Kurvenreiches Süddeutschland.
Kurvenreiches Süddeutschland. © Michael Kutschke

Von Moskau nach St. Moritz

Süddeutschland

Von Michael Kutschke
02.10.2017 17:24:15

Von Moskau nach St. Moritz in nur einem Tag? Ein durchgeknallter Tourentipp für alle Freunde gepflegter Landstrassen und Stammtischwetten.

Es gibt sie wohl auf der ganzen Welt: Die Namensvettern zwischen bekannten Metropolen oder Ferienorten und Dörfern, Weilern, Provinznestern und Flecken. Oder haben Sie etwa gewusst, dass es bei Ramsen (ZH) ein Moskau gibt? Und in Deutschland ein St. Moritz (N 48.45974°; E 10.01446°)? Auch ein "Upflamör" ist mit von der Partie. Der Ortsname klingt Schwedisch, ist er auch, aber der Flecken liegt nicht im hohen Norden, sondern in der Nähe der Stadt Zwiefalten mit ihrem weithin sichtbaren Münster.

Womit wir schon bei den Sightseeing- Highlights dieser Tour wären. Und die geben sich zunächst wenig mondän: Wir nähern uns dem Startpunkt der Tour von Süden. Fährt man von Stein am Rhein Richtung Rielasingen (D), passiert man automatisch Moskau. Visumfrei natürlich. Moskau: eine gesichtslose Kantonsstrasse, Tankstellen, einige ältere Wohnhäuser, eine Migros. Hier gibt es eigentlich nichts Besonderes zu sehen. Bis auf das Ortsschild "Moskau", welches von einem pfiffigen Geschäftsmann aufgestellt wurde.

Aber auch der Zielpunkt unserer Reise, "St. Moritz" an der deutschen A8 bei Ulm, hat rein gar nichts zu bieten. Ausser vielleicht Rüebli für die Z'Nüni-Dose. Doch zurück nach Moskau: Wer hier weitere Namenskuriositäten sucht, wird schnell fündig, denn neben dem Weiler Moskau gibt es auch die Flurnamen Petersburg und am Waldrand zum Rauhenberg "Chlii Amerika".

Los gehts: Wir verlassen Moskau Richtung Hegauberge bei der Stadt Engen. Diese sind Botschafter eines milden Klimas und schöner Kurvenstrecken. Nicht ohne Grund findet sich hier der bekannteste Töfftreff der Region (www.hegaublick.de).

Bei Immendingen erreichen wir die Donau, welcher wir bis auf kleine Abstecher zu kurvenreichen Landstrassen-Leckerlis nach Sigmaringen folgen werden. Meistens ist unsere Routenwahl so gehalten, dass sie grössere Ansiedlungen umgeht, das hat einen gewissen Zickzackkurs zur Folge, welcher aber ein echter Gewinn ist, wenn der Weg das Ziel ist.

Tuttlingen und Sigmaringen müssen jedoch durchquert werden. Was im zweiten Fall auch lohnt. Die Stadt hat eine Menge zu bieten. Wussten Sie übrigens, dass Sigmaringen einen gebürtigen Schweizer zum Bürgermeister hat?

Rüebli-Anbau statt WEF in St. Moritz

Vom Donautal hangeln wir uns über schöne Nebenstrecken Richtung Lauter-, Schmiech- und Blautal. Zwischen Bergspitzen, Ruinen und Höhenzügen bieten sich anhaltende Schräglagen durch weite Kurven in den Flusstälern und auf den Hochebenen, die so lang gezogen sind, dass der Ausgang vom Eingang her nicht zu sehen ist. Enge Serpentinen dagegen warten auf den Alb-Steigen (z.B. bei Beuron). Im Wechsel mit den entspannenden Schwüngen auf den Hochebenen sorgen diese für wohliges Kribbeln und Spannung. Man wird beim Fahren auch sonst hervorragend unterhalten. Jede Menge Burgruinen, wehrhafte Gemäuer und Klöster ziehen vorbei. Auch Höhlen bietet die Alb in grosser Zahl (Tipp: Wimsener Höhle, Blautopf).

Am Ziel in St. Moritz dagegen kommen nur noch Selfie-Süchtige vor dem Ortsschild auf ihre Kosten … oder Gemüsefreaks: In grossen Gewächshäusern und auf weitläufigen Freilandflächen findet hier Zierpflanzen- und Gemüseanbau statt.

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Hier gehts zum Routen-Download fürs GPS:

GPS-Track zur Tagestour Wetten Dass - Ausgabe 08-2017.