Damen-Qualifying für die GS-Trophy.
Damen-Qualifying für die GS-Trophy. © fbn/zvg

GS-Ladies

Frauen an GS-Trophy

Von Ulf Böhringer
03.02.2016 16:51:58

Südafrika war im September 2015 Schauplatz für die Qualifikation zum ersten internationalen Damen-Team, das in diesem März bei der Internationalen GS-Trophy in Thailand an den Start gehen wird.

Die GS-Trophy von BMW erfreut sich wachsender Beliebtheit: Aus 18 Ländern bzw. Regionen – die Schweiz beispielsweise bildet mit Österreich das Alpen-Team – kommen die Herren-Teams inzwischen; 2008 in Tunesien begann das vergnügliche Kräftemessen mit fünf Nationen-Teams à je drei Mann. 2010 folgte Südafrika, 2012 Südamerika, vergangenes Jahr besuchte die GS-Trophy Kanada und machte damit erstmals in Nordamerika Station. Jedes Jahr wuchs die Teilnehmerzahl.

Im März 2016 ist mit Thailand nun ein Ort in Südostasien der Gastgeber. Und dort wird erstmals ein Internationales Damen-Team mitmischen. Zehn Frauen zwischen 26 und 46 Jahren aus 120 Bewerberinnen hatten sich für das Ausscheidungsfinale qualifiziert; sie mussten Mitte September in Südafrika auf dem gigantischen Offroad-Areal von Country Trax zeigen, was sie draufhaben. Anders als bei internationalen Konferenzen, gab es hier allerdings kein "Damenprogramm"; die zehn Aspirantinnen mussten praktisch dieselben Anforderungen erfüllen wie Südafrikas Männer, die dort kurz zuvor um die Plätze im Team gekämpft hatten. Die holde Weiblichkeit aus Australien, Brasilien, Frankreich, Grossbritannien, Island, Kanada, Spanien, Südafrika, Thailand und den USA gab echt alles, denn angesichts von mitunter kaum über 160 cm Körpergrösse und teils unter 55 kg Gewicht ist eine R 1200 GS im Trophy-Trimm ein verdammt schwerer Brocken – erst recht beim Aufrichten.


Das erste internationale Frauen-Team (Bilder in der rechten Spalte):

Sieg für eine junge Mutter und Ex-Motorsportlerin aus La Foillade/Aveyron

Stephanie Bouisson, 30, medizinisch-technische Assistentin, bildet im Zweitberuf Berufsschüler aus – als Instruktorin auf Motocross-Bikes. Das dazu nötige Können besitzt die junge Französin nachweislich: 2007 belegte sie mit dem französischen Damenteam bei der Women’s World Trophy im Rahmen der Six Days (Enduro-WM) in Chile Rang 2, 2009 gewann "ihr" Team sogar den Titel. Zudem hat Stephanie solo an mehreren WM- und EM-Wettbewerben teilgenommen. Nach einer schweren Knieverletzung hat sie den Wettbewerbssport 2011 beendet.

Top-Ten-Platz im französischen GS-Trophy-Qualifying der Männer 

"Schon im Mai bei der Männer-Konkurrenz ist mir nichts geschenkt worden", berichtet die fahrtechnisch sehr versierte Französin. Ausser einer 250er-Sherco besitzt sie seit heuer eine BMW F 800 GS. Motorrad fährt sie seit ihrem 17. Lebensjahr. "Mein Vater hat mich zum Offroadfahren gebracht, und noch heute mag ich die Strasse nicht", erzählt sie. Nach der Siegerehrung strahlt Stephanie: "Ich freue mich riesig auf dieses Abenteuer, auf neue Freundschaften und auf das Töfffahren in Thailand. Ich bin sehr stolz, eine der drei Frauen zu sein, die im März bei der GS Trophy alle Töfffahrerinnen repräsentieren dürfen." Für die 12er-GS hat sie nur lobende Worte: "Man muss sich von der 800er her zwar umstellen, aber dann ist sie leicht zu fahren. Trotz meiner früheren Erfolge bin ich echt überrascht, es hier in Südafrika ins Team geschafft zu haben!"

 

Platz 2! Wie ein Sieg!

Seit acht Jahren fährt die 40-jährige Amy Harburg aus Australien Motorrad – offroad natürlich. "Vier Tage nach dem Führerschein habe ich mir eine F 650 Funduro gekauft", erinnert sie sich. Aktuell besitzt sie neben einer Yamaha WR 250R eine BMW 650 XC, eine F 800 GS und seit heuer dazu eine 12er-GS. "Mit ihr habe ich trainiert", berichtet sie. Bis zu 15 000 Kilometer fährt sie pro Jahr: "Ich bin selbständig und veranstalte in Australien seit einem Jahr 'adventure bike riding' mit Motorrädern und Fourwheelern." Eine App muss zur Kundengewinnung bislang genügen. 

"Das bei Weitem Beste, das ich je erlebt habe!" 

So beschreibt Amy ihre Empfindungen während des Female Qualifiers auf dem Country-Trax-Gelände. "Die Stimmung unter allen Teilnehmerinnen war grossartig." Ihre Erwartungen an sich selbst seien hoch gewesen, "aber meine Erwartungen an diesen Südafrika-Aufenthalt sind noch übertroffen worden. Ich freue mich darauf, den BMW-Fans in aller Welt zeigen zu können, wie sich diese GS Bikes fahren lassen und was wir alle gemeinsam zu leisten in der Lage sind. Meine Teamkolleginnen sind unglaublich toll, und so kann ich es kaum erwarten, mit ihnen gemeinsam das erste Frauenteam zu stellen."

 

Erst ein Jahr im Gelände

Morag Campbell, die 43-jährige Architektin aus Johannesburg, hat vor sechs Jahren mit dem Motorradfahren begonnen. "Auf der Strasse – ins Gelände habe ich mich mit meiner Yamaha XT 660 erst letztes Jahr getraut", gesteht Morag. Seit Juli 2015 besitzt die Single-Lady zusätzlich eine R 1200 GS LC. Schon dass sie zum Female Qualifier eingeladen wurde, war ein Erfolg für Morag. "Das war eine brillante Veranstaltung mit einem sehr guten Programm", meint sie. Und ist überzeugt, dass das Erlebnis Country Trax, wo sie 2014 auch mit dem Offroadfahren begann, ihr Leben verändert hat. 

"Dass ich hier Spass haben würde, wusste ich... 

...aber wie viel ich dabei lernen würde, habe ich nicht geahnt!" Morag ist tief ergriffen: "Unzählige Menschen boten mir ihre Unterstützung an, teilten ihr Wissen mit mir und halfen mir, ein echtes Gemeinschaftsgefühl zu erleben, das einfach fantastisch war. Ich glaube, dass ich immer noch unter Schock stehe, weil ich es unter die ersten drei geschafft habe. In der Zeit bis zum grossen Event will ich mein Fahrkönnen auf der GS verbessern und mit Stephanie und Amy in Kontakt bleiben. Das wird grossartig!"

 
 
Mehr über die GS-Trophy 2016

Stephanie Bouisson. Stephanie Bouisson. © fbn/zvg
Stephanie Bouisson Stephanie Bouisson © fbn/zvg
Amy Harburg. Amy Harburg. © fbn/zvg
Amy Harburg. Amy Harburg. © fbn/zvg
Morag Campbell. Morag Campbell. © fbn/zvg
Morag Campbell. Morag Campbell. © fbn/zvg