Ratgeber Anprobieren
Ratgeber Anprobieren © Simon Haltiner

Das passt

Ratgeber Anprobieren

Von Simon Haltiner
25.08.2011 09:10:51

Sind Sie ausgerüstet für die Saison? Hier einige wertvolle Tipps für den erfolgreichen Kauf.

Jedes Jahr dasselbe: Die Hosen sitzen enger als vor den Feiertagen, und der Jacken-Reissverschluss erfordert mehr Kraftaufwand beim Schliessen. Daraus ergibt sich noch lange kein Handlungsbedarf, denn schliesslich verrichtet die bald zehnjährige Gore-Plane noch zuverlässig ihren Dienst.

So denkt man, bis man seinen Kumpel in einer neuen Jacke sieht. Chic! Wie schaffen es diese Hersteller bloss, dass ihre Klamotten jedes Jahr besser aussehen? Auf jeden Fall will man jetzt plötzlich auch eine neue Jacke, die noch besser ausschaut.

Vor Ort auf Herz und Nieren prüfen

«Ob Helm, Hose oder Schuh: Es lohnt sich, mit der eigenen Ausrüstung zum Shop zu fahren. Nur so kann man vor dem Kauf prüfen, ob das neue Produkt mit dem Rest harmoniert», weiss Renate Birkhahn von Motoport. Am besten setzt man sich auch auf den eigenen Töff. Kneift es irgendwo? Bei ernsthaftem Kaufinteresse erlaubt der Verkäufer bestimmt eine kurze Probefahrt. Besonders wichtig ist dies beim Helmkauf.

Gute Beratung ist Gold wert

Dilemma: Man hat zwei Objekte vor sich. Das eine wäre eigentlich optimal, und das andere schaut einfach nur sensationell aus. Genau jetzt hilft die geschulte Bedienung, die richtige Entscheidung zu treffen, damit die Freude länger anhält als bis zur ersten Tour. Auch was die Grösse und Passform betrifft, ist man manchmal erstaunt, was die Bedienung empfiehlt. Leder soll knapp sein und weitet sich aus. Genau das tun aber auch die Füsse in den Boots, wenn man lange fährt. Legen Sie Wert auf eine persönliche Beratung und nehmen Sie sich Zeit. Denn nur eine optimale Ausrüstung bietet maximalen Schutz und Wohlbefinden. Und Letzteres ist entscheidend für Ausdauer und Konzentration, was wiederum wichtig für die Sicherheit ist.

Die Jacke

Fahren Sie Touren oder Kurzstrecke, sportlich oder bequem? Nur im Sommer oder auch während Übergangszeiten? So reduziert sich die Auswahl. Welche Unterbekleidung tragen Sie? Kaufen Sie keine zu weite Jacke, sonst können Protektoren verrutschen. Passen Handschuhe in die Ärmel (Regen)? Rückenpanzer? Kragen und Verschluss hinsichtlich Zugluft prüfen. Verbindung zur Hose ist wichtig (Sturz). Reflexstreifen empfehlenswert. 

Die Hose

Lederkleider bieten dank höherer Abriebfestigkeit und fest sitzenden Protektoren mehr Schutz, gleichzeitig aber weniger Komfort. Textilien sitzen bequemer, sind vielseitiger, praktischer (Innenfutter, Aussentaschen) und oft dank Membran wasserdicht. So kann man Jacke und Hose nach eigenen Bedürfnissen kombinieren. Auch abriebfeste Jeans sind erhältlich. Empfohlen: Protektoren und zugbeständigen Gurt verwenden, damit die Hose nicht verrutscht. Immer auf dem Motorrad anprobieren − manchmal kneift es, wo man es nicht erwartet hätte, und die Protektoren lassen sich so richtig positionieren. Reicht die Beinlänge? Innenfutter müssen oben und unten arretiert werden können. Können Reissverschlüsse mit Handschuhen geöffnet werden (auch an der Jacke)?

Der Helm

Bei keinem anderen Ausrüstungsstück ist die Passform wichtiger: Der Helm soll satt sitzen, darf aber nirgendwo drücken. Andernfalls drohen Kopfschmerzen. Keine Haargummis oder Haarknöpfe bei der «Sitzprobe» tragen. Kopf schütteln: Verdreht er sich? Dann ist er zu gross. Kräftig von vorne dagegendrücken, wie das der Wind ab 100 km/h macht. Nase platt? Dann ist er zu gross. Manche Wangenpolster sind anpassbar. Tragen Sie den Helm lange, machen Sie eine Testfahrt. Augenmerk auf Windgeräusche und Belüftung. Läuft das Visier an? Testen Sie, ob der Helm vielleicht im Nacken gegen den Kombihöcker stösst. Sonnenvisier und Brille hinsichtlich Sehqualität prüfen. Darauf achten, dass die Brille Platz hat. Die Möglichkeit zum nachträglichen Einbau von Lautsprechern (Intercom) ist vielleicht interessant.

Die Handschuhe

Was toll ausschaut, muss nicht zwingend das Richtige sein: Racing-Handschuhe sind sehr stark belüftet − man friert schnell. Sie sind auch schnell nass, und die sperrigen Stulpen passen nicht in die Jacke. Darum sich beraten lassen und die eigene Jacke mitbringen: Passen Handschuhe in die Ärmel? Klettband am Handgelenk verhindert Abstreifen beim Sturz. Leder ist abriebfester als textiles Material. Griffprobe auf eigenem Töff, denn die Sitzposition ist wichtig: Die Handgelenkstellung auf einem Crusier ist anders als auf einem Sportler. Die Innenhand darf keine Falten bilden. Fingerkuppen dürfen nicht anstossen, sonst drohen Schmerzen. Frauen mit langen Fingernägeln müssen noch mehr Raum einkalkulieren.  

Die Stiefel

Hier ist Wasserdichtigkeit ein Thema: Schuhe mit einem «Booty» – einer konstruktiv integrierten Membransocke – sind besonders dicht. Bei der Grösse berücksichtigen, dass Füsse auf Langstrecken und bei Hitze anschwellen. Beim Hanging-off ist der Halt auf der Raste wichtig (am eigenen Bike testen!). Die Zehenschleifer sollten austauschbar sein. Auf Druckstellen achten: Obschon man mit Töffboots nicht wandern geht, kann der Komfort doch zum Problem werden; bei undichten, gut belüfteten Sportboots empfehlen sich passende Überzüge. Regelmässig Zehennägel schneiden.

Die Unterbekleidung

Die Touring-Jacke sollte auch ausreichend Platz für einen Pulli bieten. Verstellbereich der Bündchen und der Klettriemen zur Fixierung der Armprotektoren prüfen. Keine Baumwolle unter der Membranbekleidung anziehen! Unter der Lederkombi wird (besonders, wenn es heiss ist) langärmlige Funktionsbekleidung getragen − die trägt nicht auf, transportiert Schweiss ab und verhindert das Ankleben. Für belüftete Sportkombis einen Windstopper kaufen. Platz für den Rückenpanzer einrechnen.

Den Helm mindestens 30 Minuten lang testen. Den Helm mindestens 30 Minuten lang testen. © Simon Haltiner
Bis zu vier Gläser durchblickt der Pilot. Bis zu vier Gläser durchblickt der Pilot. © Simon Haltiner
Diverse Verbindungsmöglichkeiten Diverse Verbindungsmöglichkeiten © Simon Haltiner
Wird oftmals vergessen - der Rückenpanzer. Wird oftmals vergessen - der Rückenpanzer. © Simon Haltiner