Bregenzerwald

Nachbars Garten

Von Michael Kutschke
16.08.2012 15:44:33

Vorarlberg und Bregenzerwald: Kurven und Kultur.

Im äussersten Westen Österreichs, im Bundesland Vorarlberg, liegt der Bregenzerwald. Ganz in der Nähe des Bodensees, in Nachbarschaft zu Deutschland, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Die milde Alpenregion zwischen Arlberg und Bodensee mit Höhen um 700 bis 1000 Meter bietet Mittelgebirgslandschaften, die durch ihre Ursprünglichkeit und einsamen Strässchen bestechen. Südlich von Damüls dagegen werden die Berge höher und die Orte mondäner.

Der Startpunkt dieser Vorarlberg-Rundtour ist St Gallen mit seiner sehenswerten barocken Stiftskirche. Wir schwingen zügig über die Grenze nach Österreich, denn bei gleichermassen klangvollen Namen wie Hochtannbergpass, Bödele oder Flexenpass läuft jedem Kurvengourmet das Wasser im Mund zusammen. In Feldkirch - dem Schatzkästchen mit verwinkelten Gassen, mittelalterlichen Befestigungsanlagen und einem Barockschloss hoch über der Altstadt, lohnt sich ein erster Halt. Im Nachbarort Rankweil folgt man den Wegweisern zum Furkajoch.

Die Passage durch das Laternsertal über den 1769 Meter hohen Pass ist wohl eine der schmalsten und wunderbarsten Strassen des Bregenzerwaldes: Hinter der Ortschaft Laterns wird sie so eng, dass ein Auto kaum an einem Töff vorbeikommt. Moderate Fahrweise ist also angesagt, auch weil der Pass in Töffkreisen sehr beliebt ist, was an schönen Tagen zu einem erhöhten Aufkommen von «Zweirädlern» führt. Auf der Passhöhe lohnt sich ein ausgiebiger Blick in die Nachbarländer: Im Westen breitet sich eindrucksvoll die Schweiz vor uns aus, und im Osten sehen wir hinüber in den grossen Kanton, genauer, zu den Allgäuer Alpen. Ein wirklich imposantes Panorama.

Ein Abstecher hinüber ins Allgäu lockt. Doch zunächst geht es in Damüls rechts ab Richtung grosses Walsertal (Zusatztour Lech Warth). Weiter gehts über die weniger schönen Winterskiorte Faschina und Fontanella in das Dörfchen Sonntag. Hier lohnt sich ein Umweg auf die Metzgertobelalpe. Die Bergstrecke ist landschaftlich und fahrtechnisch ein Genuss.

Mondäne Schiorte und tolle Kurven
Derart gestärkt, übersteht man dann auch die 22 eher öden Kilometer über Nüziders ins Klostertal und dann hinauf zum Flexenpass. Die Kurven der Flexenstrasse und weiter nach Warth sind dann aber ein wahrer Leckerbissen und ein Muss für alle Biker. So kann es jeweils an schönen Wochenenden durchaus vorkommen, dass man in den Cafés und Restaurants in Warth etwas lauter reden muss, um die vielstimmige Viertakt-Hintergrundmelodie zu übertönen. Von Warth aus liegt der Hochtannbergpass praktisch vor der Tür.

Die Strasse ist eine der jüngeren unter den ansonsten recht alten Alpenpässen. Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem Bau begonnen. Auch hier ist oft mächtig was los, da die Stras-se leicht zu befahren und somit bei allen Töfflern sehr beliebt ist. Auf der herrlich geschwungenen Strecke nach Au reiht sich eine Käserei an die andere. Das prickelnde Auf-und-ab-Gesause findet ab Au nun wieder auf der Hauptroute im Bregenzerwald seine Fortsetzung. Zwar wird man im Verlauf der weiteren Strecke von Bezau nach Sulzberg und der zweiten GPS-Zusatztour hinüber ins deutsche Allgäu nicht mehr so viele Höhenmeter sammeln, jedoch tut des dem Töffvergnügen keinen Abbruch, sind doch in diesem Gebiet die Stras-sen teilweise deutlich weniger frequentiert.

