Ducati Monster 821 zum Schräglagentrainer umgebaut. Die Stützen bzw. Stützräder verhindern das Wegrutschen wirksam.
Ducati Monster 821 zum Schräglagentrainer umgebaut. Die Stützen bzw. Stützräder verhindern das Wegrutschen wirksam. © Richard A. Meinert, Peter Studer

Ganz schön schräg

Schräglagentraining

Von Dimitri Hüppi
12.07.2016 13:52:51

Mit einem Schräglagentrainer lernt man viel! Auch das Knie auf den Boden zu bringen … eine wertvolle Erfahrung für jeden Töfffahrer.

Schräglagentrainer? Das ist zum einen ein speziell ausgerüstetes Motorrad, wie die im Bild zu sehende Ducati Monster 821: Im Grunde ein Töff mit Stützrädern – nur, dass die am Rahmen montierten Stützen so weit nach aussen und bei waagrechter Stellung des Motorrads nach oben reichen, dass die Stützräder erst den Asphalt berühren, wenn man schon eine beachtliche Schräglage erreicht hat bzw. das Knie schleift … Diese Stützräder sind definitiv kein Kinderkram, sondern ermöglichen professionelles Training praktisch ohne jegliches Risiko, da das Motorrad so keinesfalls wegrutschen kann.

Zum anderen ist der Schräglagentrainer (in unserem Fall) Peter Studer, seines Zeichens ausgewiesener Töffprofi mit Spezialisierung auf Schräglagen- und Kurven-Fahrtrainings auf abgesperrtem Gelände und auf Rennstrecken. Aufgrund seiner Herkunft (Solothurn) fällt seine Betonung des ersten "ä" besonders lang aus, so dass man allein schon beim Gespräch über das bevorstehende "Schräääglagedräning" erste Erfolge zu verspüren glaubt.

Doch Spass beiseite: Peter, der ab und zu auch mal Motorräder für TÖFF testet, bringt einen nicht nur fachlich kompetent, sondern auch mit der nötigen Geduld und der passenden Portion Humor durch den Kurs – und ans Ziel: Bevor du am Kursende wieder nach Hause fährst, hattest du beide Knie auf dem Asphalt – in Bewegung, versteht sich!

Nicht nur für supersportliche Fahrer

Wie gross ist doch am Schluss die Freude und das Grinsen, wenn du vom Übungstöff runtersteigst und dir deine angeraspelten Knieschleifer anschaust! Und zur Freude gesellt sich das supergute Gefühl, dass du beim Töfffahren wieder einen riesigen Schritt nach vorn gemacht hast. Du hast nicht nur etwas Neues über die Fahrphysik gelernt, du hast es auch gleich selbst erfahren. Wir sind überzeugt: Ein solcher Kurs ist für alle Töfffahrer gewinnbringend – nicht nur für Racer. Zum Programm gehören ausserdem wertvolle Aufwärm-Turnübungen (z. B. knien auf dem Sattel, stehend fahren und weitere). Sie dienen der Auflockerung und schaffen Vertrauen in die Mensch-Zweirad-Verbindung, ohne das man eigentlich gar nicht genussvoll Töfffahren kann.

Das richtige Kurvenfahren wird übrigens nicht nur im "Schräglagentraining" auf Peters Übungsgelände bei Solothurn perfektioniert, sondern auch auf der Rennstrecke (s. Bilder). Eine direkte Anmeldung ist auch für Unerfahrene möglich. Dennoch kann es sich für absolute Knieschleifer-Neulinge lohnen, sich zuerst mit dem Übungstöff an die neue Dimension des Kurvenfahrens heranzuwagen, um sie dann auf der Rennstrecke zu verfeinern. Auf dem Übungsgelände sind maximal sechs Teilnehmer, so dass sich Peter für jeden genügend Zeit nehmen kann.

Auf der Rennstrecke ist jeder mal dran

Auf dem Rundkurs dagegen sind es zwischen 60 und 90 Teilnehmer, die sich in drei Gruppen (je nach Können) aufteilen. In der Gruppe der Rennstrecken-Rookies fährt jeweils einer von Peter Studers Instruktoren vorneweg, wobei durch regelmässige Wechsel der Position in der Gruppe jeder Teilnehmer einmal direkt dem Instruktor folgt.

