Abendliches Augsburg.
Abendliches Augsburg. © Michael Kutschke und Augsburg Tourismus

Bayern

Via Augusta

Von Michael Kutschke
01.05.2013 12:52:57

Augsburg - die vielleicht nördlichste Stadt Italiens.

Die meisten Pässe sind noch zu, den Schwarzwald hat man schon hundert Mal gesehen, den Norden Italiens auch. Warum also nicht einmal die herbeigesehnte Motorrad-Frühjahrstour nützen, um unbekannte Gefilde und Geschichten beim nördlichen Nachbarn zu erkunden? History-up-your-life: Mit Serpentinen en masse wird man bei diesem Tourentipp nicht gerade bombardiert werden. Dennoch ist auch unsere «Via Augusta» nach Augsburg gar nicht etwa langweilig.

Zum Apéro: «Deutsche Alpenstrasse»...
Rund 40 kurvenreiche Kilometer auf der B308, der Deutschen Alpenstrasse ab Lindau am Bodensee, begeistern jeden Töfffahrer. Faszinierend ist der Abwechslungsreichtum, der Rhythmus von satten Alpenwiesen, sanftem Hügelland, urigen Allgäuer Dörfern und den weissen Berggipfeln am Horizont.

Bei Oberstaufen verlassen wir die B308 und begeben uns auf Entdeckungsfahrt nach Isny und an Kempten vorbei Richtung Kaufbeuren. Dort lohnt eine Besichtigung der historischen Stadtmauer. Im Bauzustand des Spätmittelalters ist die Mauer in grossen Teilen bewahrt. Wem das zu viel Kultur ist, dem sei die Indoor-Kartbahn im Industriegebiet empfohlen. «Aber solche gibt es zuhauf», werden Sie nun sagen, und natürlich haben Sie Recht. Diese Anlage jedoch wurde vom Deutschen Motor Sport Bund für das Befahren mit dem Töff abgenommen. Das ermöglicht dem Veranstalter Gerhard Schlausch, dort Supermoto-Trainings für jedermann zu veranstalten. Diese beginnen morgens (Preis € 149, pro Tag, inkl. Motorrad, Infos: www.supermoto-fun.de). Als genialer TÖFF-Hoteltipp empfiehlt sich dann der Brauereigasthof Irsee (www.irsee.com).

Wir verlassen Kaufbeuren nach Osten in Richtung Mauerstetten. Auf engen Strassen geht es durch beschauliche Bauerndörfer, auf denen gemächlich das fürs Allgäu so typische Grossvieh grast. Unsere Strecke wird nun hinter Denklingen immer «platter». Ein paar Kurven heben uns dann aus diesem zu Eiszeiten vom Ur-Lech geformten Talbecken. Über die kleinen Dörfer Waal und Jengen erreichen wir Buchloe, um dann schnurgeradeaus über Schwabmünchen auf Augsburg zu fräsen. Hier suchen wir zentrumsnah ein Hotel (Kasten).

...und Augsburg zum Dessert
Augsburg überrascht die meisten Besucher, die zum ersten Mal in die Stadt am Lech kommen. Augsburg, das ist ein Mix aus Kultur, jeder Menge Geschichte, Atmosphäre, typisch bayerisch und sogar ein bisschen italienisch. Und selbst jene, die wussten, dass Augsburg die drittgrösste Stadt Bayerns und eine der ältesten Deutschlands ist, staunen vor Ort dann doch über die glanzvolle Geschichte, die Fülle der Sehenswürdigkeiten und die Vielzahl prominenter Namen. Wer A wie Augsburg sagt, muss hier auch B wie Berthold Brecht, D wie Rudolf Diesel, F wie Fugger oder M wie Mozart und J wie Jet sagen. Aber die wohl bekanntesten Augsburger dürften die Holzköpfe der Augsburger Puppenkiste sein, die viele von uns durch ihre Kindheit begleitet haben. Es gibt in dieser Stadt also jede Menge zu sehen und zu erleben (siehe Kasten).

Römer, Fugger und das «Tor zu Italien»

Augsburg wurde 15 v. Chr. durch den römischen Kaiser Augustus als «Augusta Vindelicorum» gegründet. Der Ort wurde schnell zu einer bedeutenden Stadt. Die heutige Maximilianstrasse, eine Prachtstrasse der Renaissance, entspricht der römischen Via Claudia Augusta, die nach Verona führte. Noch heute bildet sie die Hauptachse der Altstadt. Augsburgs Verbindung zu Italien blieb auch nach dem Abzug der Römer lebendig. Ab dem 16. Jahrhundert nahm die Lechstadt im deutschen Wirtschaftsleben eine führende Stellung ein. Die schwerreichen Fugger und Welser sowie andere Kaufmannsleute brachten nicht nur Waren, sondern auch die Architektur des Südens und mediterranes Lebensgefühl nach Augsburg. Jakob Fugger der Reiche gilt neben Brecht als der wohl bekannteste Sohn der Stadt. Der kapitalkräftigste Kaufmann des ausgehenden Mittelalters hatte noble Kunden: Päpste, Habsburgerkaiser und englische Könige. Fuggers Schiffe trugen Waren bis nach Indien, Südamerika und Afrika. Der unermessliche Reichtum Fuggers prägte Augsburg, denn er ermöglichte erst die verschwenderische Pracht seiner historischen Gebäude. Aber Fugger hatte auch soziales Verantwortungsgefühl: Er stiftete 1521 die sogenannte Fuggerei, die älteste Sozialbausiedlung der Welt, die übrigens noch immer bewohnt wird.

 

Augsburgs Prominente, Erfindungen und Sehenswürdigkeiten

Jakob Fugger der Reiche: Der Bill Gates des Mittelalters finanzierte Könige. www.fugger.de

Leopold Mozart: Der Vater von W. Amadeus Bertold Brecht: Einer der wichtigsten deutschen Literaten. www.augsburg.de/index.php?id=11188

Die Kiste: Die berühmteste Marionettenbühne des Universums: www.augsburger-puppenkiste.de

Rudolf Diesel: Motor-Erfinder. www.man.eu/de/unternehmen/geschichte/museen/Museen.html

Messerschmitt Düsenjäger: www.luftarchiv.de, Suchwörter «ME 262», «ME 163» und «P 1101»

Must have seen: Fuggerei (älteste Sozialsiedlung der Welt), Augsburger Rathaus, Perlachturm, Brechthaus, Puppentheatermuseum, Bahnpark-Augsburg, MAN-Museum, Wasserwerk, Zeughaus-Biergarten.

Weitere Infos & Hotels: www.augsburg-tourismus.de


Die Via Augusta von TÖFF lockt mit leichtem Kurvenschwung. Die Via Augusta von TÖFF lockt mit leichtem Kurvenschwung. © Michael Kutschke und Augsburg Tourismus
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