Stuart Wood.
Stuart Wood. © TÖFF-Archiv

Stuart Wood

Der Triumph-Chef-Ingenieur

Von Daniele Carrozza
24.04.2017 11:10:53

Seit der Wiedergeburt von Triumph ist Stuart Wood in Hinckley mit von der Partie. Heute ist er Chefingenieur und hält ganz ruhig fest: Wir werden immer besser!

TÖFF – Sie haben Ihr ganzes Berufsleben bei Triumph verbracht. Woran haben Sie da gearbeitet?
STUART WOOD – Die kurze Version: an allem, wofür man mich angefragt hat!

TÖFF – Sie waren echt früh dabei. Wie kamen Sie überhaupt zu Triumph?
STUART WOOD – Es ging eigentlich ganz einfach. Ein Bekannter, damals schon in Hinckley dabei, fragte mich an und ich bekam den Job. Ich glaubte zu träumen, damals schien es ja eigentlich unmöglich, in Grossbritannien in der Motorradindustrie zu arbeiten, denn es gab ja keine.

TÖFF – Was trieb und treibt Sie an in Ihrem Beruf?
STUART WOOD – Es mag banal klingen, aber mich fasziniert das Wesen von Motorrädern. Sie sind so viel mehr als die Summe ihrer Teile. Will man es richtig machen, muss man bei der Entwicklung eine Vorstellung davon haben, wie sich das Motorrad einmal anfühlen soll. Das ist ein langer Weg und es ist harte Arbeit, sich diesem Ziel immer mehr anzunähern. Einen Bestandteil zu konstruieren, kann recht einfach sein, weil viele Eckpunkte und Einschränkungen vorhanden sind. Die Genese eines ganzen Motorrads hingegen lässt an sich fast grenzenlose Freiheit zu.

TÖFF – Diese Begeisterung kommt nicht von ungefähr …
STUART WOOD – … natürlich nicht. Mein Vater war ein Schrauber. Seit ich neun Jahre alt war, verbrachte ich viel Freizeit mit ihm in der Werkstatt. Als Elfjähriger durfte ich auf einer Vincent Black Shadow mitreiten. Und kaum war ich alt genug, begann ich selber eine 50er zu fahren, wie alle Gleichaltrigen im Ort.

TÖFF – Was waren die Meilensteine in Ihrer Töff­karriere?
STUART WOOD – Schon früh sind wir bei Triumph immer die massgeblichen Bikes der Mitbewerber gefahren. Das Merkwürdige dabei: Obschon es oft die Besten ihrer Zeit waren, beschäftigte mich schon nach wenigen Tagen meist die Frage: Geht das eigentlich nicht besser?

TÖFF – Ich wollte nach Ihren eigenen Bikes fragen …
STUART WOOD – Ach so. Die ersten Triumph der neuen Ära waren schon etwas Besonderes. Und mein erstes richtig starkes Motorrad war eine Kawasaki GPZ 750. Wie genau ich die ersten Tage damit überlebt habe, weiss ich nicht mehr …

TÖFF – Gab es im Laufe der Jahrzehnte ein Projekt, das Sie im Rückblick als das beste oder interessanteste beschreiben würden?
STUART WOOD – Nein, mit solch einer Hitparade kann ich nicht dienen. Aber es gibt eine Leistung, die ich als die grösste in der ganzen Wiedergeburt von Triumph erlebt habe. Das war nicht die Entwicklung der ersten Motoren. Wenn man Mechanik gelernt hat und verstanden hat, wie Verbrennungsmotoren funktionieren, ist das alles kein Hexenwerk. Doch das Ganze dann in eine Massenproduktion überzuführen, das ist eine Riesenherausforderung. Das war extrem anspruchsvoll, auch weil wir preislich wettbewerbsfähig sein wollten und mussten. Das hat uns alles abverlangt, doch wir haben es geschafft. Und heute? Da werden wir immer noch ein bisschen besser.

TÖFF – Gäbe es denn für Sie ein Traumprojekt, sei es in der Firma oder privat?
STUART WOOD – Als Ingenieur bin ich ja eher der realistische Typ, nicht ein Träumer. Wir haben echte, spannende Projekte, aber davon kann ich nicht erzählen. Was ich mir vorstellen könnte: im Privaten etwas anzupacken aus der Ära der fantastischen Zweitaker. 

TÖFF – Dann haben Sie also einen Bezug zum Rennsport?
STUART WOOD – Ah, ich liebe Racing. Mein Vater hat mich früh zu Rennen mitgenommen. Selber gefahren bin ich aber nie. Heute schaue ich mir liebend gern MotoGP an. Nicht etwa wegen der Hightech, wie man bei einem Ingenieur vermuten könnte, sondern wegen des unglaublichen Könnens dieser Fahrer.

TÖFF – Wie sieht es in Ihren Augen mit der Technik­faszination bei den Kunden aus? Sind heutige Kunden daran interessiert?
STUART WOOD – Natürlich gibt es Biker, die einfach nur fahren wollen. Doch viele haben ein grundlegendes Interesse an Motorradtechnik. Das liegt vielleicht auch daran, dass man Motorräder, anders als Autos, nur aktiv fahren kann. Und wer ein Fahrerlebnis sucht, will wohl auch eher wissen, wie denn alles funktioniert. In den 1950er- und 60er-Jahren musste man noch selber Hand anlegen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Das ist heute ganz anders, mit Service­intervallen von 16 000 Kilometern. Doch ganz viele Fans sind sehr gut informiert, wohl viel besser als früher!

TÖFF – Wenn Sie auswählen müssten und nur ein Motorrad aus der Modellpalette auf die einsame Insel – mit guten Strassen – mitnehmen dürften: Welche Triumph würden Sie wählen?
STUART WOOD – Keine Frage, es müsste die neue Street Triple RS sein.

Kurzbiographie:

Kurz nach Abschluss seiner Ausbildung zum Ingenieur trat Stuart Wood 1987 seinen ersten Job bei Triumph in Hinckley an. 1987 … richtig, das waren drei Jahre, bevor die legendäre Marke auch offiziell wieder zum Leben erweckt wurde. Der heute 52-Jährige war also bei der Wiedergeburt ganz von Beginn weg dabei, half als Jung­ingenieur bei der Entwicklung der ersten 3- und 4-Zylindermotoren mit. Heute ist er Chefingenieur der britischen Traditionsmarke. Wood ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne (und schon zweifacher Grossvater). Er wohnt in der Nähe von Coventry. Hobbys? Alles mit zwei Rädern …