Während der Saison ist jeden Donnerstag Töfftreffen im Isebähnli.
Während der Saison ist jeden Donnerstag Töfftreffen im Isebähnli. © Jean-Pierre Ritler

Stilvoll getunt

Isebähnli Trimbach

Von Dimitri Hüppi
01.07.2014 12:51:44

Renoviert und mit neuem Geschäftsführer geht das "Isebähnli" in Trimbach SO in die neue Saison.

Jeden Donnerstagabend ist im Restaurant Isebähnli Highlife! An starken Tagen finden sich hier bis zu tausend Töfffahrerinnen und Töfffahrer jeden Alters ein. Und Bikes aller Marken – von ganz neu bis zum Oldtimer – gibt es zu bewundern. Ein grosser, einst speziell für die Motorradfahrer gebauter Parkplatz und die Lage am Fusse des Unteren Hauensteins, eines knapp 700 Meter hohen Passes, der Trimbach mit Buckten BL verbindet, machen das Isebähnli zum idealen Treffpunkt der Schweizer Motorradszene. Und das schon seit über 40 Jahren! Das ist im wahrsten Sinn des Wortes legendär!

Just zum Saisonstart 2014 erstrahlt das Restaurant in neuem Glanz. Nicht nur frische Farbe da und dort, sondern auch grössere wie kleinere Modifikationen, ausgeführt unter der Regie von HP. Studer Architektur und Bauleitung aus Hägendorf, machen das Isebähnli jetzt noch attraktiver. Dazu zählt beispielsweise die neu angebaute, gedeckte Veranda aus Holz, von der aus sich das bunte Treiben auf dem Parkplatz und auf der Hauensteinstrasse beobachten lässt. Im Innern des Gasthauses ist die komplett umgebaute und jetzt offene Küche eines der Highlights. Wer im neu eingerichteten Bar-Bereich sitzt, geniesst direkten Einblick in die Arbeit der Kochkünstler.

Doch Vorsicht! Wer bis hierher ohne Hunger gekommen ist, dem läuft spätestens jetzt das Wasser im Munde zusammen, wenn er zum Beispiel die saftigen Tomahawk-Steaks – die neue Spezialität des Isebähnlis – auf dem echten Holzkohlegrill (!) brutzeln sieht und riecht... Rund 900 Gramm bringen sie samt Knochen auf die Waage. Das sind dann immerhin rund 600 Gramm saftiges Fleisch vom irischen Weiderind.

Biertanks mitten in der neuen Bar

Der Bar-Bereich selbst ist ebenfalls von der ausgefallenen Art. Man setzt sich hier nicht an kleine runde hochbeinige Tischchen oder einen Tresen hinter dem Ausschank, sondern um die zwei freistehenden 500-Liter-Biertanks! Jeder von ihnen trägt eine mächtige Holzplatte, an der etwa acht Personen auf stabilen Hockern Platz finden. Die übrige Einteilung des Lokals blieb unverändert – das Mobiliar wurde lediglich gesandstrahlt. So erscheint alles neu und dennoch vertraut.

Unter diesem Motto gibt es im Aussenbereich – dem eigentlichen Herzen des Töfftreffs – neben der neu gebauten Veranda noch eine weitere Veränderung. Die bei vielen Motorradfahrern beliebte Bratwurst vom Grill, die genauso zum Töfftreff gehört, bleibt natürlich erhalten. Am oberen Ende des Parkplatzes gibt es neu einen modernen Grillpavillon. Der besondere Gag daran ist dessen begehbare Aussichtsplattform, von der aus man den ganzen Platz aus einigen Metern Höhe bestens überblicken kann.

