GPS-Ratgeber, Teil 2

Auf Kurs

Von Martin Heim
27.05.2009 15:53:32

Satellitennavigation, die Zweite: Vektor- und Rasterkarten. Über die Tourenplanung an PC und GPS-Gerät.

Mit der zunehmenden Verbreitung von GPS-Geräten werden auch immer mehr digitale Karten eingesetzt. Sie bilden die Grundlage für jede Routenplanung am PC und in den GPS-Geräten selbst. Denn die meisten GPS-Empfänger sind bereits mit integrierten Raster- oder Vektorkarten lieferbar. Welchen Kartentyp verwendet man also für die GPS-Navigation?

Rasterkarten
Als die ersten GPS-Geräte vornehmlich auf Motorrad-Wüstenreisen eingesetzt wurden, mussten die Zielkoordinaten noch mittels Lineal und Papierlandkarten bestimmt werden und wurden von Hand ins GPS getippt. Doch wenn nur Karten im Massstab 1:500 000 zur Verfügung standen, wie zum Beispiel die russischen Generalstabskarten für das Gebiet der Sahara, konnte die manuell ermittelte Position kilometerweit neben der tatsächlich gewünschten liegen. Ziel vieler GPS-Nutzer war es deshalb, die Koordinaten der Wegpunkte durch digitalisierte – also eingescannte und kalibrierte Landkarten (Rasterkarten) genauer bestimmen zu können. Dadurch angespornt programmierte Thomas Flemming 1997 die erste Navigations-PC-Software Touratech QV für digitalisierte Landkarten. Heute bekommt man für fast jeden Fleck unserer Erde Rasterkarten. Für jede Anwendung findet sich ein passender (Raster-)Kartentyp, von der Generalkarte über die hochdetaillierte topografische Karte zur Motorrad-Tourenplanung, das Mountainbiken, Wandern oder fürs Endurofahren bis hin zu Luft- bzw. Satellitenbildern.

Nachteil der Rasterkarten: Vergrössert man mit der Zoomfunktion den Kartenausschnitt einer Rasterkarte, ist das, als schaue man mit einer Lupe. Mehr geografische Details werden nicht sichtbar. Der Massstab der Rasterkarte bleibt derselbe. Noch ein Nachteil: Rasterkarten sind nicht routingfähig – es ist also keine «sprechende Strassennavigation», sondern nur die Erstellung von Luftlinien-Routen möglich.

Vektorkarten
Einer ihrer auffälligsten Vorteile ist, dass sich beim Hineinzoomen der Massstab der Karte verändert: Es ist, als habe man viele verschiedene Kartenmassstäbe in einer einzigen Landkarte vereint – von der Übersichtskarte bis hinunter zum Stadtplan. Bei diesen Vektorkarten sind meist auch unterschiedliche Datenbanken hinterlegt, zum Beispiel eine Routingdatenbank, eine Ortsdatenbank mit hausnummergenauen Adressen und «Points of Interest (POI)», wie Tankstellen, Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Speziell für die Strassennavigation erstellte Vektorkarten sind also routingfähig (sprechende Karten) z. B. City Navigator NT 2009 von Garmin. Vektorkarten können auch topografischen Inhalt haben, wie beispielsweise die Garmin Topo Deutschland. All diese Karten sind nur im GPS-Gerät verwendbar, wenn sie in einem GPS-fähigen Format vorliegen (Garmin: IMG-Format). Es gibt zwei grosse Hersteller von routingfähigen Strassen-Vektorkarten für Europa, Nordamerika, Kanada und Südafrika: Navteq und Teleatlas.

Nachteil der Vektorkarten: Die unterschiedlichen Strassenkategorien (Nationalstrasse, Kantonsstrasse, Nebenstrasse) werden nur durch die Strichstärke unterschieden. Beim Herauszoomen kann daher nicht mehr erkannt werden, um welchen Strassentyp es sich handelt. Für Töfffahrer, welche die wenig befahrenen, kleinen und kurvigen Strassen bevorzugen, ein Nachteil. Ausserdem ist mit den kleinen GPS-Displays eine detaillierte und übersichtliche Darstellung kaum möglich. Abhilfe: Mit dem City Navigator 2009 NT bringt Garmin jetzt eine Vektor-Strassenkarte, welche die Haupt- und Nebenstrassen farblich unterscheidet. Das Garmin Zumo 550 kann die verbesserte Darstellung nutzen und macht die GPS-Navigation für Motorradfahrer noch einfacher, denn auch bei einem grossen Kartenausschnitt können die kleinen Strassen farblich von den grossen unterschieden werden.

Beide Vorteile nutzen
Erstens: Eine Motorradtour ist nur so gut wie das Kartenmaterial. Zweitens: Am Markt sind deutlich mehr Rasterkarten als Vektorkarten erhältlich. Ergo: Für die Planung von Motorradtouren ist es optimal, beide Kartentypen zu nutzen – eine routingfähige Vektorkarte und eine Rasterkarte in welchen z. B. landschaftlich schöne Strassen optisch hervorgehoben sind. Deshalb ist es bis heute der Traum vieler GPS-Benutzer, per Knopfdruck aus einer Rasterkarte eine «sprechende Vektorkarte» zur Verwendung auf einem GPS-Gerät zu erstellen. Eine solche Software gibt es nicht. Doch die neue Gerätegeneration kann bereits Vektorkarten und Rasterkarten anzeigen. Dadurch wird es möglich, die Vorteile beider Kartentypen im GPS zu nutzen. Beispiele für diese Geräte sind die Magellan-Triton-Serie und der Aventura TwoNav – welche bei Touratech ab Frühling 2009 erhältlich sein werden.

