Ein Bike für Sieger: Die G 450 X ist die erste BMW, die konsequent auf professionellen Enduro-Wettbewerbseinsatz hin entwickelt wurde.
Ein Bike für Sieger: Die G 450 X ist die erste BMW, die konsequent auf professionellen Enduro-Wettbewerbseinsatz hin entwickelt wurde. © BMW

BMW G 450 X

Stecker gezogen

Von Michael Kutschke
16.06.2008 15:09:47

Die neue Hard-Enduro BMW G 450 X wildert frech im KTM-Segment. Fahrbericht mit Video.

Anlieger, Steilhänge, loses Geröll, Tables. Das gab’s noch nie bei einer BMW-Präsentation: Bereits bei der Anfahrt vom Hotel zum Fahrerlager gehen Journalisten zu Boden. Nur um da hin zu gelangen, musste jeder bereits eine mit Gemeinheiten gespickte Crosspiste meistern. Dann forderten zwei Enduro-Runden selbst versierten Hard-Enduristen alles ab: Die Single-Trails der Route «Rot» und «Orange» bei Marbella sind alles andere als ein Kindergeburtstag.

Die Ansage
Weiss-Blau fordert Orange zum Duell: mit 111 Kilo, 52 PS und technischen Leckerbissen wie die koaxiale Lagerung von Schwinge und Kettenritzel. Die Schwingenachse ist nicht mehr hinter der Antriebswelle positioniert, sondern durch die Getriebe-Ausgangswelle geführt. Auch beim Antrieb Hightech-Lösungen: Der Anlasser sitzt vor dem Motor, die Nasskupplung auf der Kurbelwelle. BMW baut im Vergleich zu konventionellen Konzepten wesentlich kompakter: Im Gegensatz zu den üblichen untersetzten Kupplungen auf der Getriebe-Eingangswelle muss so nur ein reduziertes Drehmoment übertragen werden.

Die Früchte
Obwohl es technisch im Hause BMW für all diese Innovationen kein Vorbild gibt, schickt sich die G 450 X bereits an, KTM auf heimischem Terrain zu schlagen: Der zweite Platz beim 14. Erzberg-Rodeo, das der Bayer Andreas Lettenbichler zeitweise dominierte, ist ein beachtlicher Erfolg – und mit der G 450 X stand erstmals ein Viertakt-Töff auf dem Podium.

Für Chef-Enduristen

Die Maschine lässt sich überaus agil durchs unwegsamste Gelände dirigieren. Am Konzept oder gar mangelnder sportlicher Härte kann es also nicht liegen, dass bei den BMW-Fahrwerksspezialisten die Journalisten Schlange stehen. Eher am fahrerischen Niveau. Zweifellos: Offen ist die G ein tolles Werkzeug: «For professionals only».

Lieber den Stecker raus
Wohl deshalb haben selbst ganz angefressene ‹Geröllheimer› unter den Journalisten lieber den «den Stecker gezogen»: Im Gegensatz zum Klassenstandard kann man die neue BMW G 450 X problemlos von 52 Wettbewerbs- auf homologierte 41-Strassen-PS drosseln, einfach durch Abziehen eines Steckers am Kabelbaum. Weniger ist mehr – auch beim Geländeeinsatz: Die G 450 setzt offen nämlich jeden kleinsten Impuls am Gasgriff derart direkt in ungestümen Vortrieb um, dass man den Kraftschluss in den Geröll-verseuchten Steilhängen des Single Trails ständig konzentriert mittels Kupplung regulieren muss. Stecker raus – und siehe da: Gedrosselt geht die 450er viel sanfter ans Gas.

Habe fertig – ich habe den Stecker gezogen. Die G 450 X ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Um dem KTM-Multitool EXC 450 das Fürchten zu lehren, braucht’s nur noch etwas Feintuning. Es bleibt also spannend.

Lust auf mehr? Eine ausführliche Story zur BMW G 450 X lest ihr in TÖFF 07/2008. Ab Mittwoch, 25. Juni am Kiosk.
BMW G 450 X BMW G 450 X © BMW
Stecker drin: Ready to Race. Stecker weg: Die G wird zum Vergnügen für Ambitionierte. Für Enduro-Novizen braucht’s aber eine noch zahmere Gasannahme. Stecker drin: Ready to Race. Stecker weg: Die G wird zum Vergnügen für Ambitionierte. Für Enduro-Novizen braucht’s aber eine noch zahmere Gasannahme. © BMW
BMW G 450 X BMW G 450 X © BMW
BMW G 450 X: Motor. BMW G 450 X: Motor. © BMW