Auch der Chef fährt Töff

Der neue Geschäftsführer heisst Gabor Varga. Sein Credo lautet: "Wir wollen, dass sich diejenigen weiterhin wohl und zu Hause fühlen, die seit Jahren oder Jahrzehnten hierherkommen. Genauso möchten wir mit unseren sanften Modifikationen und der neuen Speisekarte, die von einfachen Speisen bis zum Feinschmeckergericht alles bietet, aber auch neue Gäste ansprechen". Der 39-jährige vierfache Familienvater ist selbst Töfffahrer und bewegt sich aktiv in der Szene. Er hat schon diverse Maschinen besessen und ist derzeit mit einer Harley-Davidson Sportster unterwegs. Zudem ist er auch in der Gastronomie ein erfahrener Mann. Bevor er die neue Herausforderung im Isebähnli angetreten hat, arbeitete er im renommierten "Schweizerhof" in Bern als Bankett-Manager. Beides, das Motorradfahren und die Gastronomie, zählt Varga zu seinen Leidenschaften. "Dieser neue Job ist für mich ein absoluter Traum!"

Die Küche wird übrigens auch von einer kundigen Hand geleitet: Von Gian Riesen, der zuvor Küchenchef des Restaurants "Go West" in Aarau war. Neben dem ultimativen Tomahawk-Steak gibt es freilich noch diverse weitere Köstlichkeiten: Speziell auf die Motorradfahrer ausgerichtet sind die verschiedenen Burger. Die heissen hier nämlich "The Harley", "The Suzuki", "The KTM" oder "The BMW".

Ferner dürfen die Gäste zwischen diversen weiteren Fleisch- und Fischgerichten, Salaten sowie verschiedenen hausgemachten Desserts wählen. Und dass nicht nur Biertrinker, sondern auch Weinkenner auf ihre Kosten kommen, versteht sich von selbst.

Die Chancen, dass das Kultlokal in Trimbach mit seinem leichten, stilvollen "Tuning" ganz gemäss der Tradition weitergeführt wird und auch die nächsten 40 Jahre der Schweizer Töfftreff Nummer 1 bleibt, dürften somit sehr gut stehen...

Der Ursprung der Legende

Etwas mehr als die letzten 30 Jahre führten Ruedi und Madlen Flückiger den Töfftreff Hauenstein, wie das Restaurant auch genannt wird. Auch sie wirkten im Isebähnli mit Leidenschaft und gaben den Betrieb zum Ende des letzten Jahres aus Altersgründen auf. Die beiden Trimbacher hatten den Betrieb, der sich seit 1919 in Familienbesitz befand, 1981 übernommen. Anfang der 1980er-Jahre hatte sich das Isebähnli längst zu dem entwickelt, was es heute noch ist.

Den Grundstein dafür legte der Vater des heute 65-jährigen Ruedi Flückiger, als er Ende der 1960er-Jahre Asyl suchende Motorradfahrer in seinem Restaurant "Zur Eisenbahn" willkommen hiess. Es waren zwischen 60 und 80 Motorradfahrer, die ihren angestammten Treff auf der anderen Seite des Passes, die "Sonne", nicht mehr besuchen konnten, da die ihnen wohlgesinnte Wirtin verstarb. Es war eine Zeit, in der Biker in vielen Restaurants unerwünscht waren, weil ihnen generell das Image des randalierenden und prügelnden Rockers anhaftete.

Ruedi Flückigers Vater liess für seine neuen Stammgäste sogar einen grossen Parkplatz bauen, und so entwickelte sich das fortan "Isebähnli" genannte Lokal zum neuen Töfftreff. Genauso bekannt und beliebt war Giuseppe, der jeden Donnerstag am Grill stand. Flückigers Vater hatte den Sizilianer 1962 noch als Kellerburschen eingestellt. Er gehörte zum festen Inventar, bis er 2009 an Lungenkrebs verstarb.

Die Ära mit Madlen und Ruedi Flückiger im Isebähnli ging am 20. Dezember mit der «Austrinkete» zu Ende. Nur wenige Tage später begannen die Räumungs- und die sanften Umbauarbeiten. Seit dem 31. März ist das Kultlokal nun wieder geöffnet.

