Benzin im Blut

Christa Rigozzi

Von Michael Kutschke
22.05.2013 17:19:46

«Motorradfahren macht glücklich.» Christa Rigozzi, Miss Schweiz 2006, weiss auch sonst, wo's langgeht.

Motorräder und schöne Frauen, das gehört nicht nur auf einer Messe wie der Swiss-Moto einfach zusammen. Noch besser ist natürlich eine Ex-Miss-Schweiz, die selbst Motorrad fährt. Die Tessinerin Christa Rigozzi hat neben ihrem attraktiven Äusseren auch sonst gehörig was auf der Platte: Zum Zeitpunkt ihres Titelgewinns 2006 studierte sie Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Freiburg und Kriminologie und Strafrecht an der Universität Bern. Und ausgerechnet an ihrer Hochzeit entdeckt sie eine zweite Liebe: Die fürs Motorradfahren. An der Swiss-Moto haben wir uns auf ein Benzingespräch verabredet.

 

Christa, wie und wann hat deine Liebe zum Töff-Hobby eigentlich genau begonnen? 
Mein Mann und ich fuhren zu unserer Hochzeit auf einer alten Vespa. Doch um diesen Wunsch realisieren zu können, musste einer von uns zuerst das Billett dafür machen. Wir haben dann beschlossen, dass wir beide das Töff-Billett machen. Und nach dieser Vespa-Fahrt war es eh um mich geschehen. Kurz nach meiner Hochzeit hatte ich dann das Töff-Billett in der Tasche. Dann liess mich der Traum nicht mehr los, endlich mit einem richtigen Töff einmal nach Ascona zu fahren, anstatt immer nur mit dem Auto. Die Leidenschaft fürs Motorradfahren wuchs also ständig, vielleicht auch, weil ich temperamentvoll bin. Ich bin schliesslich eine Südländerin. Ausserdem bin ich beruflich immer sehr viel mit dem Auto unterwegs. Da will ich doch zu Hause und in meiner Freizeit nicht auch noch Auto fahren müssen. Wenn die Sonne scheint, dann nehme ich jetzt meinen Töff. Da kann ich mich wunderbar erholen, muss an nichts denken. Ein wenig Adrenalin und frische Luft - und das alles auf meiner schwarzen Ducati Monster -, das ist doch einfach wunderschön.


Du kommst ja aus dem Lifestyle-Bereich. Gibt’s da Parallelen zur Motorradwelt? 
Ja. Bereits vor Jahren hat mich die Marke Ducati begeistert. Ducati ist für mich eine edle Marke, Lifestyle und Fashion zugleich. Für mich ist Ducati also nicht nur irgendein Motorradhersteller. Dieser Name steht für mich für Design und Temperament. Die Italiener wollen halt, wenn sie etwas kreieren, alles grossartig machen - egal, ob Mode, Essen, Motorräder oder Autos. Und auch ich als Tessinerin habe das im Blut, denn ich stehe auf schönes Design, auf Tempo, auf Farbe. Meine Muttersprache ist Italienisch, und ich liebe das Dolce Vita.

Hat man in deinem Job überhaupt Zeit, ein Hobby wie das Motorradfahren ernsthaft zu betreiben? 
Nun, es ist schon so, dass ich einen sehr vollen Terminkalender habe. Momentan sieht es so aus, dass ich nur alle zwei bis drei Wochen ein bis zwei Tage frei habe. Aber im Sommer habe ich mehr Freizeit. Dann geniesse ich natürlich das Wetter im Tessin. Da nehme ich mein Motorrad, und dann fahre ich nach Locarno, nach Lugano, ins Maggiatal oder mal rüber nach Italien.


Wie würdest du deinen Fahrstil beschreiben? Als sportlich oder eher gemächlich?
Mein Fahrstil ist sicher eher temperamentvoll, aber immer mit Köpfchen. Vielleicht auch, weil ich meinen Führerausweis erst mit 27 gemacht habe und nicht mit 18. Hanging off oder so ist nicht mein Ding. Temperamentvoll fahren und trotzdem sicher unterwegs sein, das ist mein Stil.


Wo fährst du am liebsten - in der Stadt oder über Landstrassen?
Die kleinen Nebenstrassen im Tessin haben es mir angetan. Toll ist natürlich auch mal eine Pässefahrt über den St. Gotthard oder über den San Bernardino.


Wurdest du schon einmal geblitzt? 
Nein, mit dem Töff nie. (Lacht.) Mit dem Auto schon, aber nicht so schlimm. Ich fahre ja 60 000 bis 70 000 Kilometer im Jahr mit dem Auto - und das ausschliesslich in der Schweiz. Da lassen sich ein bis zwei kleine Bussen im Jahr leider nicht immer vermeiden.


Kennst du die neuen Via-sicura-Repressionen?
Ja, ich habe darüber gelesen.


Und was hältst du davon? 
Ich finde das schlimm. Um schwere Unfälle zu vermeiden, ist weniger Toleranz natürlich nicht generell unangebracht. Alkohol und Drogen am Steuer oder Leute, die während der Fahrt am Handy herumtippen, innerorts zu schnell sind oder an Schulen vorbeirasen, die gehören hart bestraft. Aber jemanden, der beispielsweise auf einer leeren Autobahn zu schnell unterwegs war, genauso zu belangen, das halte ich für verkehrt.