Peter Studer bietet seine Rennstreckentrainings auf verschiedenen Rundkursen, die er jeweils exklusiv mietet, an. Wir haben uns auf dem Anneau du Rhin – zwischen Mulhouse und Colmar, 50 km von Basel entfernt gelegen – unter die Lernwilligen gemischt. Eine nicht zu lange Strecke, die alles hat, was ein richtiger Rundkurs braucht.

Ob auf dem Übungsgelände oder der Rennstrecke – bei beiden Kursen gibt es zu Beginn eine Portion Theorie sowie zwei, drei Trockenübungen auf dem Töff. Doch keine Sorge: Peter und seine Instruktoren verstehen es, selbst dies alles andere als trocken zu gestalten.

Weiteres Trainingsangebot

Peter Studer bietet mit seinen "have-fun Fahrtrainings" ausserdem Cruiser-Trainings, Kurse rund um Fahrassistenzsysteme wie ABS, Traktionskontrolle usw., Personal-Trainings und mehr an.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: Telefon 079 402 05 80; www.have-fun.ch

 

Wichtiges aus den "have-fun-Fahrtrainings"

  • Je breiter ein Reifen ist, desto mehr Schräglage ist für ein bestimmtes Tempo nötig. Hanging-off ermöglicht, bei geringerer Schräglage schneller durch die Kurve zu fahren (Reifenaufstandsfläche bleibt grösser; Gesamtschwerpunkt verlagert sich positiv nach unten / vorn). Das Knie am Boden dient als "Schräglagenfühler".
  • Echtes Hanging-off (nur auf der Rennstrecke empfohlen) erfordert vollen Körpereinsatz: Vor der Kurve (beim Anbremsen) kurveninneres Bein abwinkeln (Knie raus), mit der kurvenäusseren Pobacke ganz auf die kurveninnere Seite rutschen, so dass man im Grunde nur noch mit dem Knie / Oberschenkel am Tank hängt, Kinn zur kurveninneren Hand. In Kurve Haltung nicht mehr korrigieren; während Beschleunigung in Normalposition zurückkehren.
  • Blicktechnik ist essenziell: Denn man fährt hin, wohin man blickt. Und: je höher das Tempo, desto weiter muss man vorausschauen, um Zeit zum Reagieren zu haben.

 

Der Blick wandert in der Kurve mit dem sichtbaren Scheitelpunkt. Der Blick wandert in der Kurve mit dem sichtbaren Scheitelpunkt. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Der richtige Blick - Peter Studer (rechts) zeigt, dass man nicht vors Vorderrad, sondern weit in die Kurve hineinschauen soll. Der richtige Blick - Peter Studer (rechts) zeigt, dass man nicht vors Vorderrad, sondern weit in die Kurve hineinschauen soll. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Um auf dem Sattel zu knien, muss man kein Stuntman sein. Um auf dem Sattel zu knien, muss man kein Stuntman sein. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Peter Studer demonstriert alle Übungen. Auch, wenn es gerade schüttet! Der Schirm in der Hand zeigt, dass man sich nicht am Lenker festzuklammern braucht. Peter Studer demonstriert alle Übungen. Auch, wenn es gerade schüttet! Der Schirm in der Hand zeigt, dass man sich nicht am Lenker festzuklammern braucht. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Sportfahrer-Training auf der Rennstrecke. Sportfahrer-Training auf der Rennstrecke. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Instruktor Roger Heinzer erklärt, dass man vor dem Anbremsen nach hinten rutscht. Instruktor Roger Heinzer erklärt, dass man vor dem Anbremsen nach hinten rutscht. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Vor der Kurve... geht das Knie raus. Vor der Kurve... geht das Knie raus. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Vor der Kurve... geht der Fuss zurück. Vor der Kurve... geht der Fuss zurück. © Richard A. Meinert, Peter Studer
Die Teilnehmer hören aufmerksam zu. Die Teilnehmer hören aufmerksam zu. © Richard A. Meinert, Peter Studer