Silva Nigra II

Schwarzwald die 2te

Von Von Heinz E. Studt (Text und Fotos)
28.05.2012 15:35:26

Der letzte Teil des Spezials liegt im Norden des Mittelgebirges.

Tour 1: Breisgau intensiv

Im Südwesten Baden-Württembergs sozusagen vor den nördlichen Toren Basels liegt eine der sonnenverwöhntesten Regionen Deutschlands. Deren landschaftliche Palette reicht von horizontweiten Weinbergen bis zu Obstbaumplantagen, von sanft geschwungenen Hügeln bis zu den schattigen, dicht bewaldeten Höhen des Schwarzwaldes.Gevatter Rhein begleitet uns auch im ersten Teil dieser tagesfüllenden Runde. Wir halten uns immer am Ostrand seines gewaltigen Tales und pendeln auf halber Höhe über Efringen und Holzen nach Müllheim, genießen exzessiven Kurvenschwung kombiniert mit prächtigen Ausblicken. Kein Stau, kein Berufsverkehr, ja nicht einmal rote Ampeln zwingen zum Griff in die Eisen, unser Gleichgewichtssinn jubiliert im Takt herrlicher Rechts-Links-Kombis.Vom Rand des südlichen Schwarzwaldes, eingebettet in die Weinberge des Markgräflerlandes, blickt die Fauststadt Staufen im Breisgau über das Rheintal bis zu den Vogesen. Gönnen auch Sie sich dort unbedingt eine Pause und genießen sie vielleicht sogar ein ganz besonderes Spektakel: die „Mephisto Tour“ – ein Stadtrundgang mit dem sympathischen Teufel durch die verwinkelten Gassen, Geschichten und Geheimnissen von Staufen: ein Erlebnis für alle Sinne!So wie Freiburg, die viertgrößte Stadt Baden-Württembergs. Auch sie hat viel zu bieten, parken Sie das Bike einfach am Rand der Altstadt und schlendern Sie eine Runde durch das Zentrum. Der Schauinsland südlich von Freiburg wurde in früheren Zeiten wegen des Silberbergbaus auch „Erzkasten“ genannt. Mit einer Länge von fast 100 Kilometern, verteilt auf 22 Sohlen war es das größte Silberbergwerk des Schwarzwaldes und der Vogesen. Erst 1954 wurde der Bergbau wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt, heute ist der Freiburger Hausberg mit seinen 1.285 m Höhe ein beliebtes Ausflugsziel mit herrlich kurvenreichen Pisten. Aber Achtung: Die Bergstrecke ist an Wochenenden und Feiertagen für Biker gesperrt.Südlich von Badenweiler erwartet uns dann noch ein prächtiger Aussichtsberg: der Hochblauen: Auf seinem gut 1.165 m hohen Gipfel befindet sich das Berghaus Hochblauen mit Übernachtungsmöglichkeit sowie ein 21 m hoher Aussichtsturm, von dessen Plattform aus man an klaren Tagen bis zu den Vogesen, dem Jura und den Alpen schauen kann. Und das sogar ohne Eintrittsgeld.

Tour 2: Blick ins Land

Breisgau und Südschwarzwald präsentieren sich uns auf dieser Tour erneut von ihrer schönsten Seite. Über Steinen, Schopfheim und Wehr düsen wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft fernab von Hektik und Stress in die „Trompeterstadt“ Bad Säckingen und können bereits jetzt nach wenigen Kilometern nachvollziehen, warum gerade der Schwarzwald eine der beliebtesten Motorradregionen Deutschlands ist. Wir folgen dem Rhein flussaufwärts nach Albbruck, über Sankt Blasien erreichen wir Todtmoos, eines der touristischen Zentren des Südschwarzwaldes. Fern am Horizont erhebt sich derweil schon der Belchen, der mit 1.415 m zweithöchste Berg des Schwarzwaldes, von dessen Gipfel zumindest Adleraugen an schönen Tagen sogar den Mont-Blanc erkennen können.Über Schönau und Münstertal umfahren wir die Südflanke des Belchen, suchen uns an jedem Abzweig einfach den schönsten Ausblick für das Vorankommen. Grobe Richtung lautet Freiburg im Breisgau. Die viertgrößte Stadt Baden-Württembergs ist weithin bekannt – wird sie doch von allen Wetterfröschen des TV gerne als Beispiel für die wärmste Ecke Deutschlands gezeigt. Und sollten Sie auf dem Weg dorthin dem Freiburger Hausberg Schauinsland noch keinen Besuch abgestattet haben, keine Sorge auf Tour 4 kommen wir hier nochmals vorbei. Nach einem langen Blick ins Glottertal - erinnern Sie sich? Stichwort: Ärztesoap Schwarzwaldklinik! - erreichen wir Waldkirch, berühmt für seine Edelsteinschleifereien sowie den Bau von Dreh- und Jahrmarktsorgeln. Das Elztalmuseum in Waldkirch zeigt über 200 Jahre Orgelbau-Geschichte sowie die faszinierende Welt der mechanischen Musikinstrumente. Als Wahrzeichen thront die Burgruine Kastelburg hoch über der Stadt. Zur Ruine führt der Ritterweg mit mannshohen Ritterstatuen.