Warum eigentlich "Isebähnli"?

Der Töfftreff Hauenstein heisst auch unter der neuen Führung "Isebähnli". Doch wie kommt das Restaurant, das nicht einmal neben einem Bahnhof steht, eigentlich zu diesem Namen? Um die Anwort zu finden, ist ein Blick zurück ins 19. Jahrhundert nötig: Von 1853 bis 1858 bauten in unmittelbarer Nähe 1000 Mann den ersten Juradurchstich für die Eisenbahn. Was hätte da näher gelegen, als das Restaurant "Zur Eisenbahn" zu nennen?



*** *** ***

Adresse, Öffnungszeiten, Facts


Adresse: Restaurant Isebähnli, Hauensteinstr. 7, 4632 Trimbach SO, Tel. 062 293 39 19, www.isebaehnli.info

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 8.30 bis 24 Uhr und Sonntag 8 bis 22.30 Uhr.

Wöchentlicher Töfftreff: Während der Töffsaison immer donnerstagabends.

Parkplatz: Asphaltiert, Platz für mehrere hundert Motorräder; donnerstags spezielle Plätze für Oldtimer direkt vor dem Restaurant.

Geschäftsführer: Gabor Varga

Pächter: Beat Thommen. Ein bekannter Gastronom aus Niedergösgen, der mit seinem Unternehmen Thommen Gastronomie bereits 6 Restaurants und ein grosses Catering-Unternehmen betreibt.

Besitzer: Vorbesitzer Ruedi Flückiger verkaufte die Liegenschaft 2012 der Gastro Eisenbahn AG mit Sitz in Trimbach. Diese Gruppe wurde eigens gegründet, um das Lokal als schweizweit bekannten Töfftreff zu erhalten und auszubauen.

Lebendige Tradition: Der Töfftreff Hauenstein, wie das Isebähnli auch genannt wird, steht sogar auf der Liste der "lebendigen Traditionen in der Schweiz", die bedeutendes immaterielles Kulturerbe erfasst. Diese Liste wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur, den kantonalen Kulturstellen, verschiedenen Fachstellen und Experten sowie der Unesco-Kommission der Schweiz erarbeitet und umfasst derzeit 167 Traditionen aus den verschiedensten Bereichen (www.bak.admin.ch).

 

Neues Logo und einige neue Ideen. Doch das Wesen des Töfftreffs bleibt bewahrt! Neues Logo und einige neue Ideen. Doch das Wesen des Töfftreffs bleibt bewahrt! © Jean-Pierre Ritler
Heute wie damals - ein ganz normaler Donnerstagabend in früheren Jahren. Das Bild zeigt einen Ausschnitt eines alten Tischsets. Heute wie damals - ein ganz normaler Donnerstagabend in früheren Jahren. Das Bild zeigt einen Ausschnitt eines alten Tischsets. © Archiv HP. Studer
Der neue Geschäftsführer Gabor Varga. Der neue Geschäftsführer Gabor Varga. © Jean-Pierre Ritler
Die Vorbesitzer Madlen und Ruedi Flückiger am Grill. Die Vorbesitzer Madlen und Ruedi Flückiger am Grill. © Bruno Kissling
Das Schwarzweissfoto aus den 1930er-Jahren zeigt, dass das Isebähnli auch schon in der ersten Boom-Phase des Töffs ein beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer war. Das Schwarzweissfoto aus den 1930er-Jahren zeigt, dass das Isebähnli auch schon in der ersten Boom-Phase des Töffs ein beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer war. © Archiv HP. Studer
Eine Postkarte des ursprünglichen Restaurants. So hatte es Ruedi Flückigers Urgrossvater 1919 gekauft. Eine Postkarte des ursprünglichen Restaurants. So hatte es Ruedi Flückigers Urgrossvater 1919 gekauft. © Archiv HP. Studer