Autobahnanschluss für Bergrennstrecken

Transjurane

Von Daniel Riesen
04.09.2017 11:36:14

Autobahnen sind für Töfffahrer eher unsexy. Die unlängst eröffnete Transjurane jedoch ist der schnellste Weg ins Kurvenparadies.

Es klingt wie eine Schnapsidee, eine Autobahn für einen Töff-Touren-Tipp vorzuschlagen. Doch die seit April durchgehend offene Autobahn durch den Jura (Transjurane) ist ein besonderer Fall. Denn die 85 km lange A16 führt, von Boncourt bis Biel oder umgekehrt, durch ein famoses Töffgebiet: An fast jeder der zahlreichen Ausfahrten wartet ein kleines Kurven- und ein grosses Landschaftsparadies. 

Die Transjurane nimmt ihren Anfang gleich an der französischen Grenze bei Boncourt. Durch die liebliche Landschaft der Ajoie sind nur wenige unterwegs, die Verkehrsdichte ist ungefähr so hoch wie auf der A1 in den 1960er-Jahren! Ausfahrt 4 erlaubt den Besuch von Porrentruy, dem Hauptort der Ajoie. 

Ein Dorf weiter, in Courgenay, entstand während des Ersten Weltkriegs eine Legende, welche die Wehrmänner während des Zweiten Weltkriegs beseelte und, dank eines Kinofilms, lange darüber hinaus wirkte: Die Legende von einer Serviertochter, der Gilberte, die gemäss Liedesgut Hunderttausende (!) von Soldaten mit ihrem Lächeln verzückte. Das Restaurant de la Gare heisst inzwischen «Petite Gilberte» – hier sollte man mal eingekehrt sein. Die A16-Auffahrt Nummer 6 liegt gleich hinter dem Dorf, und ein Tunnel später sei Ausfahrt 7 nicht verpasst. Denn die mündet in die Bergrennstrecke St-Ursanne – Les Rangiers. Alljährlich pfeifen hier vierrädrige Boliden auf der Jagd nach der Bestzeit (1:43.11) hoch. 

Knapp unterhalb der Passhöhe Les Rangiers geht’s rechts weg Richtung La Caquerelle. Hier befindet sich jeweils das Ziel des Motorrad-Bergrennens Les Rangiers. Also geht’s runter wie es hoch ging: auf einer Bergrennstrecke! Allerdings: die Autos haben an Les Rangiers eindeutig die spannendere Piste – warum auch immer … Unten in Glovelier geht es vorerst wieder auf die Autobahn. Weitere «Ausflüge» auf die ­Landstrasse aber lohnen, beispielsweise für die Gorges de Moutier oder den kleinen Col de Pierre Pertuis. Wenn’s aber pressiert und zu Hause schon das Nachtessen im Ofen ­schmort, ist man dank A16 flugs in Biel.