Bluetooth-Intercom Cardo Sho-1 Duo.
Bluetooth-Intercom Cardo Sho-1 Duo. © Richard A. Meinert

Intercom

Cardo SHO-1 Duo

Von Daniele Carrozza
10.10.2014

Bluetooth-Intercom-Systeme stehen hoch im Kurs. Wir haben das SHO-1 Duo von Cardo für Shoei getestet.

Intercom, also Systeme, welche die Kommunikation zwischen Töfffahrern auf einem oder mehreren Töff ermöglichen, gibt es schon lange. Solche, die sich die drahtlose Bluetooth-Technologie zunutze machen, sind dagegen eher jüngeren Datums, und sie erfreuen sich grosser Beliebtheit, sind sie doch in wenigen Schritten mit dem Navi, dem Handy und/oder dem MP3-Player koppelbar.

Einer der führenden Hersteller auf dem Gebiet ist Cardo Systems aus Pittsburgh, USA. Intercom wie das Spitzenmodell "scala rider G9" oder der Bestseller "scala rider Q3" sind auch in der Schweiz weit verbreitet. Ganz neu für 2014 ist das Cardo "SHO-1" auf G9-Basis, wobei das Kürzel "SHO" für den japanischen Helmhersteller Shoei steht. Tatsächlich sind die Japaner auf die US-Amerikaner zugegangen, mit der Bitte, Cardo möge doch ein explizit auf Shoei-Kopfschützer zugeschnittenes Bluetooth-Intercom entwickeln. Eines, das – um Turbulenzen vorzubeugen – nicht seitlich absteht.

Und so entstand das erste Intercom, bei dem die intelligente und die Akku-Einheit physisch getrennt sind. Die beiden Komponenten werden platzsparend an der Unterseite des Helms angebracht, wobei die zwischen Kalotte und Dämpfungsmaterial versenkten Stiftplatten nicht nur als Verankerung, sondern auch gleich als Antenne fungieren. Mit der Trennung Akku/intelligente Einheit ergeben sich diverse Vorteile: Zum einen kann der Akku grösser gebaut werden, was die Laufzeit verlängert. Dann können Ersatz-Akkus mitgeführt und bei Bedarf im Handumdrehen mit verbrauchten Pendants getauscht werden. Zudem muss – wenn der Akku an sein Lebensende gelangt ist – nur Letzterer und nicht das komplette Gerät ersetzt werden. Auch positiv: Man hat nicht asymmetrisch ein grosses, sondern zwei kleinere Bauteile am Helm.

Ein echter Alleskönner

Nun ist es aber nicht so, dass SHO-1 ausschliesslich an Shoei-Helme (übrigens auch älteren Datums) passt. Es soll z.B. problemlos an einen Arai passen und laut Schweizer Importeur Pro Moto auch mit den Produkten diverser anderer Hersteller kompatibel sein. Apropos Kompatibilität: SHO-1 kann mit sämtlichen älteren Cardo-Intercom gekoppelt werden. Zu den wichtigsten Features gehört sicher die Möglichkeit, bis zu vier Helme im Full-Duplex-Modus zu koppeln, sprich, vier Personen können simultan konferieren. Cardo verspricht eine Reichweite von 1,6 Kilometern und eine Akku-Laufzeit von 12 bis 14 Stunden. Interessant: SHO-1 kann zwei Bluetooth-Quellen gleichzeitig bedienen, also zum Beispiel das Handy und das Navi.

Weitere Features: integriertes Radio, "One+8"-Funktion für Einzelanrufe auf bis zu acht Helme, Sprachsteuerung, automatische Lautstärkeregelung.

Nicht ohne Übung

Im Rahmen unseres Tourer-Vergleichs hatten wir die Gelegenheit, SHO-1 ausgiebig im Zwei-Personen-Betrieb zu testen. Der Einbau durch den Importeur wirkte unkompliziert, dennoch wird empfohlen, das System direkt am Verkaufsstützpunkt montieren zu lassen.

Soviel vorweg: SHO-1 hat viele Funktionen und (für die Bedienung mit Handschuhen) etwas zu klein geratene Knöpfe. Entsprechend ist es anfällig auf Fehlmanipulationen, und es empfiehlt sich, im Stand so lange Trockenübungen vorzunehmen, bis alle Manipulationen und Sprachbefehle blind beherrscht werden. Erst dann kann man die mannigfaltigen Funktionen vollumfänglich und sicher ausschöpfen. Sind die Sets einmal gekoppelt, kann problemlos und so weit klar verständlich konferiert werden, auch wenn eines unserer Sets ständig ein leichtes Grundrauschen von sich gab.

Die versprochene Reichweite von 1,6 km kann das System nicht halten – schon nach wenigen hundert Metern ist ohne direkten Sichtkontakt (z.B. in Dörfern) Schluss. Ankommende Telefongespräche konnten problemlos angenommen werden. Doch muss man hierfür – genau wie vor Sprachbefehlen oder z.B. beim Umschalten von Handy-Musik auf Konferenzgespräch – jeweils die entsprechenden Knöpfe drücken. Die Soundqualität ist höhenlastig und aus unserer Sicht verbesserungswürdig. Dafür gefallen die Verarbeitungsqualität, die kompakten Dimensionen und die clevere Unterbringung des Systems.

SHO-1: Die wichtigsten Features im Überblick

• Konferenzgespräche mit bis zu vier Helmen 
• Einzelanrufe an bis zu acht Helme 
• Reichweite von 1,6 km (im Test nicht erfüllt) 
• Akku-Laufzeit von 12 bis 14 Stunden 
• Kann gleichzeitig zwei Bluetooth-Quellen bedienen 
• Integriertes FM-Radio mit RDS 
• Automatische Lautstärkeregelung 
• Sprachsteuerung 
• Music-Sharing für Fahrer und Beifahrer 
• Wasser- und staubdicht 
• Praktisch via Cardo-Handy-App konfigurierbar 
• Fr. 689.– für Duo-, Fr. 398.– für Single-System




Komplettes Set für einen Helm - den Einbau sollte ein Fachmann vornehmen. Komplettes Set für einen Helm - den Einbau sollte ein Fachmann vornehmen. © Richard A. Meinert
Aufgeräumte Sache - SHO-1 passt sich gut dem Helm-Design an und steht seitlich nicht ab. Links die intelligente Einheit, rechts der Akku. Turbulenzen waren beim Test keine auszumachen. Aufgeräumte Sache - SHO-1 passt sich gut dem Helm-Design an und steht seitlich nicht ab. Links die intelligente Einheit, rechts der Akku. Turbulenzen waren beim Test keine auszumachen. © Richard A. Meinert
Die Stiftplatten sind gleichzeitig Verankerung und Antenne. Die Stiftplatten sind gleichzeitig Verankerung und Antenne. © Richard A. Meinert
Zu klein geratene Knöpfe. Zu klein geratene Knöpfe. © Richard A. Meinert
Missglückter Koppelungsversuch des Harley-Navi mit dem SHO-1. Missglückter Koppelungsversuch des Harley-Navi mit dem SHO-1. © Richard A. Meinert