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Parkhaus für Töff

Von Simon Haltiner
03.01.2011 11:07:56

In der Bundeshauptstadt findet sich landesweit das erste Parkhaus, das auch Zweiräder willkommen heisst.

Das gesetzeskonforme Parken eines Motorrads ist keine einfache Sache: Trottoir und Autoparkfelder sind tabu – Motorrad-Abstellplätze dünn gesät. Darum bleibt nur das Parken am Strassenrand. Sofern kein Radstreifen diesen ziert. Sollte man einen Abschnitt ohne einen solchen finden, gilt dort meist ein Park- oder Halteverbot. Als Restmenge bleiben die legalen Stellen, wo aber kein vernünftiger Mensch parkt, weil dort seine Maschine zu Klump gefahren würde. Darum ist es vielerorts wie beispielsweise in Zürich gängige Praxis, auf dem Trottoir stehende Töff nicht zu büssen, sofern sie niemand behindern. Das ist der IG Motorrad zu verdanken, die sich zur Wehr setzte, als 2005 die überbeschäftigten Beamten plötzlich Zeit und Musse fanden, sich der «illegal» geparkten Töff anzunehmen. Davon wurde vernünftigerweise wieder Abstand genommen. Denn Motorradfahrer zu gängeln, das bringt es nicht. Warum? Ihr Mobil beansprucht vernachlässigbar mehr Platz als ein Velo und sorgt dank grossem Einsatzradius für ein Auto weniger in der Stadt. Darum lassen sich sinnvollerweise auch Veloparkfelder mitbenutzen. Ausser in Bern. Denn dort fand unlängst eine sonderbare Unterscheidung zwischen motorisierten und unmotorisierten Zweirädern statt. Woraus der Handlungsbedarf erwuchs, ist unklar. Jedenfalls dürfen wir lärmende Umweltverpester seither nach einem der wenigen gekennzeichneten Töffparkplätze in der Innenstadt suchen.

Umso erfreulicher ist, dass im vergangenen März das Casino-Parkhaus in Bern das landesweit erste Parkdeck für Motorräder eröffnet hat. Bruno Zurlinden, Delegierter des Verwaltungsrates der Betreiberin Belwag AG, bestätigt, «dass der Entscheid, Töffparkplätze aufzuheben, einen grossen Einfluss hatte». Die Stadt Bern – Hauptaktionärin der Autohalle Kasinoplatz AG, der das Parkhaus gehört – war die treibende Kraft hinter dem 700 000-Franken-Projekt. Der freiheitliche und nicht unbedingt vermessene Anspruch, ein Motorrad überall und jederzeit umsonst parken zu können – sofern es nicht stört –, gehört in Bern der Vergangenheit an. Doch das Parkhaus bietet neben dem schalen Beigeschmack des behördlich Erzwungenen auch Vorteile: Schutz vor Wind, Wetter und Vandalismus. Findet zum Beispiel wieder eine Demo statt, muss man seine Maschine nicht zwischen Tränengas und Steinewerfern evakuieren, was dem Schreibenden auch schon passiert ist. Schliessfächer und Waschbecken sind ein Komfortplus, das man angesichts der Gebühr von Fr. 1.– pro  ­Stunde auch erwarten darf. Auf die Frage nach der Auslastung antwortet Zurlinden: «Wir verzeichnen eine stete Zunahme, haben aber noch Potenzial nach oben. Für die kalte Jahreszeit fehlen uns noch Erfahrungswerte.» Für monatlich 90 Franken werden Dauerstellplätze vermietet. Beruhigend hinsichtlich der Rentabilität: Einige Plätze sind von der Eidgenossenschaft fest für ihre Mitarbeitenden im Bundeshaus übernommen worden.

Jetzt bleibt uns nur zu hoffen, dass das Berner Beispiel auch in anderen Schweizer Städten Schule macht. Und wenn es geht, dann bitte gleichzeitig mit Beibehaltung der kombinierten Zweiradparkfelder.

Ungewöhnlich: Motorrad im Parkhaus. Ungewöhnlich: Motorrad im Parkhaus. © Daniela Bill
Anstatt rumtragen: Spinde für Helm und Ausrüstung. Anstatt rumtragen: Spinde für Helm und Ausrüstung. © Daniela Bill
Optimal amortisiert: Die Goldwing füllt das Feld gut aus. Optimal amortisiert: Die Goldwing füllt das Feld gut aus. © Daniela Bill
Flott: Infrastruktur für den kleinen Service. Flott: Infrastruktur für den kleinen Service. © Daniela Bill