Tour 3: Ab in den Norden

Heute geht es durch die dichten Wälder des Nordschwarzwaldes am Ostrand der gewaltigen Rheinebene entlang gen Norden. Wir gönnen uns auf der legendären Schwarzwaldhochstraße einen ordentlichen Schluck aus dem mitgeführten Drehmomentreservoir und pendeln bis in den Speckgürtel der Goldschmiede Pforzheim. Das ist Abwechslung pur.Über Zell am Harmersbach huschen wir nach Oberharmersbach am 934 m hohen Brandenkopf, von dessen Aussichtsturm wir einen herrlichen Rundblick genießen können. Der bildhübsche Luftkurort Oppenau bietet uns erste Argumente für einen koffeinhaltigen Boxenstopp, dann erreichen wir die legendäre Schwarzwaldhöhenstraße (offizielle Bezeichnung B500). Am auch heute noch geheimnisvollen Mummelsee riskieren wir einen raschen Rundumblick auf der Suche nach hier hausenden bildhübschen Nixen und schwingen dann weiter gen Norden, alternativ und zügig via Schwarzwaldhochstraße / B500 bis nach Baden-Baden, oder aber höchst kurvenreich über die idyllische Schwarzenbach-Talsperre und Forbach bis in den Dunstkreis der weithin bekannten Glücksspielstadt..   

Tour 4: Dorthin wo alles begann

Eine Handvoll touristischer Perlen des Schwarzwaldes gilt es noch zu entdecken: Freudenstadt zum Beispiel oder auch den Titisee. Oder den Schauinsland bei Freiburg, falls Sie diesen Berg auf Tour 1 und 2 noch nicht erklommen haben sollten. Über Nagold geht es frühmorgens zum ersten kurzen Boxenstopp an der zwischen 1965 und 1970 erbauten gewaltigen Nagoldtalsperre. Ihre malerische Lage inmitten eines 650 ha großen Landschaftsschutzgebietes macht sie zu einem der beliebtesten Naherholungsgebiete der Region. Und der Bikertreff „Seeheiner’s Biergarten“ ist an Sommerwochenenden von früh bis spät fest in unserer Hand.1599 erteilte Herzog Friedrich von Württemberg den Befehl, eine „Planstadt der Renaissance“ nach geometrischem Vorbild eines Mühlespiels zu bauen. 1601 wurde der Grundstein von Freudenstadt gelegt und gleichwohl die Stadt in einem großen Brand von 1632 zur Hälfte vernichtet wurde, ist das heutige Freudenstadt immer noch eine der Perlen des Nordschwarzwalds. Prädestiniert für einen ausgiebigen Boxenstopp mitten im weitläufigen historischen Zentrum.Am Westrand des Neckartales führt unser weiterer Weg sukzessive gen Süden, über Dornhan und Schiltach geht es durch eine Landschaft reich gesegnet mit historischen Mühlen und Bauwerken nach Triberg, dem Nabel des Kuckucksuhren-Imperiums. Im Zentrum des Ortes kann man sie nahezu haushoch erleben und in allen erdenklichen Größen käuflich erwerben. Ach ja: Und Deutschlands höchsten Wasserfall besichtigen, auslaufend mitten im Ort. Dass ein Blick auf dieses Naturschauspiel 2 Euro kostet – Schwamm drüber, dafür werden die Fälle abends auch beleuchtet.Das Highlight von Titisee-Neustadt gibt es noch kostenlos zu sehen: den malerischen Titisee, den wohl bekanntesten See des Schwarzwaldes. Seinen Namen soll er vom römischen Feldherrn Titus bekommen haben, der einstmals hier lagerte. Ihm soll der See derart gut gefallen haben, dass er ihm kurzerhand seinen Namen gab. Welch eitler römischer Fratz! Nach einem Blick auf den vergleichsweise beschaulichen naheliegenden Schluchsee müssen wir natürlich auch dem bekanntesten Berg des Schwarzwaldes unsere Aufwartung machen - dem Feldberg: Okay, er ist nicht besonders hübsch, seine Pisten sind auch nicht besonders anspruchsvoll und oben am Gipfel erwartet uns vergleichsweise wenig. Dennoch: Er ist die höchste Erhebung aller deutschen Mittelgebirge und herrliche Rundumblicke hat man von seinem Gipfel natürlich auch.Über die gut ausgebaute B317 wedeln wir zu guter Letzt zügig heimwärts Richtung Lörrach. Oder wenn Sie mögen über die umliegenden Landstraßen, die allesamt nochmals eine satte Portion Schräglage für uns bereithalten. Und spätestens jetzt wissen Sie, warum der Schwarzwald von Frühling bis Spätherbst ein echtes Bikerparadies ist!