Zum Abschluss wartet noch ein echtes Highlight: Die Pfänderstrasse bei Bregenz. Oben angelangt, wartet nicht nur ein fantastischer Blick über den Bodensee (Kasten) und in die uns wohl bekannten weissen Gipfel der Appenzeller und Glarner Alpen.

Bregenzerwald: Viel mehr als nur Kurvenspass

Käsereistrasse: Mit Laib und Seele
Geisskäsle, Rohmilchemmentaler, Rasskäse, Bier-käse, Bregenzerwald-Alpkäse - auch wenn sehr guter Käse für uns Schweizer etwas ganz Normales ist: Vorarlberg und das deutsche Allgäu bieten uns we-niger bekannte Spezialitäten mit Käsesuppe, Käs-knöpfle, Käseknödel und viele mehr. Zahlreiche Wirte -Vorarlbergs haben sich der Aktion «Käsestrasse Bregenzerwald» angeschlossen und bieten entsprechende Gerichte an (www.kaesestrasse.at).

Ein paar Tipps für Käse-Gourmets: Gasthof «Schiff» und Gasthof «Krone» in Hittisau, Gasthof «Adler» in Schnepfau, Gasthof «Gams» und Gasthof «Sonne» in Bezau, Gasthaus «Holand» in Au (Fahrverbot, die letzten 200 Meter geht’s zu Fuss).
TÖFF-Übernachtungstipp: Damülser Hof, A-6884 Damüls, Tel. +43 5510 210 0, www.damuelserhof.at

Nervenkitzel und Adrenalin satt
Wem Käse nichts sagt und die Kurven des Bregenzerwaldes nicht genug Adrenalin verschaffen, der kann von Canyoning bis Rafting alles haben, was den Puls beschleunigt: Rafting-Vorarlberg, Kontakt, Lutz Schmelzinger, Neugut 43, A-6882 Schnepfau,
www.outdoorinput.com. Die längste Sommerrodelbahn der Welt in Bizau ist von Mitte Juni bis Mitte Oktober jeden Tag von 9 bis 17 Uhr in Betrieb,
www.hirschberg.at/rodelbah.htm

Bregenz: Das Mehr am See
Zur einen Seite der Bodensee, zur anderen der Pfänder - Bregenz: 2000 Jahre ist die Landeshauptstadt Vorarlbergs alt, einst von Brigantiern und Römern besiedelt. Der mittelalterliche Kern mit dem barocken Martinsturm thront noch heute über der Stadt, die auch mit moderner Architektur von sich reden macht. Die international bekannten Bregenzer Festspiele mit der grössten Seebühne der Welt (Programm unter www.bregenzerfestspiele.com), das Kunsthaus Bregenz (www.kunsthaus-bregenz.at) sowie zahlreiche Theater und Galerien haben dafür gesorgt, dass Bregenz als Kulturhauptstadt der Bodenseeregion gilt.

Pausentipps
Die Louis Filiale in Lochau, Lindauer Strasse 31, unmittelbar an der Grenze nach Deutschland, bietet alles, was das Bikerherz zu kaufen begehrt, samt Ruhezone mit Sitzgelegenheiten und Kaffee-auto-mat. Wers «chilliger» mag, dem sei ein Boxenstopp mit Karibikflair empfohlen: Die Beachbar ist tagsüber Strandbar, abends Szene-Treff und Lifestyle-Location. Feiner Sand, Palmen und südliches Flair laden zum Verweilen ein (www.beachbar-bregenz.com).

Pfänder: Nicht nur wegen des Überblicks
Der Pfänder (1064 m) mit seiner einzigartigen Aussicht auf den Bodensee und 240 Alpengipfel ist nicht nur der berühmteste Aussichtspunkt der Region. In einer rund 40-minütigen Vorführung lassen sich in der Adlerwarte auf dem Hausberg von Bregenz frei fliegende Greifvögel hautnah beobachten. Die Lebensgewohnheiten dieser teilweise bedrohten Tiere werden dabei ausführlich erläutert (www.pfaender.at).