 273 000 Einheiten. Das entspräche einem Rückgang von 10 bis 13 Prozent gegenüber dem Jahr 2008.

Wer die aktuellen Zahlen von Harley-Davidson betrachtet, kann ins Grübeln kommen: Von fast 350 000 produzierten Töff im Jahr 2006 geht es seither ununterbrochen talwärts auf nun etwa 270 000; ein Minus von rund 23 Prozent in nur drei Jahren. Wobei es den Aktienkurs noch viel schlimmer getroffen hat: Vom Höchststand von 72,84 Dollar im Februar 2007 purzelte er auf nur noch 10,07 Dollar direkt nach Veröffentlichung der letzten Quartalsergebnisse. Danach pendelte er sich um 12 Dollar ein. Nach dem Anfang Februar erfolgten Einstieg des Milliardärs Warren Buffett – seine Investmentfirma Berkshire Hathaway kaufte für 300 Millionen Dollar Harley-Anleihen – stieg der Aktienkurs über Nacht um über 15 Prozent auf fast 14 Dollar. Leider nur vorübergehend …

Trotz mancher negativer Aspekte gibt es bei genauer Betrachtung auch einige positive: Zwar reduzierte sich der Gewinn übers Jahr um 30 Prozent, aber er beträgt immer noch rund 655 Millionen Dollar. «Das muss man erst mal hinkriegen», sagt Christoph Haas, bei Harley-Davidson Schweiz fürs Marketing zuständig, stolz.

Die grössten Probleme bereitet Harley-Davidson der heimische US-Markt. Dort gibt es einerseits bereits seit Jahren Anzeichen einer Marktsättigung, andererseits gehen die Absatzzahlen als Folge der US-Finanz- und Wirtschaftskrise bereits seit Anfang 2007 deutlich zurück. Glücklicherweise sind die «international sales», also die Verkäufe ausserhalb der USA, im Lauf des Jahres 2008 sogar noch gestiegen, und zwar auf den Allzeit-Rekordwert von 97 170 Einheiten; 2007 waren es noch 89 080 gewesen, 2006 gar nur 75 984 Stück. «Damit hat sich das kontinuierliche Bemühen von Harley-Davidson, ausserhalb der Landesgrenzen zu wachsen, als richtig erwiesen», freut sich der für den deutschen und österreichischen Markt zuständige Firmensprecher Bernhard Gneithing.

Insbesondere in der Schweiz und Deutschland hat Harley-Davidson auch 2008 eine glänzende Saison verbuchen können: Hierzulande wurden zuletzt 2609 US-Töff immatrikuliert, was den Marktanteil auf bislang unerreichte 13,3 Prozent anwachsen liess. In Deutschland steigerte Harley-Davidson 2008 den Absatz auf 7776 Fahrzeuge ('07: 6437). Weil der Gesamtmarkt um rund 9,5 Prozent zurückging, wuchs der Harley-Marktanteil in Deutschland gleichzeitig auf 7,5 Prozent – ein Rekordwert.

Aussagen über das erwartete Abschneiden in diesem Jahr tätigt Harley-Sprecher Gneithing derzeit nur indirekt: «Die Entwicklung ist aktuell einfach unwägbar. Wir sehen nicht schwarz, tun unser Bestes und hoffen, dass sich unser Einsatz auch 2009 lohnen wird.» In der Schweiz hält man sich mit klaren Prognosen ebenfalls zurück: «Schön wäre es, auf diesem hohen Niveau noch ein moderates Wachstum erreichen zu können. Wir sehen die Entwicklung jedenfalls nicht negativ», so Christoph Haas.