Gibt es einen speziellen Töff-Traum, den du verwirklichen möchtest, zum Beispiel eine Motorradreise oder ein Rennstreckentraining? 
Mein Wunsch ist es, mit Ducati einmal eine Rennstrecke zu besuchen. Nicht unbedingt um da selbst zu fahren. Vielmehr würde es mich reizen, live ein Motorradrennen aus nächster Nähe miterleben zu dürfen. Und eine Motorradreise zu einem Ducati-Treffen in Italien, da würde ich sicher gerne auch irgendwann dabei sein. Ach ja, ich habe in den USA bereits die Route 66 mit dem Auto gemacht. Dafür würde ich heute sicher mein Motorrad nehmen.


Was war bisher deine schönste bzw. schlimmste Erfahrung im Zusammenhang mit Töfffahren?
Meine schönste Erfahrung war sicherlich die, als ich zum ersten Mal auf meiner neuen Monster unterwegs war. Es war November, und wie es um diese Jahreszeit halt so ist: eiskalt. Aber plötzlich kamen ein paar Tage mit fast 20 Grad. Und dann hat mich nichts mehr gehalten. Ein schlimmes Töff-Erlebnis habe ich nie gehabt. Unangenehm war höchstens ein Motorrad-Fotoshooting, das ich gemacht habe. Da wurde ein Bild von mir im Abendkleid auf einer abgesperrten Strecke gemacht. Ich hatte zwar Helm, Stiefel und Handschuhe, und das Foto ist auch wunderschön geworden, aber ich würde nie mehr im Abendkleid auf einen Töff sitzen.


Womit wir beim nächsten Stichwort wären: Eine schöne Frau wie du legt doch Wert auf tolles Aussehen. Wie bringst du das alles unter den Helm?
Wenn ich Töff fahre, dann will ich frei sein. Ich will etwas erleben. Da brauche ich keine perfekte Schminke und Vorbereitung. Ich ziehe mich um, setz mich auf den Töff und brause einfach los. Ich brauche diesen Kontrast.


Hast du Tipps für Töff fahrende Frauen?
Es gibt dieses nichtssagende Klischee von den schlecht fahrenden Frauen. Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Besonders Töff fahrende Frauen sind wirklich super. Denen brauche ich auch keine Tipps zu geben. Höchstens den Frauen, die ein bisschen Angst haben, weil sie Töfffahren als Männersache ansehen. Das finde ich nicht. Denen würde ich sagen, probiert es doch einmal selbst. Am besten mit einem leichten, gut beherrschbaren Töff, so wie meine Monster. Wenn man sich gut fühlt und mit dem Motorrad so fährt, dass es einen glücklich macht, dann ist dieses Hobby nicht gefährlich, und man kann so viele tolle Sachen erleben.

 

Zur Person


Christa Rigozzi, geboren am 2. Mai 1983 in Monte Carasso (Tessin), hat Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Fribourg und als Nebenfach Strafrecht und Kriminologie an der Universität Bern studiert.

Am 9. September 2006 wurde Christa in Genf zur Miss Schweiz gekrönt. Ihr Amtsjahr brachte ihr Auftritte, Werbekampagnen und TV-Spots für viele renommierte Marken. Interviews und Fernsehshows haben bei ihr die Lust am Moderieren geweckt.  Durch die Sendung «Bauer, ledig, sucht » oder beim SRF in der Jury von «Die grössten Schweizer Talente» gelangte Christa zu noch grösserer Popularität.

Ihre liebsten Hobbys sind Reisen, Lesen, Snowboarden, mit Freunden in den Ausgang gehen und Motorradfahren. Christa charakterisiert sich selbst als spontan, und sie versteht es natürlich, auf Menschen zuzugehen: Dank dieser Eigenschaft und den fünf Sprachen (sie spricht Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch) hofft sie, auch in Zukunft all ihre Träume realisieren zu können.

 

Motorradfahren und modeln? Das ist kein Widerspruch - aber nur mit Köpfchen. Motorradfahren und modeln? Das ist kein Widerspruch - aber nur mit Köpfchen. © Armando Nappi
Die attraktive Tessinerin ist nicht nur eine Markenbotschafterin für Ducati, sondern auch eine glaubwürdige und begeisternde Fürsprecherin für das Motorradhobby. Die attraktive Tessinerin ist nicht nur eine Markenbotschafterin für Ducati, sondern auch eine glaubwürdige und begeisternde Fürsprecherin für das Motorradhobby. © Armando Nappi
Die Motorradfahrerin im Benzingespräch mit TÖFF. Die Motorradfahrerin im Benzingespräch mit TÖFF. © Armando Nappi
Christa Rigozzi wurde am 2. Mai 1983 geboren - die Miss Schweiz-Wahl gewann sie am 9. September 2006. Christa Rigozzi wurde am 2. Mai 1983 geboren - die Miss Schweiz-Wahl gewann sie am 9. September 2006. © Armando Nappi