Der sagenumwobene Mummelsee  

Nixen, Zwerge, ja sogar ein König sollen einstmalsim Mummelsee gewohnt haben, heisst es in altenLegenden. Und bei Vollmond sollen jene Nixen auchheute noch zum Deckerhof nach Seebach kommen,um dort zu stricken, zu spinnen, Lieder zu singen undGedichte zu erzählen. Direkt an der Schwarzwaldhochstrasseam Fuss der 1164 m hohen Hornisgrindeist jener sagenumwobene Mummelsee, der nichts anMagie verloren hat. Ganz speziell auch für Biker, diesich sowohl im Mummelsee-Restaurant als auch amImbissstand zuhauf treffen. Und mit ein wenig Glückbegegnen wir auch dem Mummelsee-König höchstpersönlich.Oder seinen bildhübschen, inzwischensoziatauglichen Nixentöchtern beim Dorfabend inSeebach. Weitere Infos unter www.mummelsee.de.

Schwarzwald-Hochstraße

Erbaut zwischen 1928 und 1930 sollte die älteste Ferienstraße Deutschlands die Gebiete zwischen Freudenstadt und Baden-Baden für den Verkehr erschließen. Weitläufige Abholzungen nach dem 2. Weltkrieg bescherten der Höhenstraße indirekt auch wunderschöne Aussichtspunkte mit Blick auf die Rheinebene und die nahen Vogesen, die allerdings im Laufe der Jahrzehnte wieder zuwuchsen und die Attraktivität der Höhenstraße deutlich reduzierten. Doch „Lothar“, ein verheerender Sturm vernichtete am 2. Weihnachtsfeiertag 1999 viele Hunderttausend Festmeter Baumbestand. So schlimm dies für die Waldbesitzer war, so segensreich war das Naturereignis für die Panoramastraße, die nun in ihren hoch gelegenen Abschnitten gänzlich neue, „natürlich“ Aussichtspunkte besaß.Und jetzt aufgepasst: Wir sind am Nordrand unseres Tourenthemas angekommen, über Schömberg, Bad Liebenzell und Wildberg suchen wir uns unseren Weg zurück in den Schwarzwald und nach Altensteig, unserem heutigen Etappenziel. Die sogenannte „Portalgemeinde“ des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord begeistert jeden Gast mit einer Vielzahl an historischen Sehenswürdigkeiten, wie dem Altensteiger Schloss oder auch der Wirtschaft „Bäck-Schwarz“ aus dem Jahr 1459, einem der ältesten Häuser in der sehenswerten Altstadt. Da gibt es auch am Ende eines langen Tourentages abseits des Mopedsattels noch viel zu entdeckent.

Lust auf Ritterspiele?

Mitten im historischen Kern des Ortes Waldkirch wird alle drei Jahre die Zeit der Ritter und Burgfräulein wieder lebendig. Immer dann, wenn die Waldkircher Bürger Mitte Juli ihr historisches Marktplatzfest feiern. Mit lautstarkem Landsknechtlager, mit Fechtgruppen, Bogenschützen und einem historischen Handwerkermarkt, mit Spielleuten, Gauklern, Feuerspuckern, Fanfarenzügen und großartigen Fahnenwerfern entsteht immerhin das größte Mittelalterfest Südbadens. Ein sehens- und erlebenswertes Großereignis für alle unsere Sinne. Aber auch außerhalb dieser Zeitreise bietet die historische Altstadt Waldkirchs mannigfaltige Gründe für einen Boxenstopp.Am Spätnachmittag nähern wir uns der Kinzig, dem mit 95 km längsten aller Rheinzuflüsse des Schwarzwaldes, der mit seinen Nebenarmen das größte Talsystem des gesamten Schwarzwaldes geschaffen hat. Bereits die Römer bauten eine Straße durch das wichtige Tal, dessen Geschichte – vor allem die der Flößerei – auch heute noch allerorten lebendig gehalten wird. In Haslach im Herzen des Kinzigtales suchen wir uns eine Unterkunft, morgen geht es weiter in den Norden des Schwarzwaldes. Da heißt es, ausgeruht und gut gestärkt zu sein.

Calw - Der Ort ist bekannt für sein historisches Fachwerkambiente Calw - Der Ort ist bekannt für sein historisches Fachwerkambiente
Altensteig: Die Stadt birgt wunderschöne historische Gebäude und tolle Sehenswürdigkeiten. Altensteig: Die Stadt birgt wunderschöne historische Gebäude und tolle Sehenswürdigkeiten.
Abseits der Hauptrouten kann man prima dem Alltagsstress entfliehen. Abseits der Hauptrouten kann man prima dem Alltagsstress entfliehen.
Mummelsee: Badi, Kaffeeterrasse, Tretboot und Töffspass, bis der Arzt kommt. Mummelsee: Badi, Kaffeeterrasse, Tretboot und Töffspass, bis der Arzt kommt.