Clubpräsident Kaspar Bechter (links) und Peter Christ mit ihren Bikes im Busdepot.
Clubpräsident Kaspar Bechter (links) und Peter Christ mit ihren Bikes im Busdepot. © Richard A. Meinert

Profis am Werk

Motorradclub-vbl Luzern

Von Daniel Riesen
03.10.2016 16:07:00

Sie sind Profis im Strassenverkehr, die auch privat gern auf Rädern sind, nur mit völlig anderen Gefährten, die Biker der Luzerner Verkehrsbetriebe.

Der Unterschied könnte kaum grösser sein: Am einen Tag einen 40 Tonnen schweren Gelenkbus durch die Strassen von Luzern und Umgebung dirigieren, am nächsten Tag oder auch an Feierabend umsatteln auf ein wenige hundert Kilo leichtes Bike und die Welt mit ganz anderen Augen aus dem Sattel eines Motorrads erleben. Für die Mitglieder des Motorradclub-vbl – er vereinigt die Töfffahrer innerhalb der Luzerner Verkehrsbetriebe – ist dies im Sommer Alltag.

Zugegeben, umsatteln, das schaffen auch andere, Lokführer oder Jumbopiloten beispielsweise. Mit töfffahrenden Camionfahrern haben aber Busfahrer gemein, dass sie den Strassenverkehr aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erleben. "Als Motorradfahrer profitieren wir auf jeden Fall davon, dass wir als Busfahrer mit viel Voraussicht fahren müssen", ist Clubpräsident Kaspar Bechter überzeugt.

Mit gutem Verkehrssinn

Was auf dem Motorrad dem flüssigen Vorankommen und dem risikoarmen Kurvenflug zugutekommt, ist im Bus für den Komfort und die Sicherheit der Passagiere entscheidend. Nur mit gutem Verkehrssinn könne ein Chauffeur abrupte Manöver verhindern, so Bechter. Vollbremsungen sollten nur im unvorhersehbaren Notfall vorkommen, vor allem wegen der Verletzungsgefahr für die Passagiere.

Und wie erleben Busfahrer das Geschehen auf der Strasse? "Ach, man stellt eine gewisse Verwilderung fest", zuckt Kaspar Bechter mit den Achseln, "aber das ist nichts Neues." Höchstens vielleicht, dass sich zunehmend die Rollerfahrer verhalten wie Velofahrer sprich, auch sie halten sich kaum noch an die geltenden Verkehrsregeln.

Doch zurück zum Club, zum Töffclub der Luzerner Verkehrsbetriebe, gegründet anno 1989. Der funktioniert weitgehend wie jeder andere Verein für Biker. Es gibt Statuten, man formuliert ein Jahresprogramm, man pflegt die Kameradschaft. Könnte man auch in einem anderen Töffclub, doch Busfahrer haben eine Besonderheit: ihre Dienstpläne. Das bedeutet, dass man Aktivitäten, seien es Ausfahrten im Sommer, geselliges Zusammensein im Winter, nicht zwingend auf die Wochenenden legt. "Drei Ausfahrten unternehmen wir an Wochentagen", so Bechter. Mit dem Vorteil, auf weniger Verkehr zu stossen.

Das Clubleben funktioniert wie in den meisten Vereinen. Die einen engagieren sich, die anderen weniger. "Wir schauen einfach, dass einmal im Monat etwas läuft", deklariert Kaspar Bechter das Ziel. Früher hakte der Präsident bei tiefem Anmeldungsstand noch persönlich nach. Heute findet er, jeder müsse selber fähig sein, rechtzeitig Freitage einzugeben; die Daten des Jahresprogramms sind schliesslich frühzeitig bekannt. An die Ausfahrten können sich auch Nicht-Mitglieder anschliessen.

Weitere Töffclubs von Verkehrsbetrieben

Einmal im Jahr findet ein schweizerisches Motorrad-Treffen der Verkehrsbetriebe statt. Vertreten sind, wenn sie denn alle kommen, unter anderem die Städte Aarau, St. Gallen, Winterthur, Zug – aus der Romandie La Chaux-de-Fonds, Lausanne und Genf. In Basel gibt es übrigens gleich zwei solcher Töffclubs.

Kommen die Töff fahrenden Chauffeure auf ihren Touren zuweilen auch in Clinch mit ihrer korrekten, professionellen Einstellung zum Thema Strassenverkehr? Vorschriften zu übertreten kommt schliesslich am Steuer eines Busses nicht in Frage. "Nein, kein Problem", versichert Bechter, "wir halten uns an die Verkehrsregeln, das fordern auch unsere Statuten."

Ermessensspielraum gebe es für ihn höchstens, wenn er alleine unterwegs sei, ganz sicher nicht bei Gruppenausfahrten. "Meine bisher einzige Tempobusse habe ich mit einer Vespa eingefangen …", schmunzelt der Clubpräsident. Vereinfacht wird seine Gesetzestreue wohl auch ein wenig durch die Wahl des Motorrades: eine Moto Guzzi California.

Auf Tagesausfahrten sind rund ein Dutzend Kollegen unterwegs, auf der einmal jährlich stattfindenden Zwei-Tages-Tour etwa dreissig, aufgeteilt in drei Gruppen. Dabei gelte die altbewährte Regel, dass der zurückhaltendste Biker an zweiter Position fahre, und nicht etwa an letzter, was – so Bechter – zu heiklem Gruppendruck führen könne. Schliesslich gilt auch bei den Bus-Bikern: Entscheidend ist, dass alle wieder gesund daheim eintreffen.

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Logo des Motorradclub-vbl Luzern. Logo des Motorradclub-vbl Luzern. © Richard A. Meinert