Tausende Besucher wurden an der dreitägigen FMS-Jubiläumsfeier gezählt. Ganz besonderen Anklang fand auch der Corso mit 300 Töff aus allen Epochen.
Tausende Besucher wurden an der dreitägigen FMS-Jubiläumsfeier gezählt. Ganz besonderen Anklang fand auch der Corso mit 300 Töff aus allen Epochen. © Dimitri Hüppi

Im Einsatz für Töff

100 Jahre FMS

Von Dimitri Hüppi
10.09.2014 09:54:18

Die Föderation der Motorradfahrer Schweiz (FMS) feierte in Lyss BE mit Tausenden von Töffbegeisterten ihr 100-Jahr-Jubiläum...

Maschinen der Marken Excelsior, DKW, Feru Sachs, BSA, Laverda, Jawa, Matchless, Vincent, Ariel oder Zündapp sind heute in der Regel nicht mehr einfach so auf der Strasse anzutreffen. Schon gar nicht in grösserer Anzahl. Zu Recht bezeichnete darum Urs Gasser, Mitglied des FMS-Zentralvorstands und Präsident des Jubiläums-OK, den Motorradumzug vom 1. Juni als absoluten Höhepunkt der FMS-100-Jahr-Feier. Einen Nachmittag lang brausten, tuckerten und röhrten da nämlich gleich 300 Töff aus längst vergangenen Zeiten durch den Ortskern von Lyss BE. 

Das älteste teilnehmende Motorfahrzeug stammte aus dem Jahr 1897! Die französische Konstruktion, angetrieben von einem De-Dion-Bouton-Motor, hat zwar vier Räder, doch sitzt der Fahrer auf einem Sattel und steuert mit einem Motorrad- respektive Fahrradlenker. Für einen Passagier bietet das Vehikel ebenso Platz: Der bzw. die Chauffierte hockt in einem richtigen Sitz mit Rücken- und Armlehnen, der an der Front untergebracht ist. Aus heutiger Sicht eine recht abenteuerliche Bauweise! Die beiden zweitältesten Fahrzeuge, eine Frera F mit 500 Kubikzentimetern Hubraum und eine Motosacoche mit 1000 ccm, stammen aus dem Jahr 1919. Auch alle nachfolgenden Jahrzehnte waren mit diversen Modellen aller Hubraumklassen und Kategorien vertreten.

Hochräder und stilechte Kleidung

Selbst Fahrräder und Hochräder waren zu bestaunen. Gerade in den Anfangszeiten waren sich Motorräder und Fahrräder noch sehr ähnlich, und auch deren Fahrer standen sich nahe, hatten zum Beispiel angesichts der damals schlecht ausgebauten und ausgeschilderten Strassen oft dieselben Anliegen. Umso schöner war es, dem Treiben zuzusehen, als viele der Fahrerinnen und Fahrer ihre mobilen Veteranen in stilechter Kleidung und mit sichtlicher Begeisterung vorführten.

Die Freude breitete sich auch im bunt gemischten Publikum aus, das sich entlang der Umzugsstrecke aufstellte. Hunderte von Fotokameras und Handys wurden auf die Vorbeiziehenden gerichtet. Urs Gasser: "Das ist echt ein Highlight für die ganze Schweiz. Einen Corso wird es in dieser Art – mit so vielen verschiedenen Fahrzeugen an einem Ort – wohl nicht mehr geben." Weiter betonte Gasser: "Bereits die ersten zwei Festtage waren aus unserer Sicht ein grosser Erfolg. Alle Besucher waren friedlich, diszipliniert und kollegial." Nach Gassers Schätzung wurden an den insgesamt drei Festtagen rund 5000 Motorräder aus der Schweiz und dem Ausland gezählt.

FMS-Präsident Walter Wobmann meinte ebenso erfreut: "Das war ein Superanlass!" Der begeisterte Töfffahrer, der sich nicht nur in der FMS, sondern auch als SVP-Nationalrat für die Anliegen der Motorradfahrer einsetzt, hob ausserdem die gemeinsame Ausfahrt auf den Chasseral und über die Trainingsstrecke von Lignières hervor, an der am zweiten Festtag rund 130 Besucher mit ihren Bikes teilnahmen. Natürlich fehlte es auch nicht an verschiedenen Ständen, an Live-Bands und einem breiten kulinarischen Angebot.

Die ersten Ziele der FMS

Die Jubiläumsfeier bot auch Gelegenheit, in vergangene Zeiten des Schweizer Töffverbands zu blicken. Die von der FMS eigens herausgegebene, 130 Seiten dicke Broschüre "100 Jahre FMS 1914−2014" fasst einige wichtige Stationen in Texten und Bildern zusammen. Darin erfährt man etwa, dass die FMS am 26. März 1914 unter den Fittichen des seit Ende 1898 bestehenden Automobil-Clubs der Schweiz (ACS) in Genf gegründet wurde und damals noch Union Motocycliste Suisse (U.M.S.) hiess. Bereits im Gründungsjahr zählte der Verband zwölf Mitgliederklubs mit insgesamt etwa 800 Mitgliedern. Eines der ersten Ziele war "die Verbreitung und Vertretung der Interessen der Schweizer Motorradindustrie". Die Schweiz war in den Anfangszeiten der Motorisierung mit einigen namhaften Herstellern wie Motosacoche, Condor, Zehnder oder Universal im Markt vertreten. Weiter war die FMS bestrebt, "die Verbreitung des Motorrades in all seinen Anwendungen zu unterstützen; die Verbindungen zwischen Benutzern, Clubs, Konstrukteuren, Produzenten und Verkäufern zu fördern" oder "die Geschwindigkeitsexzesse zu bekämpfen, aber auch den Verboten entgegenzuwirken".

