Ratgeber

Tuning und Papiere

Von Daniele Carrozza
15.09.2011 11:21:09

Wer sein Bike optisch oder technisch veredeln will, sollte die Rechtslage kennen. Eine Einführung mit konkreten Beispielen.

Tuning ist ein weiter Begriff und umfasst  vom aufgeklebten Felgen-Zierstreifen als leichte optische Retusche bis hin zum Komplettumbau mit von Hand geschweisstem Rahmen, Hubraumerweiterung und Lachgas-Einspritzung ein breites Spektrum an Optimierungsarbeiten am Motorrad. Naheliegend, dass man bei gewissen Eingriffen mit dem Gesetzeshüter nicht und bei anderen «Updates» mehr beziehungsweise arg in Konflikt gerät. Wir wollen uns in diesem Beitrag auf Erstere, also auf die legalen Veredelungsprozesse, konzentrieren und Licht in den nicht für jedermann leicht verständlichen behördlichen Teil, die Zulassung von Tuningteilen, bringen.

Wie es um ein Fahrzeug bestellt sein muss, damit es hierzulande überhaupt auf die Strasse darf, wird in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) geregelt. Für Tuner ist insbesondere Artikel 34, «Ausserordentliche Prüfungspflicht», wichtig. Hier heisst es, dass der Fahrzeughalter verpflichtet sei, der Zulassungsbehörde – also dem Strassenverkehrsamt – Änderungen an seinem Fahrzeug vor der Weiterverwendung zu zeigen. Doch ab wann spricht man von einer Änderung? Denn im Prinzip kann schon ein Reifenwechsel als Änderung interpretiert werden. Selbstverständlich folgt dem Ersetzen von Verschleissteilen wie Bremsbelägen, Antriebskette oder eben Reifen keine Fahrt ins Strassenverkehrsamt, sofern die Teile dem Original respektive den im Typenschein aufgeführten Dimensionen und Beschaffenheiten entsprechen.

Was effektiv als Änderung verstanden wird, ist in der von der Vereinigung der Strassenverkehrsämter erlassenen Richtline 2b, «Abändern und Umbauen von Motorrädern», festgehalten. Das Dokument – 2012 soll eine tiefgreifend überarbeitete Version erscheinen – kann unter www.asa.ch für 12 Franken heruntergeladen werden, ist als Übersetzung der Gesetzestexte in die technische Praxis zu verstehen und gibt Aufschluss darüber, ob und wie man bei welcher Intervention bezüglich Zulassung vorzugehen hat. Das Beschaffen dieser Richtlinie macht jedoch nur dann wirklich Sinn, wenn man ein grösseres Um- oder Aufbauprojekt plant. In den meisten Fällen sollte der Händler Bescheid wissen. Im Zweifelsfall kann man sich mit einer konkreten Anfrage auch telefonisch an den technischen Dienst des örtlichen Strassenverkehrsamts wenden (sofern Hotline vorhanden).

Zulassung von A bis Z

Die jeweilige Zulassung der Eingriffe richtet sich nach Art der am Töff vorgenommenen Änderung. Dabei wird unterschieden zwischen nicht melde- und prüfungspflichtigen Änderungen (A), melde- und prüfungspflichtigen Änderungen (B) und bewilligungs- und prüfungspflichtigen Änderungen (C). Letztere betreffen in den meisten Fällen wirklich tiefgreifende Eingriffe ins Fahrzeug (z. B. einen selbstkonstruierten Rahmen oder das Verbauen der Schwinge von Bike A in Bike B). Entsprechend konzentrieren wir uns auf die Fälle A und B.

Wird eine Komponente verbaut, muss zunächst ihre Qualität garantiert sein – und hier kommen die Prüfzeichen ins Spiel. Tipp: Verbauen Sie ausschliesslich Teile mit einem E- oder ECE-Prüfzeichen (siehe grosses Bild), denn bis auf wenige Ausnahmen sind nur diese nach einer international gültigen und anerkannten Konvention geprüften Teile in der Schweiz zugelassen.

Zurück zu den Fällen A und B. Als nicht melde- und prüfungspflichtige Änderungen gelten in der Regel einfache Eingriffe, die technisch irrelevant sind, etwa das Ersetzen der Handgriffe, der Rückspiegel, der Windschutzscheibe oder der Fussrasten. Auch Lenkungsdämpfer sind so weit bedenkenlos (Erläuterungen und weitere Beispiele im Kasten rechts). Bei melde- und prüfungspflichtigen Änderungen (B) handelt es sich um Anpassungen, die in irgendeiner Form die technische Basis oder die Bedienbarkeit des Fahrzeugs beeinflussen und vom Strassenverkehrsamt entsprechend geprüft und im Fahrzeugausweis eingetragen werden müssen. Ausgenommen sind auf dem Typenschein aufgeführte Varianten. So ist zum Beispiel die neue Original­zubehör-Auspuffanlage von Arrow an unserer Dauertest-Triumph (siehe S. 84) im Typenschein des Fahrzeugs eingetragen. Wir müssen also weder eine Eignungserklärung mitführen noch einen Eintrag machen lassen. Apropos Eignungserklärung: Damit bestätigt der entsprechende Zubehör-Hersteller oder -Importeur, dass ein konkretes Bauteil exakt auf ein bestimmtes Modell passt. Nun hört man immer wieder, dass das Mitführen einer Eignungserklärung reiche. Dem ist nicht so. Das Fahrzeug muss im Strassenverkehrsamt begutachtet werden, wobei je nach Kanton die nun mitzuführende Eignungserklärung unterschrieben und abgestempelt bzw. die Änderung im Fahrzeugausweis eingetragen wird. Die Gebühren für den Eintrag variieren von Kanton zu Kanton.

Zurück zu Fall B: Als melde- und prüfungspflichtige Änderung gilt beispielsweise das Anbringen von Stahlflexleitungen, das Ersetzen der Bremszangen und -scheiben oder das Verbauen einer anderen Gabel (Erläuterungen und weitere Beispiele im Kasten rechts).

Folgendes muss man für eine Zulassung tun: Halten Sie den Fahrzeugausweis bereit und rufen Sie beim Strassenverkehrsamt an. Vereinbaren Sie einen Prüftermin und benennen Sie ausführlich die am Bike vorgenommenen Änderungen. Grundsätzlich gilt: Je mehr geändert wird, desto länger und teurer wird die Prüfung. Falls Sie dazu keine Lust haben, wird ihr Händler, der in den meisten Fällen das Tuning vorgenommen haben dürfte, die Prüfung des Bikes gerne übernehmen.

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