Outdoor-/Offroad-Navigation
Ist eine Reise in Gebiete ausserhalb Europas, z. B. in die Sahara, geplant, für die es keine routingfähigen Vektorkarten gibt, werden bei der GPS-Navigation Tracks zur Streckenführung genutzt. Mit der passenden PC-Software lassen sich auf Rasterkarten am Computer Luftlinien-Routen, Tracks und Wegpunkte erstellen und anschliessend in das GPS-Gerät übertragen. Bei der Erstellung von Tracks am PC wird der Strassenverlauf quasi stark vergröbert nachgezeichnet. Bei dieser Art von Navigation spricht man von Outdoor- bzw. Offroad-Navigation, Wüstenfahrer, Wanderer und auch Mountainbiker nutzen die Tracknavigation.

Den Ursprung hat die Tracknavigation in der so genannten Trackback-Funktion, einer Art virtuelle Wegpunktschnur, mit der man zum Ausgangsort zurückfinden kann. Bei Wanderungen im Gebirge lebensrettend. Weil also Garmin-GPS-Geräte in der Lage sind, Trackaufzeichnungen (ActiveLog) abszupeichern, können auch manuell am PC erstellte Tracks zur Navigation genutzt werden. Dadurch sind ganz neue Möglichkeiten in der Outdoor- bzw. Offroad-Navigation entstanden.

Bei den aktuellen Garmin-GPS-Geräten kann die Richtung gewählt werden, in die das GPS-Gerät mit den Tracks führt – also vom Start bis zum Ziel oder in entgegengesetzter Richtung (beim Strassen-Routing ist nur eine Richtung möglich). Ist die Track-Navigation aktiv, so zeigt einem z. B. das Garmin GPSMap 278 C eine bevorstehende Richtungsänderung in Grad an. Es warnt zusätzlich mit einem Piepton, fast wie beim Strassen-Routing. Eine sehr hilfreiche Funktion, wenn man beispielsweise in Südfrankreich mit einem vom Enduro-Kollegen erstellten Track unbekannte Offroad-Strecken unter die Motorradreifen nimmt.

Reiseplanung mit Vektorkarten
Eine Route besteht aus mindestens zwei Wegpunkten: Start und Ziel. Bei der Töfftour geht es nicht um die schnellste oder kürzeste, sondern um die schönste Strecke. Dafür können Zwischenziele wie z. B. Passstrassen, landschaftlich schöne Strassen, Aussichtspunkte usw. als Zwischenziele in die Route eingefügt werden.

Die PC-Tourenplanungssoftware und auch das GPS-Gerät berechnen mit Hilfe der hinterlegten Datenbank, der Vektorkarte, die kürzeste bzw. schnellste Strassenverbindung zwischen den Wegpunkten. Je nach Software kann für die Routenberechnung die bevorzugte Strassenart (Land-, Haupt-, Nebenstrassen) eingestellt werden. Leider beherrschen die Programme nicht Routenberechnungsarten wie: kurvenreichste oder Panoramastrecke. Es ist also noch echte Handarbeit, eine perfekte Tour zusammenzustellen.

Man braucht also Informationen über das Gebiet, in das die Tour führen wird. Jetzt kommt als Planungsgrundlage die verwendete Karte ins Spiel. Mit einer Generalkarte erhalten Sie bereits durch die farblich unterschiedlich dargestellten Strassen (rot: Hauptstrassen, gelb: Landstrassen) den Strassentyp. Bevorzugt man noch die als landschaftlich reizvoll markierten Strassen, steht der perfekten Tour nichts mehr im Weg. Zusätzlich können weitere Informationen aus dem Internet eingeholt werden, wie z. B. alle Alpenpässe, Tourenvorschläge, Hotels, Campingplätze, Sehenswürdigkeiten.

Praktische Tipps
Immer wieder hört man von Motorradfahrern, dass Sie gar nicht vor Antritt der Tour die ganze Route planen wollen, sondern abends im Hotel die Etappe für den nächsten Tag. Oft weiss man schon zu Hause, welche Orte besucht werden, aber die Reihenfolge und der Zeitpunkt stehen noch nicht fest. Auch da kann mit der Routenplanungssoftware geholfen werden – indem Wegpunkte vorab erstellt werden – wie Pässe, Naturparks, Restaurants und vieles mehr. Die Wegpunkte werden in das GPS-Gerät übertragen. Aber erst wenn Sie dann unterwegs sind, verbinden Sie diese zur Route für den nächsten Tag.

P. S.: Inzwischen gibt es einige GPS-Freaks, welche Vektorkarten zur Verwendung für Garmin-GPS-Geräte erstellen und kostenlos im Internet zum Download anbieten. Linklisten finden Sie z. B. unter www.naviboard.de oder im Forum unter www.TTQV.de.

Generalkarte TT QV4: Rasterkarte mit als landschaftlich reizvoll markierten Strassen Generalkarte TT QV4: Rasterkarte mit als landschaftlich reizvoll markierten Strassen © Michael Kutschke
TT QV4 mit Navteq-Navi-Karte: Erst die Vektorkarte ermöglicht sprechende Strassennavigation TT QV4 mit Navteq-Navi-Karte: Erst die Vektorkarte ermöglicht sprechende Strassennavigation © Michael Kutschke
TT QV4 mit zwei Kartenfenstern: General- und Navteq-Karte - Raster- und Vektorkarte in Kombination TT QV4 mit zwei Kartenfenstern: General- und Navteq-Karte - Raster- und Vektorkarte in Kombination © Michael Kutschke