Die im Jahr 1904 gegründete Fédération Internationale des Clubs Motocyclistes, kurz F.I.C.M. (seit 1949 Fédération Internationale de Motocyclisme; FIM), hat der U.M.S./FMS später die Sporthoheit für die Schweiz zugesprochen, die sie heute noch innehat (siehe Kasten). Auch Sternfahrten und Zuverlässigkeitsfahrten gehörten zum Jahresprogramm der FMS. In der Festbroschüre liest man ferner von ehemaligen Präsidenten, etwa von Luigi Brenni (1976−1984): "Denkwürdig war sein Kampf für die Reduktion der Versicherungsprämien für Motorradfahrer, die damals unverhältnismässig hoch waren."

Kampf gegen das Rundstreckenverbot

Walter Wobmann ist überzeugt, dass es auch künftig unerlässlich ist, die Interessen der Töfffahrer in einem "starken Verband" zu bündeln und mit anderen Organisationen wie etwa dem Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verband (SAM) oder der IG Motorrad zusammenzuarbeiten. Selbst die Kooperation mit eher kritisch eingestellten Einrichtungen wie der bfu sei nötig. "Das ist der einzig gangbare Weg. Sonst würden wir in kurzer Zeit nicht mehr Töff fahren." Eines der aktuellen Ziele Wobmanns ist es, erneut gegen das seit 1955 geltende Schweizer Rundstreckenverbot anzukämpfen. "Töfffahrer werden auf der Strasse ja immer stärker eingeschränkt. Umso mehr drängt sich eine Rennstrecke auf, zumal man hier auch niemanden gefährdet."

Wieder stärker in den Fokus der FMS-Aktivitäten rücke zudem die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche. "Denn anders als vielleicht in den Siebzigerjahren sorgen heute viele Motorradfahrer für gute Umsätze", sagt Wobmann pointiert.

Die FMS heute

Die Föderation der Motorradfahrer Schweiz ist gemäss Leitbild eine Organisation, die sich für die Interessenverteidigung des Motorradfahrers, des Motorradsports und des Motorrades im Allgemeinen einsetzt. Ihr gehören rund 160 Klubs, Sektionen, Kantonalverbände und Einzelmitglieder an.

Die FMS hat die Hoheit im Schweizer Motorradsport inne. Sie vergibt Lizenzen, organisiert diverse Schweizer Meisterschaften und Weltmeisterschaften, ist aber auch im nichtsportlichen Bereich tätig. Zudem verfolgt sie Umweltfragen und technische Entwicklungen.

Die FMS arbeitet in einigen nationalen Gremien mit und ist Mitglied der Swiss Olympic, der UEM (Union Européenne de Motocyclisme) und der FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme).


Adresse:

FMS, Zürcherstrasse 305,  8500 Frauenfeld, www.swissmoto.org

 

Das älteste teilnehmende Motorfahrzeug war diese französische Konstruktion, angetrieben von einem De-Dion-Bouton-Motor. Das älteste teilnehmende Motorfahrzeug war diese französische Konstruktion, angetrieben von einem De-Dion-Bouton-Motor. © Dimitri Hüppi
Die heissen Strassenbikes der 1970er Jahre. Die heissen Strassenbikes der 1970er Jahre. © Dimitri Hüppi
Schön bemalter Tank einer New Imperial OHV mit 500 ccm Hubraum. Schön bemalter Tank einer New Imperial OHV mit 500 ccm Hubraum. © Dimitri Hüppi
Die Supersportfraktion. Die Supersportfraktion. © Thea Hüppi
Gut erhaltenes Alteisen war reichlich vorhanden. Gut erhaltenes Alteisen war reichlich vorhanden. © Thea Hüppi
Walter Wobmann (rechts) im Gespräch mit TÖFF-Redaktor Dimitri Hüppi. Walter Wobmann (rechts) im Gespräch mit TÖFF-Redaktor Dimitri Hüppi. © Thea Hüppi
FMS-Zentralpräsident Walter Wobmann 1979 an einem Rennen in Dijon. FMS-Zentralpräsident Walter Wobmann 1979 an einem Rennen in Dijon. © FMS
Rennfahrer, Zeitnehmer und Zuschauer am Grand Prix Suisse 1928 in Meyrin. Rennfahrer, Zeitnehmer und Zuschauer am Grand Prix Suisse 1928 in Meyrin. © FMS
Immer ein Höhepunkt im Motorradjahr waren die Sternfahrten und Zuverlässigkeitsfahrten der U.M.S. - hier 1936. Immer ein Höhepunkt im Motorradjahr waren die Sternfahrten und Zuverlässigkeitsfahrten der U.M.S. - hier 1936. © FMS
Das aktuelle Logo der FMS. Das aktuelle Logo der FMS. © FMS
FMS-Logo aus früheren Jahren. FMS-Logo aus früheren Jahren. © FMS